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    Nachtschicht mit Risiko: Vettel hofft auf Lichtblick

    Das bubenhafte Lächeln von Sebastian Vettel kann seine Zweifel nicht verbergen. Vor der Nachtschicht in Singapur, die den Start der Aufholjagd des Formel-1-Weltmeisters markieren soll, schlummert in seinem Auto ein Restrisiko.

    Restrisiko
    Sebastian Vettel kann sich nicht hundertprozentig auf seinen Rennwagen verlassen.
    Foto: Diego Azubel - DPA

    Noch immer ist die Ursache für die beiden Lichtmaschinen-Defekte am Red Bull in diesem Jahr nicht gefunden - und das vor dem wohl härtesten Rennen der Saison. «Ich kann keine Garantien geben», bekannte der 25-Jährige am Donnerstag, fügte aber immerhin hinzu: «Wir haben ein paar Ideen, es sollte also besser werden.»

    In kurzer Hose war der Hesse zur Fragestunde des Weltverbands erschienen, feixte mit Sitznachbar Kimi Räikkönen, spielte mit dem Handy - bis das Thema Lichtmaschine an die Reihe kam. Jetzt schaute Vettel ernst. «Wenn wir wüssten, was der Fehler war, hätten wir ihn schon nach dem ersten Mal behoben», sagte er knapp. 33 Punkte haben die Ausfälle in Valencia und zuletzt in Monza den Titelverteidiger mindestens gekostet, 39 Zähler beträgt der Rückstand des WM-Vierten auf Spitzenreiter Alonso.

    «Wenn das Auto technische Probleme hat, kannst du nichts machen», richtete Alonso aus. Vom Mitgefühl des Ferrari-Rivalen aber hat Vettel nichts. Sieben Übersee-Rennen bleiben ihm, um doch noch die Wende zu schaffen und seinen dritten Titel in Serie einzufahren. «Konstanz ist das wichtigste. Unser Auto war immer gut für die Top fünf», sagte der Heppenheimer. Die Botschaft ans Team und vor allem Motorenpartner Renault war klar: weitere Pannen unerwünscht.

    Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz hatte voller Sorge gar eine Trennung vom Zulieferer der anfälligen Bauteile angemahnt. Vettel meinte dazu: «Von heute auf morgen den Zulieferer wechseln, das geht nicht so leicht. Aber wenn alle Stricke reißen, muss man auch daran denken.» Der Endspurt wird zur Nervensache. Ungeduldig erfüllte Vettel in Singapur seine PR-Pflichten, es drängt ihn zurück in die Garage und auf die Strecke. «Die Dinge können sich schnell ändern, das hat die Saison gezeigt», macht er sich Mut.

    Auch Alonso hat den Deutschen vor dem Flutlicht-Spektakel von Singapur keineswegs abgeschrieben. «Er hat ja nicht vergessen, wie man Rennen fährt und Titel gewinnt», sagte der Spanier. «Fünf, sechs Fahrer» könnten noch Weltmeister werden, rechnete Alonso vor. Neben Vettel dürfte er dabei vor allem an den Gesamtzweiten Lewis Hamilton (37 Punkte Rückstand), Lotus-Fahrer Räikkönen (38) und Mark Webber im zweiten Red Bull (47) gedacht haben.

    Als schärfsten Gegner hat der zweimalige Champion McLaren-Star Hamilton ausgemacht. Der Brite hat zwei der drei vergangenen Rennen gewonnen. «McLaren ist hier Favorit, wir müssen ihre Dominanz brechen», erklärte Alonso. Rekordweltmeister Michael Schumacher erwartet allerdings eine andere Taktik vom Asturier. «Fernando muss gucken, dass er wie ein Hamster bunkert. Lewis muss auf Attacke fahren, genau wie Sebastian», erklärte der Mercedes-Star.

    Hamilton zumindest kann den Schwung der vergangenen Wochen nutzen. «Die Atmosphäre im Team ist fantastisch. Wir müssen Gas geben wie verrückt», sagte der 27-Jährige. Alle Fragen zu einem möglichen Wechsel zu Mercedes als Schumacher-Nachfolger blockte Hamilton sofort ab. «Es zählt nur dieses Wochenende, darauf konzentriere ich mich», sagte er.

    Singapur soll zum Wegweiser werden für den Rest der Saison. Eine Reihe von Teams hat noch einmal neue Bauteile für die Autos mitgebracht. Funktionieren die, ist das ein gutes Zeichen für die neunwöchige Abschlusstour über drei Kontinente. Geht die Rechnung nicht auf, droht ein verkorkster Zielsprint. «Es gibt keinen Raum für Fehler», sagte Alonso - und traf damit auch Vettels Singapur-Stimmung auf den Punkt.

    Daten zur Rennstrecke

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