Archivierter Artikel vom 01.03.2010, 10:50 Uhr
Vancouver

Paralympics «mit glühenden Herzen»

Die Flamme ist aus, doch das Feuer kommt zurück: «Mit glühenden Herzen», so der offizielle Slogan, wetteifern vom 12. bis 21. März rund 540 Behindertensportler aus 44 Ländern in Vancouver und Whistler wieder um Gold, Silber und Bronze.

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In der kurzen Verschnaufpause zwischen dem Ende der Olympischen Winterspiele und dem Beginn der Paralympics rüsten sich die Kanadier für das zweite Mammutereignis dieses Jahres. In den alpinen und nordischen Ski-Wettbewerben, im Biathlon, im Rollstuhl-Curling und im Sledge-Eishockey werden 64 Medaillensätze vergeben.

Vom 3. März an wird mit einem paralympischen Fackellauf von Kanadas Hauptstadt Ottawa aus das Feuer wieder nach Vancouver zurückgetragen und soll symbolisch die Begeisterung neu entzünden. Erstmals werden dies die Neulinge Argentinien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien und Serbien erleben. 425 Doping-Tests sind vorgesehen, mehr als 6100 Freiwillige haben sich als Helfer gemeldet, 1400 Medien- Vertreter sind akkreditiert, etwa 250 000 Eintrittskarten sollen verkauft werden.

Die Vorgaben sind beeindruckend. «Vancouver weist Rekordzahlen auf. Wir sind, glaube ich, auf einem guten Weg und werden uns weiterentwickeln», sagte Sir Philip Craven, britischer Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), der Deutschen Presse- Agentur dpa. Zum Vergleich: An den ersten Winter-Paralympics 1976 im schwedischen Örnsköldsvik nahmen 198 Sportler aus 16 Ländern teil, 2006 in Turin waren es 474 aus 39 Nationen.

«Die Paralympics-Teilnehmer werden hier hervorragende Bedingungen vorfinden. Es wird eine ganz eigenständige Veranstaltung und kein Anhängsel an die Winterspiele sein», sagte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Das Nationale Paralympische Komitee für Deutschland schickt 20 Athleten (14 Männer, sechs Frauen) in die Wettbewerbe. «Wir blicken voller Zuversicht nach Vancouver», meinte Karl Quade, Chef de Mission des kleinen deutschen Teams. Vor vier Jahren waren 35 Deutsche am Start, die mit achtmal Gold sowie je fünfmal Silber und Bronze in der Nationenwertung Platz zwei hinter Russland (13-13-7) belegten.

Quade hat für die Spiele in Vancouver und Whistler zwei Prämissen: Deutschland soll sich «unter den Spitzen-Nationen etablieren». Der andere Aspekt ist für den früheren Volleyballer von höherer Bedeutung: «Wir wollen die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderung demonstrieren, wir wollen unsere soziale Kompetenz unterstreichen, und wir wollen Vorbild sein für Menschen mit und ohne Behinderung.»

DOSB-Präsident Thomas Bach pflichtete bei: «Die sportliche Leistung steht im Mittelpunkt, nicht die Behinderung.» Quade macht keinen Unterschied zwischen «Fußgängern» und Behinderten-Athleten: «Das ist natürlich absoluter Hochleistungssport, der dort stattfindet.» Das deutsche Budget für die Spiele liegt bei 540 000 Euro, die komplett von der Öffentlichen Hand finanziert werden.

«Ich hoffe, dass die deutschen Paralympics-Teilnehmer ähnlich gut in die Erfolgsspur finden wie die nichtbehinderten Athleten bei den Winterspielen», meinte Vesper. Doch Unterschiede gibt es nach Ansicht von Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), nach wie vor: «Von einer echten Gleichstellung sind wir noch weit entfernt.» Der ehemalige SPD- Bundestagsabgeordnete will dafür eintreten, «dass wir in Deutschland die optimalen Rahmenbedingungen für den Paralympischen Leistungssport erhalten». Erfolge in Kanada sollen helfen, diesen Anspruch zu untermauern.