Melbourne

Grand-Slam-Turnier

Djokovic zum achten Mal Australian-Open-Champion

Novak Djokovic wackelte bedenklich, entschied am Ende aber auch sein achtes Endspiel der Australian Open für sich. Die Dominanz der drei Topstars der Tennis-Szene hält an.

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Siegerpokal
Novak Djokovic küsst nach dem hart erkämpften Finalsieg gegen Thiem den Siegerpokal.
Foto: Andy Brownbill/AP/dpa

Melbourne (dpa). Mit geschlossenen Augen genoss Novak Djokovic den Moment seines achten Triumphes bei den Australian Open, erlöst klatschte der Melbourne-Dominator mit den frenetischen serbischen Tennis-Fans ab.

Novak Djokovic
Hat die Australian Open zum achten Mal gewonnen: Novak Djokovic.
Foto: Michael Dodge/AAP/dpa

Als sich der 32-Jährige aus der brenzligen Situation gegen den österreichischen Herausforderer Dominic Thiem doch noch befreit hatte und wieder zur Nummer eins der Tennis-Welt aufgestiegen war, konnte er wieder lachen. „Es war definitiv eines der schwierigsten Endspiele, die ich hier hatte. Ich war kurz davor, dieses Match zu verlieren“, räumte Djokovic ein. „Ich bin gesegnet, diese Trophäe wieder in den Händen zu halten.“

Bei aller Euphorie nach seinem 6:4, 4:6, 2:6, 6:3, 6:4 wurde der Serbe aber auch ernst und lenkte den Blick auf Themen abseits von Tennis-Triumphen. „Dies ist eine Erinnerung an uns, dass wir mehr denn je zusammenhalten sollen“, sagte der 32-Jährige.

Der Rekordsieger der Australian Open dachte in seiner Siegesrede an seinen kürzlich bei einem Helikopter-Absturz gestorbenen Freund und Mentor, den Basketballer Kobe Bryant. Ebenso wie an die Opfer der australischen Buschfeuer, für deren Hilfe beim ersten Grand-Slam-Turnier der Saison mehr als sechs Millionen australische Dollar zusammengekommen sind. „Ich hoffe, dass ein Desaster wie dieses nie wieder passiert“, sagte auch der unterlegene Thiem.

Der erste österreichische Australian-Open-Finalist hatte den Favoriten im packenden Schlussakt des zweiwöchigen Turniers stark unter Druck gesetzt. Seine Chance durch die Schwächephase des Serben auf seinen ersten Grand-Slam-Titel nutzte er aber auch in seinem dritten Endspiel bei einem der vier wichtigsten Turniere nicht.

Als eine Vorhand des 26-jährigen Thiem beim ersten Matchball des Titelverteidigers knapp seitlich im Aus landete, streckte Djokovic beide Zeigefinger nach oben und klopfte sich aufs Herz. Mit viel Mühe baute der Serbe seine imposante Siegesserie in Melbourne aus. Auch in seinem achten Endspiel der Australian Open blieb er unbezwungen und wird am Montag nach einem phasenweise wackeligen Auftritt gegen den Zverev-Bezwinger den Spanier Rafael Nadal als Nummer eins ablösen.

Begeistert küsste Djokovic den Norman Brooks Challenge Cup, klatschte mit den Ballkindern ab und schrieb für die große serbische Fan-Gemeinde ausgiebig Autogramme. Als Erster bei den Herren hat er nun in der Profi-Ära seit 1968 in drei Jahrzehnten Grand-Slam-Titel gewonnen. Für den insgesamt 17. Erfolg bei einem der vier wichtigsten Turniere verdiente er umgerechnet rund 2,5 Millionen Euro und rückte wieder näher an Rekord-Grand-Slam-Turniersieger Roger Federer aus der Schweiz (20) und Nadal (19) heran. „Es ist unwirklich, was du all die Jahre machst“, sagte Thiem. Drei Jahre dauert die Titelserie der „Big Three“ an.

Thiem hatte im Viertelfinale gegen Nadal und Zverev seinen Anspruch unterstrichen, für seinen ersten Grand-Slam-Titel reif zu sein. „Du warst nah dran und du hast definitiv noch viel mehr Zeit in deiner Karriere. Und ich bin sicher, du wirst eine der Grand-Slam-Trophäen bekommen. Mehr als eine“, sagte Djokovic zu Thiem.

In dem Tennis-Krimi über vier Stunden wirkte Djokovic zwischenzeitlich körperlich und mental angeschlagen. Vom zweiten Satz an wackelte Djokovic. Als der Serbe sich zum zweiten Mal bei einem Aufschlag zu viel Zeit ließ, kassierte er eine zweite Verwarnung und hatte nur einen Aufschlag. Die prompte Folge: das entscheidende Break für Thiem zum Satzausgleich. Djokovic patschte beim Seitenwechsel Schiedsrichter Damien Dumusois auf die Schuhe und schimpfte: „Du machst dich selbst berühmt, gut gemacht.“

Thiem dominierte auf einmal das Geschehen und sicherte sich ohne all zu viel Gegenwehr auch Satz drei. Der Vorjahressieger bekam medizinischen Rat, verließ beim Satzrückstand den Platz. „Nach wie vor sieht Novak Djokovic körperlich nicht gut aus“, sagte Boris Becker als TV-Experte bei Eurosport über seinen früheren Schützling.

Im vierten Satz hatte sich Djokovic wieder gefangen, ihm glückte das Break zum 5:3. Plötzlich drehte sich die Partie zugunsten des Favoriten, der am Ende wieder der bessere Spieler war und seine riesige Erfahrung ausspielte.

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Direkter Vergleich Djokovic – Thiem