Archivierter Artikel vom 01.12.2020, 04:31 Uhr
Riesenbeck

Wegen Corona-Krise

Die ganz andere Reit-DM bei Rekord-Champion Beerbaum

Aller guten Dinge sollen drei sein. Nach zwei Absagen wollen die deutschen Springreiter nun im dritten Versuch ihren Meister ermitteln. Durch Corona ist alles anders – und das Startfeld dennoch so hochklassig wie schon lange nicht mehr.

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Springreiter
Reitet nach mehreren Jahren Pause bei den deutschen Meisterschaften in Riesenbeck: Ludger Beerbaum.
Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Riesenbeck (dpa). Eine solche Meisterschaft gab es noch nie. Beim deutschen Championat der Springreiter an diesem Wochenende im westfälischen Riesenbeck ist durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie so ziemlich alles anders als sonst.

Erstmals werden die nationalen Titel für Herren und Damen erst im Dezember vergeben, erstmals wird dafür in einer Halle geritten und erstmals wird ein Modus genutzt, bei dem zwei Qualifikationen Teile von internationalen Prüfungen sind. „Letztlich sind wir vor allem froh, dass es überhaupt noch klappt“, sagte Bundestrainer Otto Becker.

Es ist immerhin der dritte Versuch, nachdem zunächst das Anfang Mai im sauerländischen Balve geplante Turnier und dann der erste Ersatztermin in Riesenbeck abgesagt worden waren. Dass es nun klappt, ist vor allem der Hartnäckigkeit von Gastgeber Ludger Beerbaum zu verdanken. „Der war wild entschlossen“, berichtete der Bundestrainer. „Das ist aller Ehren wert, dass er das jetzt trotzdem durchzieht.“

Angesichts des Ausfalls von mehr als 90 Prozent aller großen Hallen-Turniere ist die späte Meisterschaft in der Halle „ein Highlight für alle Springreiter“, wie der Bundestrainer betonte. Zuletzt hatten die deutschen Topreiter die nationalen Titelkämpfe meistens verschmäht und waren lieber auf höher dotierte Turniere im Ausland gefahren.

Auch Beerbaum selber war schon länger nicht mehr am Start. Der Rekordmeister, der den letzten seiner neun Titel 2011 mit Coupe de Coeur gewonnen hatte, sagte vor fünf Jahren: „Eine Meisterschaft hat es schwer, sich zwischen Global Tour, Nationenpreisen und Grand Slam zu behaupten.“

Jetzt nutzt Beerbaum die Chance der vielen Ausfälle von Veranstaltungen und Serien und integriert die nationale Meisterschaft in ein internationales Drei-Sterne-Turnier auf seiner Anlage. Und der viermalige Olympiasieger reitet selber mit. „Das ist zumindest geplant“, sagte Becker: „Er steht auf der Liste.“

Beerbaum ist seit seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft vor vier Jahren noch aktiver als Unternehmer. Als Veranstalter hat der 57-Jährige bereits deutsche Jugend-Meisterschaften und zahlreiche internationale Turniere auf seiner Anlage organisiert – und im kommenden September ist sogar die Europameisterschaft in Riesenbeck geplant, einem Ortsteil von Hörstel zwischen Osnabrück und der niederländischen Grenze.

„Das geht da wunderbar“, versicherte Dennis Peiler, Sportchef bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). „Es ist wichtig für die Reiter, eine Perspektive zu haben“, erklärte Peiler den Wert der ungewöhnlichen deutschen Meisterschaft: „Egal, ob mit oder ohne Zuschauer ist es aus sportlicher Sicht wichtig.“

Das Fehlen des Publikums ist eine der zahlreichen Einschränkungen. Die Meisterschaft werde „erheblich anders ablaufen als bisher gewohnt“, sagte Beerbaum. Die Teilnehmer dürfen jeweils nur einen Pfleger mitnehmen. Angehörige, Begleitpersonen, Pferdebesitzer und Sponsoren sind ebenso wenig erlaubt wie Medienvertreter.

© dpa-infocom, dpa:201130-99-522208/3

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