Mit Kiel und Flensburg

Neue Ära der Handball-Königsklasse beginnt in Corona-Zeiten

Die Europäische Handball-Föderation hat die Champions League umfassend reformiert. Künftig spielen nur noch 16 Teams mit – darunter die deutschen Topclubs aus Kiel und Flensburg.

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Champions League
Noch ehe der Sieger der vergangenen Saison gekürt ist, beginnt für den THW Kiel die Champions League.
Foto: Axel Heimken/dpa

Frankfurt/Main (dpa) – Neuer Modus, mehr Geld – aber auch viele Corona-Fragezeichen.

Noch ehe der Sieger der vergangenen Saison gekürt ist, beginnt für den deutschen Handball-Meister THW Kiel und Vizemeister SG Flensburg-Handewitt die Jagd nach dem Millionen-Jackpot in der reformierten Champions League. Dank eines üppig dotierten Vermarktungsvertrages, der der Europäischen Handball-Föderation in den nächsten zehn Jahren insgesamt 500 Millionen Euro garantiert, können die nur noch 16 statt zuvor 28 Teilnehmer in der Königsklasse ordentlich Kasse machen.

„Das Gesamtpaket ist ein Riesenschritt für die Vereine“, sagte Gerd Butzeck, Geschäftsführer des Forum Club Handball, in dem sich die Topvereine zusammengeschlossen haben. Statt bisher 3,4 Millionen Euro werden ab dieser Saison immerhin 6,3 Millionen Euro ausgeschüttet.

Neu ist eine Erfolgsprämie in der Gruppenphase, wo jeder Punktgewinn mit 5000 Euro honoriert wird. Zudem erhält jeder Verein der beiden Achter-Gruppen pro Auswärtsspiel 30.000 Euro – macht bei sieben Partien in der Fremde 210.000 Euro. Für die Gruppensieger und Gruppenzweiten, die sich direkt für das Viertelfinale qualifizieren, gibt es einen Bonus von 30.000 Euro. Jeder Punkt im Achtelfinale bringt 7500 Euro, im Viertelfinale 10.000 Euro.

Große Kasse wird dann beim Final-Four-Turnier gemacht. Der Gewinner erhält eine Rekordprämie von einer Million Euro – darin enthalten sind allerdings die bis dahin schon ausgeschütteten Gelder von maximal 450.000 Euro.

Für Kiel und Flensburg kommen die Zusatzeinnahmen angesichts der erheblichen finanziellen Einbußen in der Corona-Krise zur rechten Zeit. Denn an einen Normalbetrieb ist vorerst weiter nicht zu denken. Die Flensburger starten an diesem Mittwoch (20.45 Uhr) gegen den polnischen Meister Vive Kielce um Nationaltorhüter Andreas Wolff mit einem Geisterspiel in die Gruppenphase – ein Novum in der 30-jährigen Vereinsgeschichte.

Zudem lief die Vorbereitung anders als gewohnt. Mangels Gegnern gab es zuletzt keine Testspiele mehr. „Es war alles nicht einfach“, sagte Trainer Maik Machulla. Dennoch gibt sich der 43-Jährige kämpferisch: „Wir wollen das erste Spiel gewinnen.“

Wie fragil das gesamte System angesichts der Pandemie weiter ist, verdeutlichte die erste Spielabsage. Die Partie MOL-Pick Szeged gegen Paris Saint-Germain musste nach einem positiven Corona-Test bei einem Spieler der Ungarn kurzfristig verschoben werden.

Rekordmeister Kiel startet am Donnerstag (18.45 Uhr) beim kroatischen Topteam HC PPD Zagreb in den Wettbewerb. „Unser großes Ziel ist, unter die beiden ersten Mannschaften zu kommen und uns direkt für das Viertelfinale zu qualifizieren. Wir haben in der vergangenen Saison gesehen, wie wichtig es ist, vom ersten Spieltag an voll da zu sein“, sagte Sportdirektor Viktor Szilagy.

Nach dem Saison-Abbruch war der deutsche Rekord-Champion von der EHF für das wegen der Coronavirus-Pandemie auf Ende Dezember verlegte Final-Four-Turnier 2020 als Tabellenführer seiner Gruppe gesetzt worden. Für das Team um Norwegens Topstar Sander Sagosen ist die Gruppenphase daher auch ein willkommener Test für den letzten Kampf um die alte Trophäe zwischen Weihnachten und Silvester in Köln. Im Juni 2021 wird dort dann ein neuer Pokal vergeben.

© dpa-infocom, dpa:200915-99-570566/2

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