Archivierter Artikel vom 13.08.2020, 12:18 Uhr

Formel 1

Mercedes sucht den Ausweg aus dem Gummi-Teufelskreis

An der gleißenden Sonne über Katalonien kann sich Mercedes nur bedingt erfreuen. Die Hitze bringt die Ingenieure des Branchenführers ins Schwitzen – eine Lösung für das Reifenproblem muss her.

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Lewis Hamilton
Mercedes-Pilot Lewis Hamilton war vor zwei Wochen in Silverstone der Reifen geplatzt.
Foto: Andrew Boyers/Pool Reuters/AP/dpa

Barcelona (dpa). Der schwarze Silberpfeil ist einfach zu schnell. Was die Sieggarantie in der Formel 1 sein sollte, kann „gleichzeitig Segen und Fluch“ sein, wie es Teamchef Toto Wolff formulierte. Warum?

Das Problem sind die Reifen, das Problem tritt bei großer Hitze zutage. Bei Temperaturen, wie sie nun auch für den Großen Preis von Spanien an diesem Wochenende erwartet werden. 30 Grad und mehr über Katalonien. Das treibt nicht nur den Fahrern in den feuerfesten Rennoveralls den Schweiß auf die Stirn.

Mit Hochdruck sucht Mercedes den Ausweg aus dem Gummi-Teufelskreis. „Wenn wir das nicht schnell hinbiegen, werden wir auch nächsten Sonntag dumm aus der Wäsche gucken“, betonte der Mercedes-Renningenieur Andrew Shovlin, nachdem die Reifen am vergangenen Sonntag in Silverstone an den Autos von Sechsfach-Weltmeister Lewis Hamilton und Teamkollege Valtteri Bottas schwer gelitten hatten. Blasen hatten sich gebildet. Ein Vabanquespiel bei 300 Sachen. Eine Woche vorher war beiden Piloten ein Vorderreifen sogar geplatzt.

Allerdings waren die Ursachen für die massiven Probleme mit den Pirelli-Reifen unterschiedlich. Beim ersten Rennen des Silverstone-Doppelpacks wirkten die Seiten- und Längskräfte zu stark auf die Gummis ein durch das Bremen und durch die Kurven. Mit mehr Reifendruck fürs zweite Rennen konnte das Problem gelöst werden. Dann aber machten die Hinterreifen zu schaffen.

Im Zentrum seien diese sehr heiß geworden. „Wenn der Reifen heiß wird, schlittert er mehr und produziert so noch mehr Hitze“, erklärte Shovlin. Die Folge: Der Wagen verliert an Bodenhaftung, der Fahrer an Kontrolle über den Wagen. Im Regen oder bei kühleren Temperaturen passiert das nicht, da funktioniert das Zusammenspiel zwischen Aerodynamik und Motorleistung beim Silberpfeil auch nahezu perfekt. „Aber bei anderen Rennen, wo der Reifen der limitierende Faktor ist, machen wir den Reifen halt platt“, betonte Wolff.

Das sah dann nach dem Rennen am vergangenen Sonntag, bei dem sich Hamilton und Bottas hinter Max Verstappen im Red Bull noch auf die Plätze zwei und drei retteten, so aus, als ob die schwarzen Walzen eine zweite Schicht aus verbrauchten Reifenresten aufgesammelt hätten – eine rollende Kraterlandschaft aus Gummi. Erstaunt hatten sich WM-Spitzenreiter Hamilton und Bottas danach die Reifen von Verstappen angeschaut, der mit 30 Punkten Rückstand auf Rang zwei im Klassement kletterte. „Sie sahen noch perfekt aus“, meinte Bottas.

Kleiner Trost für die Mercedes-Crew: Für das Rennen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya, auf dem sich die Silberpfeile seit der Wiedereinführung der Turbomotoren nur selbst schlagen konnten und seit 2014 fünf der sechs Rennen gewannen, hat Exklusivausrüster Pirelli zumindest nicht dieselben Gummimischungen wie zuletzt in Silverstone im Gepäck. Wohlwissend, dass der vor zwei Jahren neu asphaltierte Kurs ohnehin die Reifen verschleißt, entschied sich der italienische Hersteller für die drei härtesten Mischungen – so wie vor knapp zwei Wochen in Silverstone. „Das wird das anspruchsvollste Rennen auf dem Kurs, das wir bisher gesehen haben“, prophezeite bereits Pirelli-Rennleiter Mario Isola dennoch.

„Ich denke, es wäre narrenhaft, wenn wir sagen würden, wie sehen das Problem nicht noch mal und wir sehen es nicht in Spanien“, befürchtet Mercedes-Mann Shovlin. „Es gibt keine Zweifel, Spanien wird hart.“

© dpa-infocom, dpa:200813-99-152529/2

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