Archivierter Artikel vom 17.09.2010, 09:54 Uhr

Hills 50. – Glückwunsch von Schumi

Berlin (dpa). Er war ein Formel-1-Spätzünder. Damon Hills Duelle mit Michael Schumacher waren explosiv. «Damon und ich haben uns einige schöne Fights geliefert», erinnert sich der deutsche Rekordweltmeister.

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Geburtstag
Damon Hill als Zuschauer beim Großen Preis von Bahrain.

Schumacher kehrte mit 41 Jahren in die Königsklasse zurück, Hill ist seit 2006 Präsident des British Racing Driver's Club. Beim Rennklassiker in diesem Jahr in Monaco saß er in der Rennkommission, die Schumacher für seine Safety-Car-Attacke bestrafte. Am 17. September feiert Hobbymusiker Hill einen runden Geburtstag.

«Dass Damon 50 wird, überrascht mich – mir war gar nicht bewusst, dass er doch soviel älter ist als ich», sagte Schumacher der Nachrichtenagentur dpa: «Kompliment, er sieht noch ziemlich fit aus. Ich wünsche ihm alles Gute. »

Auf der Strecke sah Hill, dessen Vater Graham zweimal den Titel holte (1962/1968), oft auch schlecht aus. Sein Renndebüt feierte er mit 31 Jahren für Brabham, ehe er bei Williams ein Stammcockpit bekam und rasch die ersten Siege einfuhr. Nach dem tragischen Tod von Ayrton Senna im Mai 1994 avancierte Hill zur Nummer eins bei dem britischen Traditionsteam. Der Kampf mit Schumacher erreichte schon bald seinen ersten Höhepunkt und vor allem die britische Presse machte es zum nationalen Duell zwischen England und Deutschland.

Hill hatte einen Punkt weniger vor dem Saisonfinale in Australien. Runde 36 am 13. November 1994 in Adelaide: Schumachers Benetton und der Williams von Hill berühren sich. Schumachers Auto landet in den Reifenstapeln. Hill fährt weiter. Aber nicht lange: Die Radaufhängung ist kaputt. Das vorzeitige Ende im WM-Kampf.

Schumacher ist mit 92 Punkten erstmals Weltmeister, Hill mit 91 Zählern geschlagen. Ein Jahr später zieht Hill klarer den Kürzeren. Dann wechselt Schumacher zu Ferrari. Die Italiener dümpelten damals eher vor sich hin. Hill nutzte die Gelegenheit. Sieg beim Saisonauftakt, sieben weitere folgen. Am Ende der WM-Gewinn – als einziger Weltmeistersohn.

Doch sein Verlierer-Image konnte Hill nie so richtig ablegen. Trotz Titel wurde sein Williams-Vertrag nicht verlängert. Stattdessen holte Sir Frank Williams Heinz-Harald Frentzen ins Cockpit. Hill musste sich mit dem weniger erfolgversprechenden Arrows-Team abfinden. Siege blieben Fehlanzeige. Nur noch einmal gelang es Hill – mit Jordan – bis zu seinem Karriereende nach der Saison 1999 ganz oben zu stehen. Das war 1998 in Spa-Francorchamps.

Weltmeister 1996, 22 Siege in 115 Rennen, 20 Pole Positionen – die Bilanz des Briten, der 1991 als Williams-Testfahrer in die Formel 1 einstieg, kann sich dennoch sehen lassen. Brabham (1992), für das er nach fünf verpassten Qualifikationen beim Heimrennen in Silverstone sein Renndebüt gab, Williams (1993 bis 1996), Arrows (1997) und Jordan (1998 und 1999) waren seine Stationen.

Privat musste Hill früh einen schweren Leidenschlag einstecken. 1975 kam Vater Graham bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, mit ihm fünf weitere Menschen. Um die Schadenersatzzahlungen wegen der nicht ausreichend versicherten Hill-Maschine leisten zu können, musste die Witwe die Villa verkaufen. Damon verdiente Geld als Motorradkurier bei einer Arzneifabrik hinzu. Seine Rennsportkarriere begann Hill ebenfalls auf zwei Rädern. Mittlerweile ist Hill vierfacher Familienvater. Nach der Geburt ihres geistig behinderten ersten Sohnes engagieren er und seine Frau sich für Kinder mit ähnlichem Schicksal.