Archivierter Artikel vom 21.03.2011, 17:36 Uhr

Duell der Champions: Vettel will zweiten Titel

Berlin (dpa). Wer stoppt Sebastian Vettel? Im Duell der Champions will sich Deutschlands Sportler des Jahres zum jüngsten Doppel-Weltmeister der Formel-1-Geschichte krönen.

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Auftakt
Beim ersten GP des Jahres in Australien müssen die Teams alle Karten offenlegen.
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Doch wenn am 27. März in Melbourne mit zwei Wochen Verspätung die Saison beginnt, muss sich der Titelverteidiger gleich gegen vier Amtsvorgänger wehren. Der WM-Favorit des Chefs: «Ganz klar: Sebastian», sagte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone trotz der Konkurrenz der PS-Schwergewichte Fernando Alonso, Lewis Hamilton, Jenson Button und Michael Schumacher.

An einen Selbstläufer aber mag selbst Überflieger Vettel nicht glauben, der auf seinem Weg an die Spitze die Rekorde in Serie brach. Schon gar nicht nach der atemberaubenden Vorsaison, die im wohl spannendsten Titel-Endspurt der Königsklassen-Historie gipfelte. «Neues Spiel, neues Glück», meinte der 23-Jährige aus Heppenheim gewohnt lässig am Rande der Testfahrten.

Bei den Proberunden wurde allerdings auch schnell klar, dass Vettel und sein Red-Bull-Stallrivale Mark Webber wohl erneut im stärksten Auto sitzen. Vize-Weltmeister Alonso fährt mit Ferrari anscheinend mit einem leichten Rückstand in die Saison. Die McLaren-Piloten Hamilton und Button, die zunächst noch markige Töne spuckten, sind zuletzt wieder etwas kleinlauter geworden.

In letzter Minute zum Mitfavoriten avancierte Mercedes. «Über die Meisterschaft zu reden, wäre etwas zu verfrüht», befand Schumacher noch nach den ersten Fahrten im neuen Silberpfeil. Doch dann raste der siebenmalige Weltmeister bei den Abschlusstests in Barcelona im überarbeiteten Auto zur phänomenalen Bestzeit. Der Plan des Teams sei aufgegangen, frohlockte Teamchef Ross Brawn. «Wir sind in einer ziemlich starken Position», meinte Schumacher. Nach seiner ernüchternden Comeback-Saison 2010, die er als Neunter beendete, will der 42-Jährige es nun noch einmal allen beweisen

Teamkollege Nico Rosberg will im sechsten Formel-1-Jahr endlich einmal ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen. Im Vorjahr quetschte er deutlich mehr aus dem Mercedes heraus als Altmeister Schumacher. «Wir müssen auf das vergangenen Jahr aufbauen und weiterkommen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen», meinte der Wiesbadener.

Komplettiert wird das halbe Dutzend deutscher Stammpiloten von Force-India-Fahrer Adrian Sutil aus Gräfelfing, dem für Marussia Virgin startenden Timo Glock aus Wersau – und Nick Heidfeld. Für den 33 Jahre alten Mönchengladbacher schien die Formel-1-Karriere endgültig beendet, ehe Lotus Renault den zuverlässigen Routinier nach Robert Kubicas schwerem Rallye-Unfall reaktivierte. «Diese Chance kam völlig aus heiterem Himmel. Ich musste die Gelegenheit ergreifen», erklärte Heidfeld.

Größter Vorteil für den Wahl-Schweizer: Er hat 2010 als Testpilot ausgiebig die neuen Pirelli-Reifen getestet, die vermutlich kräftigen Einfluss auf die Rennen nehmen werden. Die Pneus des neuen Reifenpartners, der Bridgestone ablöste, bauen enorm schnell ab und zwingen die Teams zu mehreren Wechseln. «Strategien mit ein oder zwei Stopps sind derzeit unmöglich. Es werden wohl drei oder vier sein, das macht die Sache sehr interessant», urteilte Vettel.

Zusätzliche Herausforderung für die Piloten sind zwei neue Knöpfe am Lenkrad. Einer löst den Sekunden-Schub durch das Energie-Rückgewinnungssystem KERS aus, der andere verstellt für kurze Zeit den Heckflügel. Beides soll das Überholen erleichtert und für mehr Spektakel sorgen.

Mit Spannung erwartet wird auch die nächste Grand-Prix-Premiere. Nach dem etwas chaotischen Debüt in Südkorea 2010 macht der Formel-1-Zirkus in diesem Jahr erstmals in Indien Station. Welche Nebenwirkungen Ecclestones Expansionskurs haben kann, zeigte sich indes jüngst bei der erzwungenen Absage des Saisonauftakts wegen der Unruhen in Bahrain. Noch ist offen, ob der Grand Prix im Herbst nachgeholt wird und die Formel 1 einen weiteren Rekord aufstellt. 20 Rennen hat es bislang noch nie in einer Saison gegeben.