Archivierter Artikel vom 25.02.2020, 17:50 Uhr

IEM Katowice

Die ESL Pro Tour gibt dem E-Sport-Opa Starcraft 2 Sicherheit

Die goldenen Zeiten von Starcraft 2 als eine der wichtigsten E-Sport-Disziplinen ist vorbei. Doch es gibt Hoffnung: Mit der ESL Pro Tour ist die Szene zumindest für die kommenden drei Jahre gesichert. Los geht es mit der IEM Katowice.

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IEM Katowice
Die IEM Katowice ist auch der Startschuss für die ESL Pro Tour in Starcraft 2.
Foto: Adela Sznajder/ESL/dpa

Kattowitz (dpa). Mit der IEM im polnischen Kattowitz startet die E-Sport-Disziplin Starcraft 2 in eine neue Ära. Es ist das erste Turnier der ESL Pro Tour (EPT), die die Welmeisterschaftsserie WCS ablöst und in den Händen des deutschen Turnierveranstalters ESL liegt. Der Szene gibt das Hoffnung.

So viel, dass sogar neue Teams einsteigen und Spieler unter Vertrag nehmen. Die Berliner Organisation BIG verpflichtete kurz vor dem Start der ESL Pro Tour einen der besten deutschen Spieler, Tobias „ShoWTimE“ Sieber (26).

BIG hatte ShoWTimE schon länger im Auge. „Er war auf jeden Fall ein Wunschspieler für uns, weil wir der Meinung sind, dass Starcraft 2 mit der EPT nochmal einen entscheidenden Push bekommen hat“, sagt BIGs Chief Governance Officer Christian Lenz im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Das Spiel war ja länger – ich will jetzt nicht sagen: tot – aber ein bisschen aus dem Blickfeld verschwunden. Aber die Competition ist dort noch sehr hoch und er ist auf jeden Fall ein Ausnahme-Athlet. Das war für uns dann ein „Done Deal“.“

Ein wichtiger Faktor: Planungssicherheit. Die EPT ist auf eine Laufzeit von drei Jahren angesetzt, mit mehreren internationalen Turnieren jährlich und Preisgeldern in Millionenhöhe.

Zuvor hatte SC2-Entwickler Blizzard selbst die Verantwortung für die WM-Serie WCS, die meist nur für ein Jahr angekündigt wurde. Jedes Jahr nach der Weltmeisterschaft auf der Hausmesse Blizzcon stand erneut die Frage im Raum: Wird es weitergehen mit Starcraft 2 als E-Sport? Und diese war nicht unbegründet, nachdem Blizzard Ende 2018 dem E-Sport-Titel Heroes of the Storm nahezu über Nacht die Unterstützung gestrichen hatte.

„E-Sport ist eine sehr unbeständige Welt und es ist sehr schwer, Sicherheit zu haben“, sagt der Global Esports Director von Blizzard Sam Braithwaite, im dpa-Interview. Wenn man sich mit einer Disziplin verbinde, gehe man oft durch sehr unsichere Zeitperioden. „Das wollten wir um jeden Preis verhindern. Der größte Nutzen der Partnerschaft mit der ESL ist, dass jeder weiß: Starcraft bleibt.“

Kurz nach Erscheinen im Jahr 2010 war SC2 eins der Spiele, die den westlichen E-Sport, wie er heute existiert, begründeten. Aus verschiedenen Gründen wurde es von anderen Disziplinen wie League of Legends oder Counter-Strike: Global Offensive deutlich überholt. Wirklich weg war das aber Spiel nie.

Ohne Zahlen zu nennen betont Blizzard, dass die Spielerschaft von SC2 konstant bleibe. Gleichzeitig seien die Zuschauerzahlen zuletzt sogar gewachsen, sagt Braithwaite. Grund dafür seien auch die starken europäischen Spieler. 2018 gab es mit dem Finnen Joona „Serral“ Sotala (21) erstmals einen nicht-koreanischen Weltmeister.

Ohne Kritik bleibt die EPT nicht. So behält das Format den „region lock“ bei, der koreanische Spieler vom Rest der Welt im Wettkampf trennt. Das war als Schutz der westlichen vor der absolut dominant spielenden koreanischen Szene gedacht. Kritiker sehen jedoch das Problem, dass der „region lock“ gleichzeitig den Nachwuchs in Korea unterdrückt. Für das erste Jahr der EPT wolle man das System nicht ändern, sagt Braithwaite. Danach wolle man jedoch darüber sprechen.

Die Szene hofft nun auf weiter wachsende Zahlen. „Blizzard ist im Gegensatz zur ESL ein Publisher und kein professioneller Veranstalter von E-Sport-Events, von daher kann die Entwicklung für Starcraft nur gut sein“, sagt Jan Dominicus, Chief Development Officer bei der deutschen E-Sport-Organisation Mousesports. Dort ist mit Gabriel „HeRoMaRinE“ Segat (22) einer der besten deutschen SC2-Spieler unter Vertrag – schon seit acht Jahren.

Ob SC2 wirklich wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt, wird die IEM Katowice zeigen. Der Vertrag von ShoWTimE bei BIG war immerhin ein erster Anhaltspunkt: „Das Feedback zu der Verpflichtung von Tobias war super positiv – weltweit, aus der ganzen Szene“, sagt BIGs CGO Lenz. „Unser Twitter-Posting dazu war seit Langem unser stärkster Post. Damit hätten wir ehrlichgesagt nicht gerechnet.“

Starcraft 2 bei der IEM Katowice

SC2 im Stream der IEM Katowice