Archivierter Artikel vom 24.07.2020, 11:26 Uhr

Comeback von «Iron Mike»

„Weil ich es kann“: Skandalboxer Mike Tyson kehrt zurück

In einem Showkampf der Box-Veteranen kehrt „Iron Mike“ Tyson gegen Roy Jones Jr. zurück in den Ring. Zweifel und Kritik wischt der einstige Skandalboxer beiseite. Für die Macher des Spektakels geht es wohl eher nicht um den Sport.

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Mike Tyson
Zieht die Boxhandschuhe wieder an: Mike Tyson.
Foto: Kamran Jebreili/AP/dpa

Los Angeles (dpa). Als Großmaul ist Mike Tyson noch immer in der Form seiner besten Tage. Die Zweifel an seinem Comeback nach 15 Jahren Ringpause wischte der einstige Box-Superstar mit ein paar deftigen Sprüchen beiseite.

„Ganz einfach, weil ich es kann. Nur, weil man 54 ist, heißt das doch nicht, dass man eine neue Karriere starten muss und das Leben komplett vorbei ist“, tönte der frühere Schwergewichtsweltmeister, als er vom Promi-Sender TMZ im Auto zugeschaltet zu seinem Showkampf gegen Roy Jones Jr. befragt wurde.

Am 12. September steigen die beiden Veteranen wohl in Kalifornien für acht Runden in den Ring und wollen der Welt beweisen, dass sie es noch immer drauf haben. Bei der Vertragsunterzeichnung per Videokonferenz rauchte Tyson angeblich einen Joint.

Den Machern des merkwürdigen Spektakels geht es wohl eher darum, im Bezahlfernsehen Kasse zu machen. Nicht nur der Kampf soll im TV Millionen einspielen, geplant ist auch eine zehnteilige Doku-Serie rund um die beiden betagten Ex-Champions. „Ihr Comeback ist eine schmierige, Geld abgreifende Zirkusvorstellung“, ätzte der Box-Experte Nick Parkinson vom US-Sportsender ESPN.

Bei aller Kritik von Box-Puristen, die um das ohnehin beschädigte Image der Sportart fürchten, könnte die Rechnung der Organisatoren aufgehen. Mike Tyson und Roy Jones Jr. sind Ringlegenden, auf ein Duell der beiden hatten Fans einst lange gehofft. Und als Tyson in den vergangenen Monaten immer wieder Hinweise auf ein mögliches Comeback platzierte, reagierte die Netzgemeinde reichlich aufgeregt.

Mit seiner brutalen Schlagkraft war „Iron Mike“ aus ärmlichen Verhältnissen zum jüngsten Weltmeister der Box-Geschichte aufgestiegen, als er sich als 20-Jähriger den Titel holte. In meist kurzen Kämpfen knockte der schillernde New Yorker mit der markanten Zahnlücke viele seiner Gegner aus, ehe er 1990 sensationell gegen James „Buster“ Douglas verlor. Eine dreijährige Haftstrafe und der Eklat gegen Evander Holyfield, dem Tyson ein Stück des Ohres abbiss, brachten ihm endgültig den Ruf des Skandalboxers ein.

„Jeder hat einen Plan, bis er eins auf die Fresse bekommt“, hat Tyson einmal gesagt. Ein Satz, der auch sinnbildlich für sein Leben steht. Immer wieder geriet Tyson mit Prügeleien und Entgleisungen in die Schlagzeilen, hatte sogar zeitweise Berufsverbot. „Im Ring war ich ein Vernichter, nur dafür war ich geboren. Jetzt ist die Zeit vorbei. Es ist leer. Ich bin nichts“, hatte er noch vor wenigen Monaten in einem Podcast unter Tränen gesagt.

Nun will Tyson wieder zurück in den Ring, wo er seine größten Erfolge erlebte. „Ich habe nie viele Schläge abbekommen“, entgegnete er zu Sorgen um seine Gesundheit. „Ich habe das Gefühl, dass ich mich besser um meinen Körper und meinen Geist gekümmert habe als die meisten Kämpfer vor mir, die aufgehört haben und dann wieder zurückgekommen sind“, sagte Tyson nun.

Er und Jones Jr. seien „versierte Boxer, wir können auf uns aufpassen“, versicherte Tyson. Sein Gegner hatte 2018 seinen letzten Kampf bestritten. Auf dem Gipfel seiner Karriere galt der inzwischen 51 Jahre alte Mehrfach-Weltmeister als technisch brillantester Boxer seiner Zeit, vereinte Schnelligkeit und Ringintelligenz. Doch seine Ära endete spätestens 2004 mit der K.o.-Niederlage gegen Antonio Tarver, danach war er nur noch ein Schatten seiner selbst.

„Ich habe versucht, meinen Ruhestand zu genießen, aber die Leute wollen wohl nicht, dass ich aufhöre“, ließ Jones Jr. wissen. Und damit Vorhang auf für das große Schmierentheater.

© dpa-infocom, dpa:200724-99-909758/3

Werbevideo für den Kampf

Bericht bei TMZ.com

Experten-Aussagen bei ESPN