Gizeh (dpa) – Vor den Pyramiden von Gizeh hat der ukrainische Box-Star Oleksandr Usyk seinen WBC-Gürtel durch einen Zittersieg gegen das Kickbox-Idol Rico Verhoeven verteidigt. In dem ungewöhnlichen Crossover-Duell besiegte der ungeschlagene 39-Jährige und Dreifach-WM-Titelträger den Niederländer in Ägypten durch technischen Knockout nach elf von zwölf Runden.
In dem Duell vor den Augen des deutschen Schwergewichts-Profis Agit Kabayel machte Verhoeven Usyk das Leben überraschend schwer, der Ukrainer wirkte nur selten wie der erwartetet klare Favorit. «Ich fand, es war ein frühes Ende, aber am Ende ist das nicht meine Entscheidung», sagte Verhoeven.
Kabayel, der unbedingt seinen ersten WM-Kampf bestreiten möchte, betrat nach dem Kampf im Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft den Ring und forderte Usyk heraus. Der Pflichtherausforderer von Usyk sagte: «Deutschland ist bereit für den Kampf. All die deutschen Fans warten. Ich weiß, dass viele ukrainische Menschen auch in Deutschland leben. Lass es uns in einem deutschen Stadion austragen», sagte der Bochumer. «Lass es uns machen, kein Problem», entgegnete Usyk, der dennoch vage blieb. Auch ein weiterer Kampf zwischen Verhoeven und Usyk könnte kommen.
Kabayel mit Unterstützung aus Saudi-Arabien
Zuvor hatte der Präsident des Verbands WBC, Mauricio Sulaimán, bestätigt, dass der Gewinner des Kampfes in Gizeh gegen Kabayel kämpfen werde. Der Verband hatte den dreifachen Weltmeister im Februar dazu verdonnert, nach seinem freiwilligen Titelkampf gegen Kickboxer Verhoeven oder gegen Kabayel anzutreten.
Nachdem Usyk noch im Frühjahr einen Bogen um den Bochumer gemacht hatte, kam zuletzt Bewegung in die Planungen des Kampfes. Die Kabayel-Seite bekam Unterstützung durch den einflussreichen Box-Investor Turki al-Sheikh aus Saudi-Arabien. Teil der Planungen ist offenbar ein WM-Kampf in Deutschland im Herbst.
Verhoeven hält gut mit
Der Niederländer Verhoeven absolvierte erst einen Profi-Kampf: 2014 in Darmstadt gegen einen No-Name-Gegner. «Wir wissen, dass es als Kickboxer eine glatte Eins war. Der beste schlechthin, der beste wahrscheinlich ever im Schwergewicht. Zehn Jahre ungeschlagen», sagte Box-Experte Bernd Bönte bei DAZN.
Der Ukrainer Usyk, dessen WBA- und IBF-Gürtel nicht auf dem Spiel standen, agierte bei seiner freiwilligen Titelverteidigung überraschend schwach. Im Laufe des Duells bekam er, der Bezwinger von Box-Größen wie Tyson Fury, zunehmend Probleme mit dem starken Verhoeven, der den Kampf fortan bestimmte.
Dennoch verpasste Usyk seinem Kontrahenten einen Uppercut-Treffer und der Niederländer hing in den Seilen. Daraufhin stoppte der Ringrichter überraschend den Kampf. «Das ist echt lachhaft», sagte Bönte über die Entscheidung.
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