Archivierter Artikel vom 21.08.2011, 19:10 Uhr
Bamberg

Basketballer mit Licht und Schatten beim Supercup

NBA-Champion Dirk Nowitzki hat die deutschen Basketballer beim Supercup in Bamberg zum zweiten Sieg geführt, eineinhalb Wochen vor dem EM-Auftakt gegen Israel steht der DBB-Auswahl trotzdem noch viel Arbeit bevor.

Lesezeit: 3 Minuten
Erfolgreich
Das DBB-Team um Superstar Dirk Nowitzki gewann gegen die Türkei.
Foto: DPA
Gepunktet
Chris Kaman war gegen die Türkei erneut Topscorer.
Foto: DPA

Wer gedacht hätte, mit der Ankunft des Superstars wird die Europameisterschaft in Litauen ein Selbstläufer, der sah sich beim Vier-Nationen-Turnier getäuscht. «Ich glaube, die Leute, die das sagen, haben in den vergangenen Jahren nicht viel Basketball geschaut», meinte Nowitzki zu Umfragen, die Deutschland für die Kontinentalmeisterschaften (31. August bis 18. September) zum Mitfavoriten machen.

Ausgezeichnet
Das DBB-Team wurde beim Supercup 2011 Zweiter.
Foto: DPA

Immerhin sicherte sich das deutsche Team mit einem 64:52 (24:29) gegen die Türkei den zweiten Platz. Einen Tag nach der bitteren 56:69-Klatsche gegen Turniersieger Griechenland zeigte die Equipe des Deutschen Basketball Bundes (DBB) gegen den Vize-Weltmeister eine deutliche Leistungssteigerung. Auch Nowitzki, gegen die Griechen noch weit von seiner Topform entfernt, kam besser in Schwung und erzielte 14 Punkte. «Das war ein Schritt nach vorne. Wir haben gut verteidigt und vorne ein bisschen was getroffen», sagte Nowitzki. Der beste Werfer, Chris Kaman (16), sprach von einer «ordentlichen Leistung».

Geworfen
Chris Kaman (l) muss sich bei einem Hakenwurf gegen den Türken Ömer Asik lang machen.
Foto: DPA

Die Gastgeber liefen gegen die Türken lange Zeit einem Rückstand hinterher. Mit großem Kampfgeist drehte die deutsche Mannschaft die Partie bei tropischen Temperaturen in der Stechert Arena aber noch zu ihren Gunsten und tankte damit neues Selbstvertrauen. Ein 12:0-Lauf zu Beginn des Schlussviertels sorgte für die Entscheidung.

Leger
Steffen Hamann bei einem erfolgreichen Korbleger.
Foto: DPA

Vor dem Türkei-Spiel hatte Bundestrainer Dirk Bauermann Per Günther und Konrad Wysocki als letzte Spieler aus dem Aufgebot gestrichen. «Die beiden hätten es verdient gehabt, dabei zu sein», sagte der 53-Jährige dem TV-Sender Sport 1. Bei der Zusammenstellung des endgültigen Kaders gehe es aber auch «um Sonderaufgaben», begründete Bauermann seine Entscheidung: «Wer kann das besonders gut, auch für Moral und Stimmung zu sorgen.»

Treffsicher
Routinier Sven Schultze (r) erzielte 11 Punkte gegen die Türken.
Foto: DPA

Der Bundestrainer geht damit das Risiko ein, nur mit zwei Spielmachern zur EM zu fahren. Steffen Hamann und Heiko Schaffartzik sollen das Team in Litauen lenken. Die abschließenden drei Testspiele gegen Bosnien-Herzegowina am Dienstag in Bremen und gegen Mazedonien am Freitag in München und am Sonntag in Berlin will Bauermann nun nutzen, das Team weiter einzuspielen. «Vor allem für die jungen Spieler war es wichtig, dass sie jetzt Bescheid wissen.»

In der Tat muss das deutsche Team eineinhalb Wochen vor dem EM-Auftakt gegen Israel nun dringend zu einer Einheit werden. Nowitzki ist nach seiner Mini-Pause von nur drei Wochen noch weit von seiner Bestform entfernt, NBA-Kollege Chris Kaman wirkt auf dem Parkett phasenweise noch wie ein Fremdkörper. Beide steigerten sich aber bereits gegen die Türkei. «Für mich war der Supercup sehr wichtig. Ich glaube, ich kann eine gute EM spielen», sagte Nowitzki.

Bauermann meinte: «Diese Mannschaft braucht Geduld.» Gebetsmühlenartig versucht er dem seit Nowitzkis Zusage elektrisierten Umfeld zu verdeutlichen, wie mühsam der Weg sein wird. «Mit dem Kommen von Dirk und Chris haben wir nicht nur bei Null begonnen, wir haben sogar zwei Schritte zurück gemacht», meinte Bauermann. Schließlich hatte der Rest der Mannschaft bereits dreieinhalb Wochen Vorbereitung hinter sich und mit dem Turniersieg in der Türkei aufhorchen lassen.

«Da hat man gesehen, dass wir schon drei Jahre zusammenspielen. Jetzt sind wir eine völlig andere Mannschaft», meinte Kapitän Steffen Hamann. «Wir müssen eine neue Identität entwickeln. Die Jungs müssen lernen, Dirk und Chris ins Spiel zu bringen und die beiden müssen lernen, den anderen Spielern zu vertrauen», versuchte Bauermann das Dilemma zu erklären, das für viele Außenstehende nicht so recht nachzuvollziehen ist. Das Türkei-Spiel war ein Schritt in die richtige Richtung.