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    Obererbach

    Zerstörte Stahltür teurer als Diebesgut: Täter stahl drei Fleischwürste

    Sie trauten ihren Augen nicht: Als Mitglieder des Sportvereins Obererbach 1988 am 1. April des vergangenen Jahres zum Vereinshaus auf dem Waldsportplatz fuhren, fanden sie die Stahltür sperrangelweit offen. Mit Brachialgewalt und einem sehr langen Brecheisen hatte jemand die schwere Tür aufgebrochen und sich Zugang zum Vereinshaus verschafft.

    Der Sportverein Obererbach 1988 baute Stück für Stück seinen Vereinsstandort beim Waldsportplatz auf. Aber auch eine stabile Stahltür konnte einen hungrigen Einbrecher im vergangenen Jahr nicht fernhalten. ​
    Der Sportverein Obererbach 1988 baute Stück für Stück seinen Vereinsstandort beim Waldsportplatz auf. Aber auch eine stabile Stahltür konnte einen hungrigen Einbrecher im vergangenen Jahr nicht fernhalten. ​

    "Wir riefen natürlich sofort die Polizei", erzählt Peter Kuhl als Vorsitzender, "damit der Schaden aufgenommen wird." Aber eine genaue Inspektion der Räume und auch der angrenzenden Container ergab, dass der Einbrecher außer der Stahltür nichts zerstört hatte. Stattdessen labte er sich an drei Fleischwürsten und einer Flasche Wasser. Offenbar ist er für den Nachtisch nur ein paar Hundert Meter weitergezogen, zum Fischteich, und stibitzte aus dem Häuschen dort drei Schokoladenriegel und ein Getränk. Das Diebesgut sei zu verkraften, meint Peter Kuhl. Viel teurer aber sei es, die Einbruchsspuren zu beseitigen. Beim Fischteich habe er immerhin drei Schlösser knacken müssen, um an die Schokoriegel zu kommen. Am Vereinshaus des SV demolierte der Täter eine Stahltür, die rund 800 Euro kostet. "Wir haben sie natürlich noch am gleichen Tag komplett austauschen müssen", so Kuhl, "die alte Tür war nicht mehr zu gebrauchen." Ärgerlich sei aber auch gewesen, dass ausgerechnet in der Zeit eine Geldkassette mit rund 80 Euro Inhalt im Vereinshäuschen stand. "Die war natürlich auch weg", sagt Kuhl, aber "normalerweise lassen wir die Kassette nicht im Häuschen." Trotz allem muss Peter Kuhl ein wenig schmunzeln, als er anmerkt: "Der hatte Hunger und wollte sich wohl nur satt essen." Wie eine aktuelle Liste der Polizei Montabaur zeigt, ist es kein Einzelfall, dass für eine relativ geringe Beute großer Sachschaden angerichtet wird.

    Bis zum Zeitpunkt des Einbruchs im vergangenen Frühjahr waren die Gebäude, die der Sportverein in mühevoller Arbeit über Jahre selbst gebaut hat und instand hält, nicht versichert. "Aber wir haben jetzt eine ganz normale Gebäudeversicherung für rund 180 Euro, die derartige Schäden abdeckt", so Kuhl. Mitversichert seien nun auch diverse Geräte, die im Vereinsheim gelagert werden. Besondere Anforderungen an die Absicherung des Gebäudes habe die Versicherung nicht gestellt.

    Immerhin gibt es seit jeher einen Bewegungsmelder, sodass das Licht rund um die Gebäude am Waldsportplatz angeht, sobald sich jemand nähert. Dieses Licht ist auch für einige Bewohner zu sehen, die in Sichtachse zum Sportplatz wohnen. "Einmal bin ich sogar angerufen worden, weil noch spät das Licht auf dem Sportplatz längere Zeit leuchtete", erzählt Kuhl. Sofort fuhr er zum Platz, konnte aber niemanden entdecken. "Wahrscheinlich sind ein paar Rehe hin- und hergelaufen", lacht er. Wie sich aber zeigt, kann die Aufmerksamkeit der Mitbürger durchaus nützlich sein, insbesondere wenn Gebäude nicht dauernd belebt sind. Immerhin sei 15 Jahre nichts passiert.

    Das Brecheisen, mit dem der Täter die Tür aufgebrochen hat, fand sich später im angrenzenden Wald wieder. Auch der Täter selber soll Gerüchten zufolge im Mai dieses Jahres gefasst worden sein. Die Staatsanwaltschaft Koblenz jedoch stellte den Fall im März mangels Täterhinweisen ein.

    Von unserer Redakteurin Susanne Willke

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