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Riester-Vertrag: Die Zulage macht’s

„Riestern“ ist eher unbeliebt. Vielen erscheint es wohl als zu kompliziert. In den Anfangsjahren ließen Zigtausende ihren Anspruch auf eine staatliche Zulage verfallen, weil sie mit dem Antrag darauf nicht klarkamen. Das hat sich längst gebessert, die Geldinstitute bieten in der Regel an, sich um den Dauerzulagenantrag zu kümmern.

Walter Riesters Idee, wie die Rente aufzupäppeln ist, gefällt vielen nicht so recht.  Foto: dpa
Walter Riesters Idee, wie die Rente aufzupäppeln ist, gefällt vielen nicht so recht.
Foto: dpa

Anderen wird das Riestern schlicht zu teuer sein: 4 Prozent des Bruttoeinkommens muss der Sparer einzahlen, um in den Genuss der vollen Zulage zu kommen. Und manche ärgern sich wohl auch über das politische Spiel dahinter: Das Niveau der gesetzlichen Rente wird schrittweise abgesenkt, per Riester-Vertrag soll das jeder Einzelne für sich abfedern. Das heißt aber im Klartext: Der Rentenbeitrag von derzeit 18,6 Prozent steigt faktisch auf 22,6 Prozent. Fast ein Viertel des Einkommens nur für die Altersvorsorge aufwenden? Das schreckt ab.

Und doch gibt es gute Gründe, über das Riestern nachzudenken. So müssen die Anbieter den Erhalt des eingezahlten Kapitals garantieren. Jeder kann also per Riester-Fondssparplan an der Börse einsteigen, ohne ein Verlustrisiko einzugehen – wenn er bis zur Rente durchhält. Natürlich entwertet sich im schlimmsten Fall das eingezahlte Kapital auch durch den Preisanstieg über viele Jahre. Aber dann bleiben als Rendite ja immer noch die staatlichen Zulagen. Und die können gerade für Mütter, die sonst oft nur über geringe Rentenansprüche verfügen, durchaus erklecklich sein.

Als staatliche Förderung bekommen Riester-Sparer zunächst eine Grundzulage. Sie beträgt in diesem Jahr 175 Euro – 2017 waren es 154 Euro. Für Kinder, die nach dem 31. Dezember 2007 geboren wurden, beträgt die Zulage 300 Euro, für ältere allerdings nur 185 Euro. Das Geld fließt nicht automatisch, es muss beantragt werden. Wenn der Sparer weniger als 4 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Einnahmen oder bestimmter steuerfreier Einkünfte des Vorjahres einzahlt, wird die Zulage entsprechend gekürzt. Ein Beispiel: Eine Mutter von zwei vor 2008 geborenen Kindern bezog im Jahr 2017 einen sozialversicherungspflichtigen Bruttolohn in Höhe von 30.000 Euro. 4 Prozent davon müssen in den Vertrag eingezahlt werden, also 1200 Euro. Die Zulagen werden aber darauf angerechnet: 175 Euro Grund- und zweimal 185 Euro Kinderzulage, insgesamt also 545 Euro. Wird diese Summe nun von den 1200 Euro abgezogen, bleiben 655 Euro übrig, die die Sparerin in ihren Vertrag einzahlen muss.

Der Haken daran: Es ist nicht leicht, gute Angebote zu finden, berichtet die Stiftung Warentest. Klassische Riester-Rentenversicherungen und Banksparpläne bieten die Versicherer und Banken kaum noch an. Besser sieht es bei den Riester-Fondssparplänen und Fondspolicen aus – und die bieten auch die höchsten Ertragschancen.

Eine Riester-Rentenversicherung ist vor allem für Kunden geeignet, die sich um wenig kümmern wollen. Ein solcher Vertrag ist aber nur empfehlenswert, wenn der Kunde regelmäßig und bis zum Vertragsende einzahlt. Die empfohlene Mindestlaufzeit liegt bei 15 Jahren. Wer einen Vertrag schon vor Jahren abgeschlossen hat, sollte ihn nicht einfach kündigen, auch wenn er teuer erscheint, rät die Stiftung Warentest. Denn die Altverträge sind vergleichsweise gut verzinst. Allein der Garantiezins hat sich innerhalb weniger Jahre fast halbiert, auf 0,9 Prozent für neue Verträge im Jahr 2017.

Renditechancen haben Sparer mit Fondssparplänen oder -policen. Wie gut die Produkte abschneiden, hängt hier auch von den Kosten ab. Entsprechende Informationen finden Anleger in den Produktinformationsblättern. Wichtig: Die Kosten für Serviceleistungen unterscheiden sich zum Teil erheblich. Während einige Anbieter keine Gebühren für Vertragswechsel oder Kündigung verlangen, berechnen andere hier bis zu 100 Euro.

Eine spezielle Variante ist der sogenannte Wohn-Riester. Das Geld fließt hier in einen Bausparvertrag. Interessant ist das für alle, die später tatsächlich bauen wollen. Der Zinssatz für das Bauspardarlehen von meist 2,0 bis 2,5 Prozent ist garantiert, betont die Stiftung Warentest – auch in zehn Jahren, wenn die Zinsen am Kapitalmarkt vielleicht wieder dreimal so hoch sind. Die Gebühren in der Ansparphase sind allerdings meist höher als die Zinsen, die die Bausparkasse zahlt.

Falk Zielke/Jörg Hilpert

Mein gutes Geld
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