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Die Fair-Play-Liga kommt

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Die Bambini, wie hier die Teams des SV Winterbach (blaue Trikots) und der TuS Waldböckelheim, sollen in Zukunft die Entscheidungen auf dem Feld selbst fällen. Die Fair-Play-Liga wird ohne Schiedsrichter auskommen.
Foto: Klaus Castor
Die Bambini, wie hier die Teams des SV Winterbach (blaue Trikots) und der TuS Waldböckelheim, sollen in Zukunft die Entscheidungen auf dem Feld selbst fällen. Die Fair-Play-Liga wird ohne Schiedsrichter auskommen.
Foto: Klaus Castor

Hintergrund: Es ist fast schon die Regel, dass Eltern bei Bambini-Spielen dicht am Spielfeld stehen, permanent in die Partie hineinrufen, oft sogar auf den Platz laufen und ihren Kindern "wertvolle" Tipps geben. Nicht selten werden Buben oder Mädchen vom eigenen Vater beschimpft, wenn eine Aktion mal nicht so gelingt. Zuweilen regen sich Zuschauer sehr über Entscheidungen des Schiedsrichters auf, es kommt zu Beleidigungen, manchmal sogar zu Spielabbrüchen.

Dem würde in der neuen Fair-Play-Liga, die nach den Sommerferien bei den G-Junioren starten soll, ein Riegel vorgeschoben. Die wichtigsten Regeln: Die Kinder entscheiden selbst, die Trainer begleiten das Spiel aus einer Coachingzone in Höhe der Mittellinie, Fans und Eltern beobachten das Spiel mit einem angemessenen Abstand; an mindestens 15 Meter ist da gedacht. Der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV) hat ein solches Pilotprojekt im Kreis Mainz-Bingen gestartet, der Kreis Bad Kreuznach will jetzt nachziehen. Erste Versuche bei einem Hallenturnier in Bad Kreuznach seien sehr erfolgreich gewesen, berichtete Schick.

Die Idee, ohne Referee zu spielen und emotionalen Eltern etwas die Flügel zu stutzen, ist so neu nicht. Im Verband Mittelrhein und teilweise auch am Niederrhein und in Niedersachsen hat sich diese Methode bereits bewährt. Erfinder der Fair-Play-Liga ist Ralf Klohr aus Herzogenrath. 2002 wurde ein Pilotprojekt im Kreis Aachen gestartet. Erst kürzlich wurde Klohr vom Deutschen Fußball-Bund mit dem angesehenen Fairness-Preis ausgezeichnet. Inzwischen hat er viele Unterstützer. Auch die Wissenschaft hat seine Idee aufgegriffen und als sehr sinnvoll eingestuft.

Schick und Eric Beck, Staffelleiter der G-Junioren aus Odernheim, erklärten, dass die Trainer für das Konzept noch nicht einmal speziell geschult werden müssten. Sie bekommen lediglich die Philosophie des Kinderfußballs und die Regeln der Fair-Play-Liga nähergebracht. Ganz wichtig sei: Ein Kindertrainer ist nicht für Erfolg zuständig, sondern dafür, dass sich Kinder im Sport wohlfühlen und sozial entwickeln. Schick und Beck wollen das neue System bei verschiedenen Informationsveranstaltungen Eltern, Trainern und Betreuern erläutern.

Eine Befragung unter den rund 60 Jugendvertretern im Sportheim des TuS Meddersheim zeigte eine riesige positive Resonanz. Es gab keine einzige Gegenstimme. Und schon wurde der Vorschlag laut, auch bei den F-Junioren eine Fair-Play-Liga einzuführen. "Herzlich gerne", erklärte Berthold Schick. "Es müssen sich lediglich die Vereine einigen."

Eltern von ganz jungen Fußballern sollten sich also nicht wundern, wenn sie in naher Zukunft von ihrem Nachwuchs einen Zettel in die Hand gedrückt bekommen, worauf steht: "Liebe Eltern und Trainer, toll, dass Ihr uns unterstützt und zuschaut. Lasst uns Fußball spielen und gemeinsam Spaß haben. Also meckert nicht rum, sondern feuert uns an. Wir müssen nicht immer gewinnen! Darum seid fair zu uns und zu unserem Gegner. Ihr seid unsere Vorbilder, also verhaltet Euch auch dementsprechend." Die Fair-Play-Liga kann kommen.

Weitere Informationen sind im Internet auf der Seite www.fairplayliga.de zu finden. Berthold Schick, Telefon 06758/803892, und Eric Beck, Telefon 06755/969777, geben ebenfalls gerne Auskunft.

Regionalsport Süd - Klasse 9 - Jugendfußball
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