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Fußball

Mit großer Moral noch einen Punkt gerettet

Regionalligist holt gegen Wormatia Worms nach 0:2- und 2:3-Rückstand ein 3:3.¶

In dieser Szene schirmen die Wormser ihn noch gut ab. Nach dem Seitenwechsel jedoch sorgte Nejmeddin Dagh-fous (Mitte) jedoch mit zwei Toren und einer Torvorbereitung maßgeblich für den Mainzer Punktgewinn. 
Foto: Braun
In dieser Szene schirmen die Wormser ihn noch gut ab. Nach dem Seitenwechsel jedoch sorgte Nejmeddin Dagh-fous (Mitte) jedoch mit zwei Toren und einer Torvorbereitung maßgeblich für den Mainzer Punktgewinn.
Foto: Braun – MRZ

Mainz – Nejmeddin Daghfous hätte sich gestern Abend feiern lassen können. Zwei Tore, eine Vorbereitung: Der Angreifer hatte maßgeblichen Anteil an dem Punkt, den die Amateure des FSV Mainz 05 beim 3:3 (0:2) in einem am Ende dramatischen Regionalligaspiel gegen Wormatia Worms retteten.

Doch Daghfous dachte gar nicht daran. "Diesen Punkt hat sich die Mannschaft verdient, weil sie eine große Moral gezeigt hat", sagte er.

In der Tat: Die in größter Abstiegsgefahr schwebenden Gastgeber hatten es geschafft, zunächst einen 0:2-Pausenrückstand zu egalisieren und sich anschließend auch nicht von einem neuerlichen Rückstand aus der Bahn werfen lassen.

Wormatia-Trainer Emmerling enttäuscht

"Der Punkt ist sicher glücklich, aber wir nehmen ihn gerne", sagte 05-Trainer Martin Schmidt. Sein Wormser Kollege hingegen verhehlte die Enttäuschung nicht. "Nach dem 2:0 dürfen wir uns das nicht mehr nehmen lassen", sagte Stefan Emmerling. "Und nach dem 3:2 erwarte ich, dass die Mannschaft das cleverer runterspielt."

Für die Gäste hatte es gut angefangen. Die Partie war noch keine fünf Minuten alt, da gestand Schiedsrichter Jonas Weickenmeier ihnen einen Foulelfmeter zu, der den Mainzern das Entsetzen auf die Gesichter trieb. Einen Wormser Freistoß von der rechten Seite faustete Loris Karius mit einer Flugeinlage aus dem Strafraum, doch weit weg vom Geschehen hatte Fabian Kalig seinen Gegenspieler am Trikot gezogen und zu Fall gebracht. Marco Steil, einst für die 05-Amateure als Innenverteidiger aktiv, verwandelte den Strafstoß zum 0:1. "Bitter, nach sechs Minuten durch einen solchen Elfer in Rückstand zu geraten", kommentierte Schmidt später.

"Erste Halbzeit schon im Eimer"

Auf seine Mannschaft wirkte sich dieser Rückstand lähmend aus. Der Wille war erkennbar, doch es gelang den Mainzern lange Zeit nicht, wieder in die Spur zu kommen. "Wir hatten schwer an dem 0:1 zu kauen", räumte Schmidt ein, "da war die erste Halbzeit schon im Eimer." Das war erst recht nach 40. Minuten der Fall: Nach einer Wormser Ecke hatten die Mainzer den Ball bereits zweimal abgewehrt, noch einmal kam die Kugel zurück, landete im Rücken der 05er – und Christoph Sauter, einst aus der Mainzer A-Jugend hervorgegangen, vollstreckte mit einem Flachschuss ins lange, linke Toreck. "Jetzt fehlt nur, dass auch der Eugen noch trifft", merkte in der Pause der inzwischen bei den Profis eingesetzte Stefan Bell sarkastisch an. Tatsächlich sollte Eugen Gopko, der dritte Ex-Mainzer auf Wormser Seite noch eine wichtige Rolle spielen – aber anders, als Bell befürchtete.

"Nichts mehr zu verlieren"

Zur zweiten Halbzeit stellte Martin Schmidt auf eine Mittelfeldraute um. Außerdem hatte es in der Kabine "eine klare Ansprache gegeben". Tenor: Es geht nicht, dass nur der Gegner kämpft. "Die Wormser Stürmer stehen bei jedem Zweikampf nahe an der Gelben Karte, und wir sind zu passiv", monierter der Coach. Und seine Worte fanden offene Ohren und aufnahmebereite Köpfe – vielleicht auch, weil sich ein wenig der Mut der Verzweiflung hinzugesellte. "Wir hatten nichts mehr zu verlieren", sagte Nej Daghfous. "Entweder wir machen noch zwei Tore, oder wir stehen mit leeren Händen da."

Er selbst leitete die Aufholjagd mit einem Freistoß aus gut 25 Metern Entfernung ein. Linkes Halbfeld, hoch vors Tor geschlagen, für Schlussmann Kevin Knödler schwer zu berechnen, weil jederzeit ein Stürmer noch den Kopf hinter den Ball hätte bringen können. Brachte aber keiner. Die Kugel landete zum 1:2 im langen Eck (49.).

Nur drei Minuten später legte sich Daghfous den Ball an beinahe derselben Stelle erneut zurecht, schlug ihn wieder hoch vors Tor. Und diesmal nickte Petar Sliskovic per Aufsetzer ein. "Schlecht verteidigt", kritisierte Wormatia-Trainer Emmerling. Daghfous' Kommentar fiel erwartungsgemäß anders aus: "In unserer Situation ein 0:2 aufzuholen, das ist stark."

Offensivfußball mit vielen Torchancen

Es war jetzt auch ein ganz anderes Fußballspiel als in der insgesamt langweiligen ersten Halbzeit. Beide Teams präsentierten Offensivfußball, beide kamen zu etlichen schönen Angriffen und guten Chancen. Und die Gäste schlugen nach etwas mehr als einer Stunde erneut zu: Eckball für die Wormatia, wieder haben die Mainzer den Ball abgewehrt, wieder kommt er zurück, und weil Sliskovic bereits in der Vorwärtsbewegung ist, steht Maximilian Mehring rechts im Strafraum blank und jagt die Kugel volley ins linke Eck.

Doch wieder kamen die 05-Amateure zurück: Zwei Minuten vor dem Ende durch einen von Daghfous verwandelten Strafstoß. Gefoult worden war Felix Müller. Von Eugen Gopko.

Peter H. Eisenhuth

Regionalsport Mainz
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