40.000
  • Startseite
  • » Basketball: Großartige Samstagabendunterhaltung
  • Aus unserem Archiv
    Mainz

    Basketball: Großartige Samstagabendunterhaltung

    Den Freiwurf hätte Johannes Schulz ganz gerne noch ausgeführt. Doch nachdem der Center des ASC Mainz eine Weile alleine an der Linie ausgeharrt hatte, derweil seine Mitspieler einander in den Armen lagen, die Gegner fluchend und zeternd ihre Trikots in die Ecke geworfen und die Taschen geschnappt hatten und die Schiedsrichter nicht den Eindruck erweckten, noch einmal aufs Spielfeld kommen zu wollen, sah Schulz die Aussichtslosigkeit seines Vorhabens ein.

    33 Punkte erzielte Christian Zander beim extrem wichtigen Heimsieg des ASC gegen die Baskets Limburg, darunter neun per Dreier und 18 von der Freiwurflinie.  Foto: Harry Braun
    33 Punkte erzielte Christian Zander beim extrem wichtigen Heimsieg des ASC gegen die Baskets Limburg, darunter neun per Dreier und 18 von der Freiwurflinie.
    Foto: Harry Braun

    Von Peter H. Eisenhuth

    Egal. Mit dem verwandelten Bonusfreiwurf, der ihm nach seinem Treffer in letzter Sekunde noch zugestanden hätte, wäre das Ergebnis zwar dreistellig geworden. Nötig aber war es nicht mehr – es reichte auch so zu einem 99:86 (70:69, 46:56, 25:37)-Erfolg der Mainzer im letzten Hinrundenspiel der Basketball-Regionalliga gegen die Baskets Limburg.

    Ein extrem wichtiger Erfolg, wie Schulz etwas später betonte, während er sich die rechte Hand (Kapselriss am Finger) kühlte. "Sonst wäre jetzt das ausgerufene Saisonziel wieder sehr aktuell: nicht abzusteigen..."

    Lange Zeit hatte es nicht danach ausgesehen, als sollten die Gastgeber ihren sechsten Saisonsieg feiern. Zur Pause jedenfalls gab es allenfalls die Hoffnung, dass es gelingen würde, die Defensivarbeit effektiver zu gestalten. Und dass die Limburger auf Dauer weder das hohe Tempo durchhalten noch die hohe Trefferquote der ersten Halbzeit beibehalten würden.

    So beängstigend es für die heimischen Fans bis dahin war, wie oft der ASC den Gegner zum Schuss kommen ließ, so beeindruckend war die Sicherheit mit der Jan Koranda, Justin Stallbohm und Waldemar Gomer von außen trafen. Da fiel es nicht einmal ins Gewicht, dass der Limburger Trainer Danny Stallbohm seinen Topscorer Kristoffer Douse nach drei Fouls schon in der siebten Minute auf die Bank holte und ihn als Option für die zweite Halbzeit in der Hinterhand behielt.

    Gäste körperlich überlegen

    Hinzu kam, dass die Mainzer zunächst nicht zu wissen schienen, wie sie sich gegen die körperlich deutlich überlegenen Gäste zur Wehr setzen sollten. "Wir haben da nicht so viele Möglichkeiten", sagte Trainer Wolfgang Ortmann später. "Wir müssen auf den Ball gehen, Druck machen, im Passweg stehen, Fehler provozieren." Dinge, die seine Akteure bis zur Pause nur selten umsetzten. "Und wenn das nicht funktioniert, geht das Spiel daneben."

    Zwei weitere Aspekte erschwerten dem ASC die Aufgabe gegen den Tabellenvorletzten: Philipp Schön fehlte wegen seiner Schulterverletzung, Nico Brauner war grippegeschwächt ins Spiel gegangen, war nach einer dennoch sehr ordentlichen ersten Halbzeit völlig entkräftet und ging vorzeitig duschen. Und: Es dauerte fünfeinhalb Minuten, bis die Referees das mit viel Ellbogeneinsatz geführte Spiel der Limburger erstmals mit einem Offensivfoul ahndeten; erst im zweiten Durchgang fanden die Schiedsrichter in die Partie.

    Bei allen Problemen, die sich in den ersten 20 Minuten im Mainzer Spiel auftaten – "Dass unsere Defense am Anfang überhaupt nicht klappte, hat in der Halle ja jeder gehört", sagte Jerome Gahr unter Anspielung auf die lautstarken Ausbrüche seines Cheftrainers Alexander Heidbrink -, war es schon bis zur Pause ein mitreißendes Spiel. Nach dem Seitenwechsel steigerte sich das Ganze noch. Die rund 280 Zuschauer in der Sporthalle des Theresianums erlebten großartige Samstagabendunterhaltung.

    Über die gesamte Spielzeit hinweg lagen die Gäste mehr als eine halbe Stunde in Führung; der ASC hatte lediglich rund vier Minuten die Nase vorne – aber eben auch im entscheidenden Moment. "Essenziell war unsere gute Teamdefense in der zweiten Halbzeit", sagte Ortmann. Zu zweit, zu dritt waren seine Leute da auf die ballführenden Gegenspieler gegangen, hatten die Großen unterm Korb zugemacht, hatten Ballverluste erzwungen."

    Und gegen die Zonenverteidigung, in der sich die Limburger mal wieder von Beginn an verschanzt hatten, kamen die Mainzer jetzt immer besser ins Spiel. Felix Dietrich markierte die ersten acht Punkte im letzten Viertel, Jerome Gahr zog jetzt ein ums andere Mal erfolgreich zum Korb. "Jay hat geschickt die Lücken genutzt, die sich durch die Limburger Box-and-one-Verteidigung aufgetan haben", sagte Ortmann. Und Dietrich mit seiner Schnelligkeit sei der ideale Mann, "um einen wankenden Gegner umzuschubsen".

    Mit bis zu 18 Punkten hatten die Baskets Limburg vor dem Seitenwechsel geführt, in der Reboundstatistik lagen sie nach der Hälfte der Spielzeit mit 25:5 vorne (am Ende 47:19). Doch wie sich die Gäste aufführten, als sie ihre Felle davonschwimmen sahen, war beschämend bis erbärmlich. Ununterbrochen über die Entscheidungen der Unparteiischen lamentierend handelten sie sich insgesamt acht Technische Fouls ein. "Abgesehen davon, dass sie auf Dauer konditionell nicht mithalten konnten, waren das natürlich auch noch 16 einfache Punkte für uns", sagte Jerome Gahr, korrigierte sich aber sogleich: "15." In der Tat: Einen der Versuche setzte Christian Zander, der in allen Fällen an die Linie ging, daneben – die anderen nutzte er, um seine Tagesbilanz auf 33 Punkte zu schrauben.

    Undisziplinierte Einzelzocker

    Erstaunlich war die Gelassenheit, mit der Gästetrainer Danny Stallbohm die Disziplinlosigkeiten seiner Spieler hinnahm. Ob sich sein Sohn und Kristoffer Deuce einen heftigen verbalen Schlagabtausch auf dem Feld lieferten, ob Deuce nach seinem fünften Foul Drohgebärden gegenüber Schiedsrichterin Carolin Hundrieser machte (gab natürlich ein Technisches): Der Coach wirkte weder entsetzt noch enttäuscht oder überrascht. Aber Stallbohm kennt seinen Kader ja schon länger...

    "Das ist eine richtige Drecksmannschaft", kommentierte ein Zuschauer die Ansammlung von Einzelzockern. Auch diesen Umstand machte sich der ASC am Samstagabend zunutze.

    Sport Mainz
    Meistgelesene Artikel