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Regionalliga

05-Amateure: Nach dem Zittern fielen die Tore

Mainzer U23 setzt ihre Siegesserie in Mann-heim fort, und Steven Lewerenz ist an allen vier Treffern beteiligt

Foto: eßling

Mannheim – Mit zwei Fragen mussten sich Spieler und Verantwortliche des FSV Mainz 05 II am Sonntagnachmittag nicht beschäftigen: Was wäre passiert, hätte Christian Mathenia nicht nach 38 Sekunden mit einer überragenden Fußabwehr gegen Marcel Sökler den Rückstand verhindert? Und wie hätte es die zunächst unsichere Hintermannschaft verkraftet, hätte Sökler in der neunten Minute aus guter Position nicht das Außennetz, sondern ins Tor getroffen?

Erzielte sein erstes Tor für die 05-Amateure: Mittelfeldspieler Daniel Bohl traf in Mannheim zum 4:0.  Fotos: Archiv/Eßling
Erzielte sein erstes Tor für die 05-Amateure: Mittelfeldspieler Daniel Bohl traf in Mannheim zum 4:0. Fotos: Archiv/Eßling
Foto: Eßling

Darüber hätte sich trefflich spekulieren lassen – und es ist davon auszugehen, dass Martin Schmidt die ein oder andere Szene im Mannschaftskreis auch noch kritisch aufarbeiten wird. Im unmittelbaren Anschluss an einen 4:0 (1:0)-Erfolg beim SV Waldhof Mannheim jedoch, dem dritten Sieg im dritten Saisonspiel, brauchte man nicht so sehr ins Detail zu gehen.

Mathenia rettet nach 37 Sekunden

Dass sie nicht gut ins Spiel gekommen waren, wussten die Betroffenen selbst. "Die Mannheimer haben sehr stark angefangen, waren sehr motiviert und hatten das emotionale Publikum im Rücken", sagte Felix Müller. "Wir dagegen waren bisschen nervös." Belege dafür waren unter anderem der verunglückte Rückpass von Damian Roßbach in den Fuß von Sökler (37. Sekunde) und sein missratener Querpass zu Fabian Kalig, der die zweite Waldhof-Chance einleitete.

Die zunächst unansehnliche Kickerei im Spiel nach vorne hatten die Gäste allerdings bewusst in Kauf genommen. Aus der Gewissheit heraus, dass die Mannheimer die Anfangsphase mit enormer Wucht gestalten würden, hatte Schmidt seinen Spielern lange Bälle verordnet. "Wir mussten diese ersten 20 Minuten überleben, durften kein Tor kassieren", erläuterte der Trainer. "Danach wollten wir das Heft in die Hand nehmen. Dieser Plan ist aufgegangen, auch wenn wir anfangs etwas Glück hatten."

Sliskovic trifft nach Lewerenz-Pass

Vor der Pause ging der Plan insofern auf, als die 05er nach der anfänglichen Mannheimer Drangphase Ruhe vor dem eigenen Kasten hatten. Offensiv gelang ihnen allerdings noch nichts; Pässe kamen nicht an, viele Bälle versprangen (was auch am Rasen gelegen haben dürfte), Antreiber Nejmeddin Daghfous hatte eine schlechte Quote als Einfädler, was sein Spiel zu eigensinnig erscheinen ließ. Petar Sliskovic arbeitete zunächst eifrig nach hinten mit, war vorne jedoch nicht zu sehen – bis er in der 42. Minute nach klasse Pass von Steven Lewerenz halbrechts im Strafraum an den Ball kam und diesen flach ins linke Eck jagte.

Manfred Lorenz wirkte in der Halbzeitpause nicht sehr glücklich. "Anfangs hatte ich Angst, dass wir überrollt werden", gestand der Mainzer Amateuremanager. "Ich hoffe, dass wir mit der Führung in der zweiten Halbzeit mehr Sicherheit bekommen."

Diese Hoffnung sollte sich erfüllen. Von der 46. Minute bis zum Schlusspfiff gab es keine Szene mehr, in der die Gäste ernsthaft ein Gegentor fürchten mussten. Was zu einem guten Teil auch damit zusammenhing, dass Lewerenz (kleines Foto) nur vier Minuten nach dem Wiederanpfiff einen sauberen Konter, in dem die 05er das Spiel von rechts auf Höhe der Mittellinie diagonal nach links verlagerten und Damian Roßbach den Ball hart an den Fünfmeterraum passte, am langen Pfosten zum 2:0 abschloss. "Manche Spieler empfinden das als Druck, wenn am Spieltag ein Beitrag über sie in der Zeitung erscheint", spielte Martin Schmidt auf den MRZ-Artikel vom Samstag an. "Steven hat es offenbar noch beflügelt. Er hat nicht sooo schlecht gespielt."

Daghfous verwandelt Elfmeter sicher

Man könnte auch sagen: Lewerenz war der Mann des Spiels. Alle Tore, die er nicht selbst erzielte, bereitete er vor. Das dritte, indem er im Zweikampf mit Innenverteidiger Cem Islamoglu einen Elfmeter herausholte, einen umstrittenen Strafstoß zwar, den der ehemalige 05- und Schalke-Stürmer David Wagner, heute Trainer des BVB II, auf der Tribüne mit den Worten kommentierte: "Einladung dankend angenommen." Daghfous verwandelte den Elfer gewohnt sicher (57.).

Eine gute Viertelstunde vor Schluss tunnelte Lewerenz im Strafraum Patrick Huckle, legte für Daniel Bohl auf, und der von den A-Junioren gekommene Mittelfeldspieler schob den Ball unter Torwart Kevin Knödler hindurch zu seinem ersten Regionalligatreffer ins Tor (73.).

Danach ließen die Gäste den Ball nach Belieben laufen, "was aber weniger an unseren überragenden Fähigkeiten, sondern mehr mit einem resignierenden Gegner zu tun hatte", relativierte Schmidt. Der Trainer räumte auch ein, seine Mannschaft sei nicht vier Tore besser gewesen als der Gegner. "Aber wenn ein Spiel so läuft wie das heutige, geht es auch schon mal 4:0 aus."

Peter H. Eisenhuth

Sport Mainz
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