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Rheinland-Pfalz

Land will die Umweltmärkte aufrollen

Deutsche Ingenieurskunst ist nach wie vor auf der ganzen Welt anerkannt. Davon sind Eveline Lemke und Dieter-Heinz Hellmann fest überzeugt. Die grüne Wirtschaftsministerin und der frühere Unternehmer wollen die Marke "Made in Germany" für einen der größten Wachstumsmärkte nutzen: die Umwelttechnik. Dazu haben sie das Netzwerk "Ecoliance Rheinland-Pfalz" gegründet, mit dem 58 Unternehmen, Ingenieursbüros und Forschungseinrichtungen ihre Chancen auf dem Weltmarkt verbessern wollen.

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Netzwerk mit 100 000 Euro im Jahr. Damit wird die organisatorische Plattform errichtet und am Laufen gehalten. Für Lemke ist das gut investiertes Geld. Denn die Unternehmensberatung Roland Berger hat in einer Studie herausgefunden, dass der Bereich Umwelttechnik in den kommenden Jahren ein Beschäftigungswachstum von 7 Prozent im Jahr auslösen könnte. Lemke hofft darauf, den rheinland-pfälzischen Jobmotor kräftig anzukurbeln.

Die Spezialisten von Roland Berger glauben, dass Rheinland-Pfalz im Bereich Umwelttechnik über enormes Potenzial verfügt. Die Wachstumsraten sind überdurchschnittlich. Unter den 700 Firmen in diesem Bereich sind Weltmarktführer. Etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes wird im Ausland erwirtschaftet. Rheinland-Pfalz gilt als besonders exportstark.

Wie kommen kleinere Unternehmen an die lukrativen Aufträge?

Optimierungsbedarf herrscht aber offenbar bei der Zusammenarbeit der Firmen. Auftraggeber wie chinesische Unternehmen oder Golf-Scheichtümer wollen komplexe Komplettlösungen. Wer bei den richtig lukrativen Ausschreibungen – etwa für ökologische Stadtprojekte in China – gewinnen will, muss eine breite Palette abdecken. Viele Umwelttechnik-Unternehmen in Rheinland-Pfalz sind kleine bis mittelgroße Mittelständler, erläuterte der Wirtschaftsingenieur Thorsten Henzelmann von Roland Berger. Sie müssen sich zusammenschließen, wenn sie sich neue Märkte erschließen wollen. Genau dies soll das im Januar gegründete Netzwerk Ecoliance nun leisten.

Der Ingenieur Dieter-Heinz Hellmann, Vorstandschef des Netzwerks, erklärte jetzt in Mainz, wie Verbundlösungen funktionieren. Es wird eben nicht nur eine Biogasanlage gebaut, sondern zugleich ein Konzept mitgeliefert, wie anschließend Sauerstoff für Klärbecken gewonnen werden und die Abwärme genutzt werden kann. Spart der Auftraggeber Kosten, beginnt Ökologie, sich zu rechnen.

Und Lemke erläuterte, wie arabische Sultanate wie der Oman gleich Abfallkonzepte für ganze Städte wollen. Da müssen ganze Sortier- und Recylingketten aufgebaut werden. Keine rheinland-pfälzische Firma schafft so etwas allein.

Zusammenarbeit in Netzwerken

Um bei derartig großen Projekten zum Zuge zu kommen, sind nach Überzeugung Lemkes "gebündelte Bewerbungen" mehrerer Unternehmen nötig. Hier soll das Netzwerk unterstützend tätig werden. Auch, indem es Partner vermittelt, also sogenannte Cluster-Arbeit leistet.

Rheinland-Pfalz hat offenbar dort die besten Chancen, wo hiesige Firmen bereits tätig sind: in einigen chinesischen Regionen wie der rheinland-pfälzischen Partnerregion Fujian, in arabischen Scheichtümern oder Sultanaten wie dem Oman, wo einheimische Firmen bereits eine Gesundheitsinfrastruktur aufgebaut haben, aber auch in Brasilien oder Mexiko.

Besondere Perspektiven rechnet sich Rheinland-Pfalz in den Aktionsfeldern Wasser/Abwasser, Gebäudetechnik/Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft/Recycling und dezentrale Energiesysteme aus. Allein die Versorgung mit sauberem Wasser ist eine schier unvorstellbare Aufgabe. 884 Millionen Menschen fehlt jeglicher Zugang, hieß es in Mainz. Auch hier könnten Firmen aus Rheinland-Pfalz helfen.

Wirtschaft
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