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    Café do Brasil: Design mit Jute und Plastiktüte

    Es war einmal ein junger Sack. Dem pinselte jemand „Café do Brasil“ aufs grobe Gewebe und dann fuhr er, gefüllt mit Kaffeebohnen, von Brasilien nach Deutschland. Dort wurde sein Inhalt aus ihm herausgeschüttet und er selbst landete mit anderen alten Säcken in einer Ecke. Normalerweise wäre die Geschichte des Kaffeesacks an dieser Stelle zu Ende. Wenn da nicht Vanessa Stenzel wäre.

    Vanessa Stenzel aus Klotten näht aus alten Kaffeesäcken Kissen oder Handtaschen und verwandelt damit schnöde und ausgediente Stoffe in schicke Produkte.
    Vanessa Stenzel aus Klotten näht aus alten Kaffeesäcken Kissen oder Handtaschen und verwandelt damit schnöde und ausgediente Stoffe in schicke Produkte.
    Foto: Ulrike Krickau

    Die 45-jährige Designerin lässt sich alte, ausgediente Kaffeesäcke nach Klotten schicken. Und dann beginnt sie mit ihrer Arbeit. Dem Cafésack do Brasil hat sie eine grün gepunktete Rüsche verpasst, hat ihn mit einer eleganten Rückseite versehen und nun macht er, der ausgediente Sack, seinem Herkunftsland als Kissenbezug alle Ehre. Andere seiner Kollegen werden zu Taschen, zu Tischsets …

    Vanessa Stenzel holt die Gegenstände, mit denen sie arbeitet, aus den altgewohnten Zusammenhängen heraus und gibt ihnen mit ihren künstlerischen Möglichkeiten eine neue Gestalt. Eigentlich betreibt sie dabei Recycling, aber das Wort ist viel zu piefig und erinnert viel zu sehr an schmutzig graues Umweltschutzpapier, als dass es zu ihren fantasievollen Gebilden passen würde. Nicht nur der Kaffeesack bekommt bei ihr eine neue Chance. Alte Plastiktüten bügelt sie zusammen – an alle Kinder: nicht nachmachen, es ist ein Trick dabei – und näht aus der entstandenen festen Folie schicke, kleine Utensilios. Und aus dem Kleid, das seinen Charme im Laufe der Jahre eingebüßt hat, näht sie einen Rock und peppt ihn mit Rosenapplikationen auf.

    Vanessa Stenzel ersetzt Wegwerfen durch Wertschätzung und ist damit aber noch lange nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt, denn wenn Sie einen schönen Stoff findet, dann kann sie auch ganz anders, dann kann sie auch Neu: Kleider, Tuniken, Westen, Mäntel, Röcke.

    Zielstrebig war er nicht, der Weg, den Vanessa Stenzel eingeschlagen hat. Ihren Beruf als Designerin hat sie sich aber in allen Ehren erschlendert. Nach ihrem Abitur wollte sie zunächst studieren. Aber das machte keinen Spaß und damit auch keinen Sinn. Außerdem wollte sie nicht nach Bonn oder sonst wohin, sie gehörte einfach nach Koblenz. Sie entschloss sich zu einer Ausbildung zur Raumausstatterin. Bei ihrem Lehrbetrieb in Ehrenbreitstein lernte Vanessa Stenzel alles, was eine gute Polster- und Dekorationsnäherin können muss. Und hatte darüber hinaus einen Chef, der sie inspirierte. Viele Jahre lang arbeitete sie in ihrem Beruf.

    Irgendwann fing sie an, in ihrer Freizeit ihren eigenen Schmuck herzustellen. Ihre ersten Abnehmer waren ihre Freunde. Sie hatte Spaß am Basteln und an dem Kontakt mit den Leuten, denen ihr Schmuck gefiel. Immer dann, wenn sie einige Stücke zusammenhatte, belud Vanessa Stenzel ihr kleines, blaues Auto und machte sich auf den Weg zu den Märkten am Rheinufer in Köln, nach Grefrath, nach Bad Tölz.

    Es ist ein gut gelaunter Eigensinn, mit dem Vanessa Stenzel ihren eigenen Weg geht, ohne dabei den Marktmöglichkeiten ihrer Arbeiten allzu viel Gewicht zu geben. Auf ihrem Weg entdeckt sie immer wieder Neues: Nach dem Schmuck kamen die Taschen, dann die Kleidung, später die Kissen. Entstanden ist im Laufe der Zeit ein breites Repertoire an Produkten und Projekten. Eigentlich hätte es in diesem Miteinander aus Beruf und Berufung auch weitergehen können. Aber dann wurde doch vieles anders.

    Vor rund zwei Jahren zog Vanessa Stenzel nach Klotten, seit einigen Monaten ist sie verheiratet. Nun ist es für sie an der Zeit einen Schritt zu gehen, für den die Zeit erst heranreifen musste: Sie ist dabei, sich als freiberufliche Designerin zu etablieren. Natürlich fährt sie noch immer auf Märkte, dafür mag sie die Gespräche und die Anregungen ihrer Kunden viel zu sehr. Aber daneben bietet sie ihre Produkte auch auf die Designplattform DaWanda an. Und auch bei der Kaffeerösterei Flink in Mayen – von dort bezieht sie auch einige ihrer Kaffeesäcke – können ihre Kaffeesackkreationen gekauft werden.

    Ihr Einstand auf einem der Märkte in der Region dagegen fiel gründlich ins Wasser. Der Kunst- und Handwerkermarkt in diesem Frühjahr in Cochem versank im Regen, die Ware wurde feucht, die Menschen frustriert. Dem Cafésackkissen do Brasil wird’s dort trotzdem gefallen haben, denn er ist schließlich dem Reißwolf entkommen. Ohne Vanessa Stenzel wäre er statt eines Kissens mit Rüschen schon längst ein Putzlappen.

    Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Krickau

     

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