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Koblenz

Zentralplatz – Meilenstein oder Millionengrab für Koblenz?

Für die einen ist die "neue Mitte" von Koblenz ein Meilenstein in der Stadtentwicklung, für die anderen ist das Großprojekt überflüssig und eines der vielen Gesichter des Oberzentrums, die dessen nahenden finanziellen Zusammenbruch symbolisieren.

Koblenz. Für die einen ist die "neue Mitte" von Koblenz ein Meilenstein in der Stadtentwicklung, für die anderen ist das Großprojekt überflüssig und eines der vielen Gesichter des Oberzentrums, die dessen nahenden finanziellen Zusammenbruch symbolisieren.

So oder so aber ist das Forum Mittelrhein – auf dem früheren Zentralplatz entstehen ein Einkaufscenter und ein Kulturbau – mit mehr als 200 Millionen Euro wohl die bislang größte innerstädtische Einzelinvestition in der Region Mittelrhein.

70 Millionen Euro der Investitionssumme sollen bei der hoch verschuldeten Stadt hängen bleiben. Genauso viel kostet der Kulturbau, in dem Stadtmuseum, Mittelrhein-Museum, ein Zentrum der Rheinromantik, eine Servicestelle der Koblenz-Touristik sowie ein für Veranstaltungen nutzbares variables Foyer untergebracht werden sollen. Rechnet man Innenausstattung, Platzgestaltung und Verkehrsplanung dazu, könnte der städtische Anteil auf 90 Millionen Euro steigen, wobei mögliche Zuschüsse des Landes noch nicht eingerechnet sind.

Rekorddefizit droht

Für die Gegner des Projektes ist das alles ein Unding. Im Haushaltsentwurf für das Jahr 2011 klafft ein Loch von 66,5 Millionen Euro, der Schuldenstand der Stadt wird bis zum Jahresende voraussichtlich bei rund 480 Millionen Euro angelangt sein. Angesichts dieser Zahlen gibt es keinen Spielraum mehr, über 30 Jahre einen Kulturbau zu finanzieren. Das kritisiert zum Beispiel die Bürgerinitiative "Zukunft für Koblenz" (BIZ), die aus den Reihen der Projektgegner entstand und bei den Kommunalwahlen 2010 für ein politisches Erdbeben sorgte. Sie sitzt heute im Koblenzer Stadtrat, nachdem die beiden Volksparteien SPD und CDU, die mit Ausnahme einiger Abweichler von der Union für das Projekt gestimmt hatten, herbe Verluste hinnehmen mussten.

Trotz der fünfjährigen hitzigen Debatte in der Politik und verschiedener Klagen vor den zuständigen Gerichten ist das Projekt heute weit vorangeschritten. Spätestens im November sollen die beiden Teile des Forums als Rohbau stehen. Dann wird mindestens noch ein weiteres Jahr ins Land ziehen, bis die rund 90 Fachgeschäfte eröffnen. Beim Kulturbau müssen sich die Besucher sogar noch bis zum Frühjahr 2013 gedulden. Während der Bundesgartenschau präsentiert Koblenz also mitten in der Stadt eine Baustelle.

Ob der Zeitplan gehalten wird? Danach sieht es momentan aus. Planmäßig wurden bereits Anfang Dezember die Abbruch- und Erdarbeiten abgeschlossen. Sofort danach begannen die Arbeiten an den Fundamenten. Inzwischen ist das geplante Einkaufscenter weiter vorangeschritten als laut Plan vorgesehen. "Nur beim Kulturbau konnten wir knapp zwei Wochen später anfangen als geplant", erklärt Jürgen Reimann. Der zuständige technische Projektmanager beim künftigen Centerbetreiber ECE, das auch das Löhr-Center betreibt, nennt als Ursache das gestiegene Grundwasser infolge des Hochwassers.

Verschiedene Finanzierungswege

Generalunternehmer ist die Ed. Züblin AG, eine Tochter des österreichischen Baukonzerns Strabag SE. Die Niederlassung Köln baut das Center, die Niederlassung Frankfurt den Kulturbau – und das alles in Abstimmung mit dem Projektentwickler und Vermieter ECE, einem Unternehmen des Hamburger Otto-Konzerns, das mit der Strabag Real Estate zwei Bauherrengemeinschaften gegründet hat.

Angesichts der Größenordnung des Projekts gibt es unterschiedliche Finanzierungswege. So wurde das Center bereits vor dem eigentlichen Baubeginn bis auf eine Minderheitsbeteiligung an die US-Gesellschaft RREEF Investment verkauft. Ganz anders sieht es im Fall des Kulturbaus aus. Hier regelt ein Werkvertrag die Zusammenarbeit zwischen den Bauherren und der Stadt Koblenz. Obwohl die Kommune mit jährlichen Einnahmen von bis zu einer Million Euro aus dem Kulturbau rechnet, dürfte für sie unter dem Strich auf Jahrzehnte hin ein dickes Minus bleiben. Vor diesem Hintergrund gab es jüngst Versuche, das Projekt zu stoppen. Allerdings scheiterten Klagen der Anlieger. Und auch die Forderung, aus dem Kulturbau auszusteigen, funktioniert nur zum Preis eines Vertragsbruchs, der laut Stadt verheerende finanzielle Folgen haben würde. Außerdem verweist die Stadtverwaltung auf einen Beschluss von 2005. Damals hatte sich der Rat grundsätzlich für einen Mix aus Kultur und Einzelhandel ausgesprochen.

Bis heute umstritten ist auch die Größenordnung des Projekts. Auf dem riesigen Areal werden Verkaufsflächen von insgesamt 20 000 Quadratmetern in drei Geschossen und Parkdecks für 750 Fahrzeuge realisiert. Gegner befürchten zum einen, dass das Center den ansässigen Handel erdrückt. Deutlich kleiner ist der Kulturbau geplant, der in seinen fünf Geschossen eine Nutzfläche von 12 000 Quadratmetern bieten soll. Kritisiert wird zudem, dass im Vergleich zum früheren Zentralplatz in Zukunft weniger Freiflächen für die Bürger eingeplant sind.

Von unserem Redakteur Reinhard Kallenbach

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