40.000
Aus unserem Archiv
Rheinland-Pfalz

Werner Mauss: Seine Tarnung wirft Fragen auf

Dietmar Brück

Der frühere Superagent Werner Mauss legte sich mit der Mafia, Guerilleros und allerlei Schwerkriminellen an. Er verhandelte mit ihnen, doch viel häufiger unterwanderte er sie, täuschte sie und ließ sie schließlich hochgehen. Kein Wunder, dass er großen Wert darauf legte, unauffindbar zu sein. Dennoch tauchen Fragen auf, ob es bei seinen behördlich ausgestellten Tarnidentitäten mit rechten Dingen zuging. Und zwar in jenen langen Jahren, nachdem er seine freiberufliche Agententätigkeit im Dienst des Staates beendet hatte. Das heikle Thema spielte auch bei der jüngsten Landtagsdebatte zum CDU-Spendenskandal um Mauss eine Rolle.

Geheimnisumwittert: Ex-Agent Mauss beim Prozess wegen Steuerhinterziehung in Bochum Foto: dpa
Geheimnisumwittert: Ex-Agent Mauss beim Prozess wegen Steuerhinterziehung in Bochum
Foto: dpa

Die Landesregierung hegt Zweifel, ob die Gewährung des Tarnnamens Richard Nelson hätte erfolgen dürfen. Es „war in Rheinland-Pfalz ein offenes Geheimnis, dass Mauss seit Jahrzehnten unter der Identität Nelson in einer Verbandsgemeinde im Kreis Cochem-Zell lebte“, meinte Innenstaatssekretär Günter Kern (SPD) im Plenum. Ein sachlich verpackter Seitenhieb auf die CDU, in der stets betont wird, von Mauss' verschiedenen Identitäten nichts gewusst zu haben.

Kern lieferte auch gleich den Grund, warum der Ex-Agent in den Hunsrück zog. Mauss und seine damaligen Ehefrau waren von 1968 bis 1971 Vertrauenspersonen für rheinland-pfälzische Sicherheitsbehörden. Anschließend wurden die Tarndokumente zurückgefordert. Vergeblich.

Mauss zog offenbar an den richtigen Strippen. Denn die zuständige Verbandsgemeinde in Zell an der Mosel machte die Tarnung des Agenten über viele weitere Jahre amtlich, indem sie die nötigen Dokumente ausstellte. In der Behörde ging man davon aus, dass ein Verfahren zur Namenänderung erfolgt sei. Diese Annahme war vorschnell, wie aus der Aktenlage zu ersehen ist. Daraus schließt man im Innenministerium, dass Mauss gar kein Recht mehr hatte, die Tarndokumente zu führen.

Neben der Tarnidentität Richard Nelson nutzte Mauss auch den Aliasnamen Claus Möllner. Um das Verwirrspiel komplett zu machen, ließ er die erforderlichen Pässe von der Verbandsgemeindeverwaltung in Simmern ausstellen. Damit das klappte, gab er einen Scheinwohnsitz in der Hunsrückstadt an – und zwar im Gebäude der Anwaltskanzlei Hansen. Eine Sozietät, deren Ableger in Eisenach bei der Übermittlung der Mauss-Spenden an die CDU eine Rolle spielte.

Laut BKA setzte sich der Bundestagsabgeordnete Peter Bleser (CDU) dafür ein, dass der Ex-Agent die Tarndokumente weiter erhielt. Ein weiterer Vermerk erwähnt die Fürsprache des Cochem-Zeller Landrats Manfred Schnur (CDU). Spannend ist: Schnur war für Simmern im Rhein-Hunsrück-Kreis überhaupt nicht zuständig. Unklar bleibt zudem, warum Mauss gleich zwei Verbandsgemeindeverwaltungen einspannte – jeweils eine Behörde für seine Identität als Richard Nelson und eine für seine Identität als Claus Möllner.

Das BKA hat die Kooperation mit Mauss bereits 1987 beendet. Aber erst 30 Jahre später, im März 2017, forderte es den Ex-Agenten und seine Frau auf, die einschlägigen Dokumente zurückzugeben. Mauss wehrt sich juristisch dagegen. Nun muss das Verwaltungsgericht in Wiesbaden entscheiden. Zudem läuft ein Verwaltungsverfahren bei der Verbandsgemeinde Zell (in der Mauss tatsächlich lebt) auf Einziehung der Tarndokumente. Dort wartet man zunächst auf die Entscheidung in Hessen.

Spekuliert wird, dass die Rückgabe der Tarnidentitäten für Mauss nicht so einfach ist. Möglicherweise wurden Konten eröffnet oder Geschäfte unter verschiedenen Namen getätigt. Zudem könnten etwa Mafiabanden noch immer auf Rache sinnen, was ein Schutzinteresse rechtfertigen würde. Mauss gilt zwar offiziell als nicht mehr gefährdet, doch das allein dürfte den Ex-Agenten nicht beruhigen.

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

Kreistag Cochem-Zell wird die Mauss-Akten sichten

Cochem. Im kommenden Jahr können Mitglieder des Cochem-Zeller Kreistags einen Blick in die Mauss-Akten der Kreisverwaltung werfen. Ob dazu auch die Unterlagen zu den Jagd- und Waffenscheinen des Ex-Geheimagenten gehören, soll vom Landesdatenschutzbeauftragten geprüft werden. Darauf hat sich der Cochem-Zeller Kreistag geeinigt. Die SPD hatte eine Akteneinsicht beantragt, nachdem in den vergangenen Tagen immer wieder Dokumente aus der Kreisverwaltung in die Öffentlichkeit gelangt waren.

Landrat Manfred Schnur (CDU) hatte eine Akteneinsicht bei Bauangelegenheiten zugesichert. Bei den Jagd- und Waffenakten verweist er allerdings auf die Rechtslage, wonach Informationen dazu strengen Kriterien unterliegen würden. Die SPD-Kreistagsfraktion erklärte sich in dieser Frage bereit, einer entsprechenden Entscheidung des Landesdatenschutzbeauftragten zu folgen.

Auch die CDU-Kreistagsfraktion unterstrich, dass eine Akteneinsicht gerade bei den Bauakten durchaus sinnvoll wäre, um mögliche Mutmaßungen über den Zusammenhang von Parteispenden und Bauvorhaben zu entkräften, so deren stellvertretender Fraktionsvorsitzender Alfred Steimers.

Wenig Neues und nichts Spektakuläres ergab eine Anfrage der SPD im Cochem-Zeller Kreistag. Der Landrat wies erneut Vorwürfe zurück, er habe etwas im Zusammenhang mit dem Ex-Agenten Werner Mauss verschwiegen. Es seien vor allem datenschutzrechtliche Bestimmungen, die es ihm nicht möglich machten, alle Fragen zu Waffenscheinen zu beantworten. „Ich habe nichts verschwiegen, ich habe lediglich das gesagt, was ich sagen darf und kann“, so Schnur in seiner Antwort an die SPD. dj

Rheinland-Pfalz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Das Wetter in der Region
Mittwoch

11°C - 17°C
Donnerstag

8°C - 16°C
Freitag

6°C - 14°C
Samstag

4°C - 10°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!