40.000
Aus unserem Archiv
Berlin

Warum Frauen nur selten in die Chefetage kommen

Es bewegt sich etwas. Allein im vergangenen Jahr wurden vier Frauen neu für die Vorstände der 30 DAX-Unternehmen berufen. Anfang 2012 zog Helga Jung in den Vorstand der Allianz ein, im Lauf des Jahres werden Marion Schick bei der Telekom und Angela Titzrath bei der Deutschen Post folgen.

Berlin. Es bewegt sich etwas. Allein im vergangenen Jahr wurden vier Frauen neu für die Vorstände der 30 DAX-Unternehmen berufen. Anfang 2012 zog Helga Jung in den Vorstand der Allianz ein, im Lauf des Jahres werden Marion Schick bei der Telekom und Angela Titzrath bei der Deutschen Post folgen.

Aber jenseits der DAX-Schwergewichte bewegt sich zumindest bei den Konzernen viel zu wenig, beklagt Forscherin Elke Holst vom DIW in Berlin. In den Chefetagen der 200 größten Unternehmen liegt der Frauenanteil unverändert bei 3 Prozent. Warum ist es für Frauen so schwer, ans Ruder zu kommen?

Gläserne Decke: In vielen Unternehmen ist es für eine Frau gar kein Problem, bis ins mittlere Management aufzusteigen. Doch beim Versuch, nach ganz oben zu kommen, stößt sie dann doch an eine unsichtbare „gläserne Decke“. Das hat damit zu tun, dass die männlichen Netzwerke bis zum Vorstandschef reichen – während die weiblichen logischerweise weiter unten zu Ende sind, solange gar keine Frau ganz oben vertreten ist. Manche weibliche Spitzenkraft reagiert darauf, indem sie geht und sich selbstständig macht. „Die Firmen fragen sich dann: Wo sind denn unsere Talente hin?“, sagt WHU-Professorin Christina Günther.

Mangel an Mentoren: Wer als junger Mann ins Unternehmen einsteigt, wird von seinen Vorgesetzten beobachtet. Leistet er gute Arbeit und stimmt die persönliche Chemie, nimmt ihn der Abteilungsleiter unter seine Fittiche – und empfiehlt die Nachwuchskraft bei Gelegenheit auch nach oben. Bei Frauen ist das nicht so einfach: Der (männliche) Chef tut sich schwer damit, eine junge Frau „an die Hand zu nehmen“ – weil er sich sofort dem Verdacht aussetzen würde, es ginge um mehr als das rein Berufliche. Eine weibliche Mentorin fehlt in einem männerdominierten Unternehmen aber meist. Gelegentlich wird deshalb versucht, Frauen unternehmensübergreifend zu vernetzen. Aber das kann leicht zwanghaft wirken. „Ihr beiden seid Frauen, also versteht euch“ – so klappt es nicht.

Anderer Lebensentwurf: Damit eine Frau ganz an die Spitze kommt, muss sie das erst einmal wollen – und zwar ohne jedes Wenn und Aber. Führungspositionen lassen kaum etwas neben der Arbeit zu. Viele Frauen wollen aber noch andere Dinge in ihrem Leben haben. Sie fragen eher nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch wenn die Kindererziehung keine reine Frauensache sein muss, ist sie es doch häufig noch. Frauen begnügen sich deshalb oft mit einem begrenzten Aufstieg. Eine Quote ist daher nach Ansicht der WHU-Professorin Christina Günther auch nur begrenzt sinnvoll – es bringt ja nichts, Mitarbeiterinnen gegen ihren Willen ohne eigene Leidenschaft in die Führungsspitze zu beordern.

Mangel an Vorbildern: Frauen in Führungspositionen sind selten – also haben Mädchen auch wenige Vorbilder, an denen sie sich orientieren könnten. Während die Ackermänner und Obermänner medial präsent sind, rückte unter den Frauen bisher allenfalls mal eine Margret Suckale ins Rampenlicht, als sie für die Bahn mit den Lokführern focht. Wie wichtig Vorbilder sind, zeigt aber der Blick auf die Familienunternehmen: Dort schaffen es Töchter wesentlich öfter in die Firmenleitung als Frauen im Allgemeinen – weil sie von Kindesbeinen an damit vertraut gemacht wurden, was es heißt, ein Unternehmen zu führen. Und weil die Mütter oft auch schon eine wichtige Rolle im Betrieb gespielt haben.

Zu viel Geduld: Frauen warten auf die Karriere, sagt Christina Günther – frei nach dem Motto: „Ich leiste so gute Arbeit, das muss doch irgendwann jemand sehen.“ In der Zwischenzeit hat der männliche Konkurrent schon dreimal die Beförderung eingefordert. „Männer stehen auf, schauen in den Spiegel und sagen sich: Heute erobere ich die Welt! Die Frau dagegen sucht ihre Problemzonen“, spitzt Günther zu. Um dann zu betonen, dass das harte Schwarz-Weiß überwunden werden kann. Wenn Frauen selbstbewusst auftreten – und Männer erkennen, dass sie einiges von ihnen übernehmen können.

hil

Rheinland-Pfalz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Das Wetter in der Region
Sonntag

8°C - 19°C
Montag

6°C - 16°C
Dienstag

4°C - 16°C
Mittwoch

7°C - 18°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!