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Wahnhafte Sucht? Prozess gegen Pulver-Kurt vertagt

Bad Kreuznach/Hundsbach – Der Prozessauftakt gegen den als Pulver-Kurt bundesweit bekannt gewordenen Militariasammler Kurt N. aus Hundsbach endete am Mittwoch mit einer Überraschung.

Ein psychologisches Gutachten soll in den nächsten Wochen klären, ob der 64-jährige Angeklagte an Objektophilie leidet, einer wahnhaften Sucht, bestimmte Gegenstände besitzen zu wollen. Damit folgte das Landgericht einem Antrag von Verteidiger Dr. Ulrich Stange.

Mittwochmorgen, 9 Uhr: Der Vorsitzende Richter der Zweiten Großen Strafkammer eröffnet den Prozess gegen den Mann, der zu Hause in Hundsbach und in einer Becherbacher Scheune ein großes Waffenarsenal anhäufte, das im Januar 2011 von der Polizei ausgehoben wurde. Damals musste Becherbach evakuiert werden.
Staatsanwältin Annette Boeckl wirft Kurt N. in der Anklage vor, ohne die erforderlichen Berechtigungen nach dem Kriegswaffenkontroll-, Waffen- und Sprengstoffgesetz viele Maschinengewehre, Maschinenpistolen, Gewehre, Pistolen und Revolver, Waffenteile, Handgranaten, zahlreiche teilweise mit TNT und anderen Substanzen selbst gefertigte Sprengkörper, eine Antipersonenmine, eine große Menge panzerbrechende Munition und weit über 100 Kilo verschiedene Sprengstoffe sowie Pyrotechnik unterschiedlichster Art und Herkunft besessen und gelagert zu haben.

Anwalt: "Pulver Kurt" eiin angesehener Bürger
Rentner Pulver-Kurt macht vor dem Landgericht einen angegriffenen Eindruck. Nur selten huscht ein leichtes Lächeln über sein Gesicht. Anwalt Stange nimmt seinen Mandanten in Schutz: „Er hat noch nie so im Interesse gestanden. Das ist nicht ganz einfach.“ Der frühere Werkzeugmachermeister habe gesundheitliche Schwierigkeiten.

Ulrich Stange beschreibt Kurt N. als „angesehenen Bürger“. „Er lebt in geordneten Verhältnissen.“
Seine Arbeit bei der Firma Hay in Bad Sobernheim musste er aufgeben, „weil mir die Lehrlinge so zugesetzt haben“. Pulver-Kurt legt nämlich großen Wert auf Verlässlichkeit, Ordnung und Sauberkeit, sagt er vor Gericht.

„Bei uns im Ort hat überall das Zeug rumgelegen."
Mit Waffen kam er frühzeitig in Berührung: „Bei uns im Ort hat überall das Zeug rumgelegen. In jedem Haus stand der Karabiner. Das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.“ Der Vorsitzende Richter, Dr. Bruno Kremer, fragt: „Warum haben Sie so viele Waffen?“ Pulver-Kurt berichtet: „Viele Leute hatten Waffen, die sie loswerden wollten. 1969/70 ging's los, und so ging es immer weiter.“

Filmauftritt in SS-Uniform hat mit rechter Gesinnung nichts zu tun
Kurt N. interessiert sich sehr für Technik. Das könnte der Grund für die Sammelwut gewesen sein. Und noch eins will Pulver-Kurt klarstellen: Er möchte nicht in die „rechte Ecke“ gerückt werden. Dass in seinem Wohnhaus eine Hakenkreuzfahne sichergestellt wurde – damit habe er nichts zu tun.

Und sein Auftritt in einer SS-Uniform für Filmaufnahmen auf dem Truppenübungsplatz sei nicht mit rechter Gesinnung zu erklären.
Pulver-Kurt und sein Anwalt bestreiten Teile der Anklageschrift. Über einzelne Waffen wird diskutiert. Kurt N. nennt Namen von Personen, von denen er Waffen erhalten habe. Den Verkauf von Waffen bestreitet er, gibt aber den Tausch zu. Noch im Januar/Februar 2012 wollten zwei Personen bei ihm Waffen abgeben. Pulver-Kurt lehnte ab: „Ich habe mit dem Thema abgeschlossen.“

Experten: „Es hätte in einer Katastrophe enden können.“
Wieso er große Mengen Waffen und Sprengstoffe in der Scheune in Becherbach lagerte, will Dr. Kremer wissen. Kurt N. antwortet kurz und knapp: „Ich wollte das Zeug nicht bei mir zu Hause haben.“ Über die Gefährlichkeit gaben Experten der Polizei Auskunft: „Es hätte in einer Katastrophe enden können.“ Die Scheune war laut Polizei unzureichend gesichert. Staatsanwältin Annette Boeckl fragte: „Was wäre gewesen, wenn Kinder dort gespielt hätten?“

Nächster Termin am 15. August: Gutachter hat das Wort
Der Prozess wird am Mittwoch, 15. August, ab 9 Uhr vor dem Landgericht in Bad Kreuznach fortgesetzt. Dann sollen außer dem noch zu bestellenden Gutachter auch Pulver-Kurts Hausarzt und ein ihn behandelnder Neurologe über den Gesundheitszustand dem Gericht nähere Auskunft geben.

Von unserem Redakteur Klaus Dietrich

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