40.000
Aus unserem Archiv
Bad Kreuznach

Waffennarr "Pulver-Kurt": Habe die Sachen nur für andere aufbewahrt

Ein Rentner mit dem Spitznamen "Pulver-Kurt" soll in der Nordpfalz ein riesiges illegales Lager mit Waffen, Sprengstoff und Munition gehortet haben. Allerdings habe er die explosive Sammlung von anderen bekommen, beteuerte der 64-Jährige am Mittwoch zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Bad Kreuznach.

Die Räumung der Scheune von "Pulver-Kurt" hatte im Januar 2011 eine ganze Region in den Ausnahmezustand versetzt, mehrere hundert Einwohner mussten ihre Häuser verlassen.
Die Räumung der Scheune von "Pulver-Kurt" hatte im Januar 2011 eine ganze Region in den Ausnahmezustand versetzt, mehrere hundert Einwohner mussten ihre Häuser verlassen.
Foto: dpa

Die Besitztümer habe er dann lediglich aufbewahrt. "Ich habe die Waffen an mich genommen und weggeschlossen." Unter anderem mietete er dazu in Becherbach im Kreis Bad Kreuznach eine Scheune. "Ich wollte das nicht zu Hause haben." Dennoch stießen Ermittler auch in seiner Wohnung in Hundsbach auf kistenweise Waffen, Munition und Schwarzpulver. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben.

Die Räumung der Scheune hatte im Januar 2011 eine ganze Region in den Ausnahmezustand versetzt, mehrere hundert Einwohner mussten ihre Häuser verlassen. Die Ermittler fanden dort und im Wohnhaus von "Pulver-Kurt" unter anderem Panzerfäuste, Minen, mehrere Handgranaten und Maschinengewehre. Sprengstoff habe ihm etwa ein Alkoholkranker angeboten, im Tausch gegen Bier, berichtete der 64-Jährige. Ein Sturmgewehr sei ihm von einem Bekannten gebracht worden, der nach Australien auswanderte.

Nach dem Willen des Verteidigers soll bis zum nächsten Verhandlungstermin Mitte August geklärt werden, ob sein Mandant voll schuldfähig ist. Der Angeklagte leide möglicherweise an Objektophilie, er habe die Waffenangebote schlicht nicht ablehnen können, erklärte der Anwalt. Allerdings hatte der 64-Jährige nach eigener Aussage Waffen zurückgewiesen, die noch Anfang dieses Jahres zu ihm gebracht worden waren.

Er sei bereits als Kind mit Waffen in Berührung gekommen – das habe seine Begeisterung geweckt, erzählte er. "In jedem Haus im Dorf stand ein Kaliber. ... Wir Kinder haben mit Panzerfäusten gespielt." Bis zum Fund war der 64-Jährige beim Reservistenverband der Bundeswehr aktiv und dort unter anderem für Schießsicherheit zuständig. Als die Vorwürfe bekannt wurden, habe ihm der Verband den Austritt nahegelegt. Für eine ganze Reihe von Waffen besaß der Werkzeugmacher eine Erlaubnis. Sein Lager war aufgeflogen, nachdem ein Bekannter ihn wegen Betrugsvorwürfen angezeigt hatte.

In der angemieteten Scheune in Becherbach entdeckten die Ermittler unter anderem mehrere Kisten mit Sprengstoff auf einem Lastwagen. Das Material sei in einem so schlechten Zustand gewesen, dass es sich möglicherweise hätte selbst entzünden können, sagte ein Gutachter des Landeskriminalamtes. Mit einem Roboter wurden rund 40 Kilo des Stoffes auf eine Wiese vor das Dorf gefahren und gezündet.

Rheinland-Pfalz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Das Wetter in der Region
Montag

18°C - 31°C
Dienstag

19°C - 33°C
Mittwoch

20°C - 34°C
Donnerstag

20°C - 34°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!