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Rheinland-Pfalz

Vorwahlkampf: Sozialdemokrat Rethage ist jetzt liberaler Wirtschaftsexperte

Still war es um ihn geworden, den früheren Hahn-Geschäftsführer Heinz Rethage. Doch nun kehrt er mit einem Paukenschlag auf die öffentliche Bühne zurück. Am Freitag will der frühere Manager in Mainz sein Konzept zum Flughafen Hahn vorstellen. Doch die eigentliche Sensation ist eine andere.

Seit wenigen Tagen ist der frühere Hahn-Geschäftsführer Heinz Rethage (SPD) als Landesbediensteter im Ruhestand. Und schon mischt er wieder öffentlich mit – als Unterstützer der vom Totalabsturz bedrohten Liberalen. Am Freitag stellt er neun streitbare Ideen zum Hunsrück-Flughafen vor. Foto: dpa
Seit wenigen Tagen ist der frühere Hahn-Geschäftsführer Heinz Rethage (SPD) als Landesbediensteter im Ruhestand. Und schon mischt er wieder öffentlich mit – als Unterstützer der vom Totalabsturz bedrohten Liberalen. Am Freitag stellt er neun streitbare Ideen zum Hunsrück-Flughafen vor.
Foto: dpa

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

Rethage, ein Sozialdemokrat, hat sich mit der FDP verbündet. Denn seine Thesen zur Konsolidierung des angeschlagenen Flughafens präsentiert er ausgerechnet bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem liberalen Landesvorsitzenden Volker Wissing. Das macht schon jetzt in der Landespolitik Furore, löst aber auch Kopfschütteln aus.

Der streitbare Manager hat sich mit seinem ruppigen Kurs in der Landespolitik eine Menge Feinde gemacht. Die rot-grüne Landesregierung zog ihn schließlich als Flughafen-Geschäftsführer aus dem Verkehr und stellte ihn mit einem bestens dotierten Homeoffice-Job ruhig. Wissing indes hatte Rethage während all der Querelen am Hahn selbst kräftig eingeschenkt. Noch im April 2014 ließ der Liberale sich mit dem Satz zitieren: "Ob ein Geschäftsführer, den die Bewältigung seiner Korrespondenz bereits überfordert, geeignet ist, die Probleme am Flughafen Hahn zu lösen, scheint mehr als zweifelhaft." Nun ist Rethage plötzlich Wissings Trumpfkarte im Vorwahlkampf. Ist der Wirtschaftsingenieur die letzte Hoffnung der rheinland-pfälzischen Liberalen?

Doch Rethage, bis Ende des alten Jahres noch im Dienste der Landesregierung, hat auch starke Unterstützer. Er ist bestens vernetzt mit den Wirtschaftskammern. Zudem hat er Anhänger am Flughafen, die sein Engagement als Sanierer und Aufräumer schätzten. Den Hunsrück-Airport kennt er wie seine Westentasche. Und: Der frühere kaufmännische Geschäftsführer des Landesbetriebs Mobilität (LBM) ist mit dem Innenleben der rot-grünen Landesregierung vertraut. Wenn er nun all sein Wissen und seine Erfahrungen zur FDP trägt, dürfte das reichlich unangenehm für Rot-Grün werden. Denn Rethage ist ein Meister im Aufspüren von Schwachstellen. Seine wirtschafts- und finanzpolitische Expertise hat Gewicht. Über besonderes politisches Gespür verfügt Rethage indes nicht. Versperrte Türen öffnet er gern mit dem Rammbock.

Obwohl Sozialdemokrat, fühlt sich Rethage offenbar zu den Liberalen hingezogen. "Wirtschaftspolitisch sehe ich da eine große Übereinstimmung", erklärte er gegenüber unserer Zeitung. Wie dauerhaft er sich engagiert, wird auch von der Resonanz auf seinen inhaltlichen Vorstoß zum Hahn abhängen. Aber Lust hat der promovierte Ingenieur schon, der FDP 2016 zur Rückkehr in den Landtag zu verhelfen. Erst einmal präsentieren Rethage und Wissing jetzt neun Punkte zum Hahn. Deren Inhalt könnte die eine oder andere Kontroverse auslösen.

Die dümpelnde rheinland-pfälzische FDP will mit Rethage endlich wieder wahrgenommen werden. "Wir können in unserer Lage Hilfe gut gebrauchen", sagte Landesgeschäftsführer Hartmut Höppner unserer Zeitung. "Die Expertise und auch der Gestaltungswille eines Heinz Rethage sind bei uns willkommen", ergänzte er. Höppner bemängelt, dass Rot-Grün sich nicht wirklich und aus vollem Herzen zum Flughafen Hahn bekennt. "Die Regierung müsste Begeisterung wecken", meinte er. Aber Teilen der Koalition sei der Hunsrück-Airport eher peinlich.

Wissing, Höppner und die Landes-FDP stehen stark unter Druck. In Umfragen sind sie weit vom Einzug in den Landtag entfernt. Landespolitisch spielen die einst so stolzen Liberalen derzeit keine Rolle mehr. Man sieht und hört nichts von ihnen. Das Angebot des früheren Bundeswirtschaftsministers Rainer Brüderle (FDP), im Wahlkampf zu helfen, wurde eher widerwillig angenommen. Wissing will die Erneuerung seiner Partei.

Der Rechtsanwalt gilt als rechtschaffen und klug – ein exzellenter Finanzpolitiker. Aber dem eher nüchternen Intellektuellen Wissing fehlt es an Charisma und politischer Durchschlagskraft. Das Murren in den ausgedünnten Reihen der Liberalen wird vernehmlich lauter. Doch zu Wissing ist keine Alternative in Sicht. Nun soll Heinz Rethage dem liberalen Jet neuen Schub verleihen – hoffentlich wird es kein Umkehrschub.

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