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Rheinland-Pfalz

Vorbilder geehrt: Und plötzlich Lebensretter

Gisela Kirschstein

Der ältere Herr war zusammengesackt, lag an der Bushaltestelle am Boden. „Er war bläulich im Gesicht, Augen und Mund waren offen, man sah, dass er nicht mehr atmete“, erinnert sich Elisa Steuler an jenen Tag im Dezember 2016, an dem sie zur Lebensretterin wurde. Die Psychologiestudentin war auf dem Weg zum Mainzer Weihnachtsmarkt, als ihr an der Bushaltestelle am Höfchen der Mann auffiel. Sie zögerte nicht lange, begann die Wiederbelebung und hielt sie durch – obwohl Umstehende ihr ständig abrieten.

Martin Schwind rettete ein Leben.
Martin Schwind rettete ein Leben.
Foto: Gisela Kirschste

Steuler rettete dem 65 Jahre alten Mann mit ihrem beherzten Eingreifen das Leben. „Ich habe instinktiv reagiert und gar nicht so viel gedacht“, erzählt Steuler. Das Schwierigste sei gewesen, die Umstehenden mit ihren Bemerkungen zu ignorieren.

Elisa Steuler belebte einen Mann wieder.
Elisa Steuler belebte einen Mann wieder.
Foto: Gisela Kirschste

Für „den Mut, die Gleichgültigkeit und das Nichtstun zu überwinden und zu handeln“ ist Steuler am Dienstag mit dem Preis für Zivilcourage des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet worden. „Viele Menschen trauen sich eine so schnelle und professionelle Hilfe nicht zu“, sagte Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer bei der Preisverleihung. „Aber in so einem Moment ist nur eines falsch: Nichtstun.“

Steuler und sechs weitere Rheinland-Pfälzer wurden geehrt, weil sie halfen, statt wegzusehen. Zwei von ihnen sind Paul Kneiffel und Uwe Schneider aus Kaiserslautern. Sie halfen einer Frau vor ihrem Ex-Freund. Klaus Becker aus Pirmasens rettete drei Menschen an einem Tag: eine Frau bei einem Brand, seinen 74 Jahre alten Nachbarn, der bewusstlos im Auto saß, und eine Frau, die sich die Pulsadern aufgeschnitten hatte.

Till Völcker und Max Helf aus Kaiserslautern beobachteten, wie ein Mann beim Ausparken ein Auto beschädigte. Die Jugendlichen fotografierten Auto und Kennzeichen des Fliehenden, so konnte der Täter ermittelt und der Unfall aufgeklärt werden. „Unsere Jugendpreisträger sind auch in diesem Jahr wieder gute Vorbilder für viele Erwachsene“, sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD): „Ihr beide seid Helfer, die auch die nicht allein lassen, die in Not sind.“ Leider würden zu wenige Menschen aktiv, „wenn sie Zeugen einer Straftat oder eines Unglücks werden“, sagte Lewentz. Durch tatenloses Zusehen lasse man die Opfer nicht nur im Stich, in vielen Fällen schade man ihnen sogar.

Das erlebte auch Martin Schwind: Der Chirurg aus Mainz hatte den ganzen Tag im Operationssaal der Uniklinik gestanden, um 23 Uhr wollte er noch etwas am Mainzer Hauptbahnhof essen. In einem Schnellrestaurant wurde Schwind Zeuge eines heftigen Streites zwischen zwei Männern, „sogar von Abstechen war da die Rede“, berichtet er. Vor der Tür eskalierte die Situation, ein Mann ging zu Boden und lief blau an. Für Schwind war eine Schwelle überschritten. „Ich sagte dann so in den Raum, da muss was passieren – aber keiner sagte was.“

Schwind rannte vor die Tür, zog den Angreifer weg, sagte „Du bringst den ja um!“ Ja, er hatte „große Angst“, der Angreifer sei sehr aggressiv gewesen, berichtet der 50-Jährige. Doch das Bedürfnis zu helfen sei stärker gewesen. Der Angreifer hatte den am Boden liegenden Mann mit dessen Schal und Krawatte beinahe stranguliert. Nur mit Mühe gelang es Schwind, den Knoten zu lösen – als der Angreifer zurückkam. Zwei Männer, die in dem Moment auftauchten, holte sich der Arzt zu Hilfe – sie hielten den Täter fest. Am Ende wurde der mehrfach vorbestrafte Mann zu einer Haftstrafe verurteilt.

„Wir alle gestalten mit unserem Verhalten das Leben in unserer Gesellschaft“, sagte Lewentz zum Abschluss: „Wir sollten aufeinander achtgeben und uns darauf verlassen können, Hilfe zu bekommen, wenn wir sie benötigen.“

Von unserer Mitarbeiterin Gisela Kirschstein
Rheinland-Pfalz
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