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    Vermisstensuche per Facebook: Auch Weiterverbreiter sind der Wahrheit verpflichtet

    Zehntausende Facebook-Nutzer haben nach der vermissten 13-Jährigen Sabine S. (Name von der Redaktion geändert) gesucht. Aber dürfen Sie das überhaupt?

    Foto: Svenja Wolf (Grafik)

    Eine Vermisstenmeldung bei Facebook mobilisierte innerhalb kürzester Zeit mehrere zehntausend Internetnutzer. Sie alle verbreiteten die Nachricht von der verschwundenen 13-jährigen Sabine S. (Name von der Redaktion geändert), die aus Angst vor einem drohenden Heimaufenthalt von zu Hause ausriss.

    Medienrechtler Martin W. Huff.
    Medienrechtler Martin W. Huff.

    Mittlerweile ist sie wieder aufgetaucht, aber es stellt sich die Frage: Dürfen Internetnutzer einfach Suchmeldungen über Menschen im Internet verbreiten? Ein Interview mit Martin W. Huff, Medienrechtler aus Köln.

    Was ist zu beachten, wenn man eine Suchmeldung für eine Person auf Facebook veröffentlicht?

    Ich selbst kenne noch keine Grundsatzentscheidung zu dieser Thematik. Eine Suchmeldung ist allerdings immer erlaubt, wenn ein sachlicher Anhaltspunkt für das Verschwinden der Person vorliegt. Die Frage ist immer: woher kommt der Ansatz für eine solche Meldung? Bei einer Minderjährigen wie im Fall von Sabine geht so eine Suche nur in Absprache, beziehungsweise gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten. Bei einer volljährigen, vermissten Person hingegen kann jeder eine Suchmeldung veröffentlichen, der einen triftigen Grund hat. Ob das der Lebensgefährte, die beste Freundin, der Nachbar oder direkte Verwandte sind ist hierbei egal.

    Aber: Man darf solche Meldungen nur veröffentlichen, wenn die Person auch wirklich verschwunden ist. Nach Auffinden des Vermissten muss das Foto wieder aus dem Netz genommen werden – das gilt auch für die geteilte Meldung der mehreren zehntausend Facebook-Nutzer im Fall Sabine S.

    Wann werden die Persönlichkeitsrechte der gesuchten Person verletzt?

    Bei einer Suchmeldung muss wie gesagt sicher sein, dass die Person tatsächlich verschwunden ist. Der Weiterverbreiter einer solchen Nachricht muss vor der Veröffentlichung prüfen, ob die Ursprungsmeldung auch tatsächlich der Wahrheit entspricht. Grundsätzlich sollten Internetnutzer nie aus Spaß eine Vermisstenmeldung über jemanden ins Netz stellen, denn das kann teuer werden. Wenn die gesuchte Person absichtlich den Kontakt abgebrochen hat, wird so eine Suche auch schnell zu einer Art Stalking. Eine Persönlichkeitsrechtsverletzung dieser Art kann Schmerzensgeldforderungen ab 5000 Euro aufwärts nach sich ziehen.

    Wäre eine Facebook-Suche nach einer vermissten Person auch ein probates Mittel für die Polizei?

    Wenn die Polizei die Grundsätze der Öffentlichkeitsfahndung einhält, darf sie auch die sozialen Netzwerke für die Suche nach vermissten Personen verwenden. Die Polizeistationen in Hannover oder in Harburg haben beispielsweise Facebook-Profile und veröffentlichen darüber auch Suchmeldungen.

    Worin sehen Sie die Hauptunterschiede zwischen einer Facebook-Suchmeldung und einer Suche über Sendungen wie Aktenzeichen XY?

    Es gibt keine. Die Polizei prüft in beiden Situationen sehr genau, mit welchen Fällen sie auf Sendung oder ins Netz geht. Allerdings ist genau das auch der Hauptunterschied zwischen den Polizeiämtern und dem Privatmann, der jemanden sucht.

    Die Fragen stellt Christine Helmeke (Twitter: @RZ_Helmeke)

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