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Mainz

Vereiste Wege – mehr Patienten mit Knochenbrüchen

Unfallursache Schnee und Eis: Viele Kliniken in Rheinland-Pfalz müssen derzeit vermehrt Menschen behandeln, die sich bei Stürzen auf glatten Wegen etwas gebrochen haben. Das ergab eine Umfrage.

Mainz – Unfallursache Schnee und Eis: Viele Kliniken in Rheinland-Pfalz müssen derzeit vermehrt Menschen behandeln, die sich bei Stürzen auf glatten Wegen etwas gebrochen haben. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Die Notaufnahme des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder TRIER zählt etwa doppelt so viele Frakturen wie gewöhnlich. Viele glitten gerade beim Schneeschippen auf dem glatten Boden aus, sagt Markus Baacke, Oberarzt der Unfallchirurgie des Krankenhauses. Beim Versuch, den Sturz abzufangen, brächen sie sich häufig das Handgelenk.

Das winterliche Wetter stellt mancherorts auch die Fahrer der Rettungswagen vor Herausforderungen.

Schnee und Eis haben in KOBLENZ vermehrt zu folgenschweren Stürzen geführt. Immer mehr Menschen wurden zuletzt mit Frakturen ins Gemeinschaftsklinikum Kemperhof gebracht. "Allein durch Schnee und Glatteis haben wir seit dem Wochenende fünf Patienten mit Handgelenksbrüchen, zwei mit Schenkelhalsfrakturen sowie jeweils einen Patienten mit einem Ellenbogenbruch und einen mit Sprunggelenkbrüchen aufgenommen", sagt die Leiterin der Interdisziplinären Notfallambulanz, Karin Stahl.

In all diesen Fällen sei operiert worden. Die Ursachen für die Stürze seien vielfältig. Ein Problem zeigt sich jedoch besonders oft: "Häufig rutschen Patienten beispielsweise beim Schneeschippen aus, so dass wir vermehrt Brüche am Handgelenk behandeln", sagt Stahl.

Auch im Heilig-Geist-Hospital in BINGEN würden derzeit mehr Knochenbrüche behandelt als beispielsweise im Sommer, sagt der Chefarzt der Unfallchirurgie, Peter Brill. Genaue Zahlen könne er aber nicht nennen. "Am häufigsten verletzen sich die Menschen morgens auf dem Weg zur Arbeit." Viele Patienten kämen dabei mit einem Bruch des Sprunggelenks in die Notaufnahme. "Das passiert, wenn sie auf glattem Untergrund mit dem Fuß umknicken", erklärt Brill. Mit den Kapazitäten in der Ambulanz komme man aber gut zurecht. Nur gelegentlich müssten Patienten mit längeren Wartezeiten rechnen.

In der BG-Unfallklinik in LUDWIGSHAFEN werden täglich etwa fünf bis zehn Menschen versorgt, die sich Knochen gebrochen haben. Außergewöhnlich viele Fälle sind es zur Zeit aber nicht. "Das entspricht unserem normalen Patientenaufkommen um diese Jahreszeit", teilt eine Sprecherin mit. An Kapazitätsgrenzen komme die Klinik nicht, "da wir als Unfallklinik generell auf diese Unfälle vorbereitet sind."

Seit Schnee und Eis auf den Straßen liegen, zählen die Ärzte in der Notaufnahme des Brüderhospitals in TRIER dagegen etwa doppelt so viele Frakturen als gewöhnlich. "Normalerweise behandeln wir ein bis drei Brüche pro Tag", sagt der Oberarzt der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Baacke. Derzeit seien es bis zu sechs täglich. Auch hier seien besonders häufig das Hand- und Sprunggelenk betroffen.

Dass vermehrt ältere Menschen unter den Verletzten sind, kann Baacke nicht bestätigen: "Die älteren Herrschaften kennen meist ihre Gefährdung und schauen sich den Winter vom Fenster aus an." Auch er stellt fest, dass die Unfälle häufig den Jüngeren passieren, die beim Schneeschippen ausrutschen, sich abfangen wollen und die Hand brechen.

Probleme könne der Winter bereiten, wenn Ärzte dringend Dinge benötigten, die nicht lange im Krankenhaus gelagert werden könnten. So habe man vor zwei Wochen einen Mann nach einem Verkehrsunfall operiert. Der Taxifahrer mit den Blutkonserven sei aber im Verkehr stecken geblieben und verspätet im Krankenhaus eingetroffen. "Da wird man schon nervös", sagt Baacke. In diesem Fall sei aber alles gut gegangen, der Mann habe überlebt.

Rettungswagen, die auf vereisten Straßen hängenbleiben – dieses Problem gebe es bei den Johannitern nicht, sagt der Vorstand des Regionalverbandes Rheinhessen, Manfred Herholz. "Wenn die Feuerwehr fahren kann, wieso dann nicht auch die Rettungswagen?" Wichtig sei, die Rettungswagen so auszustatten, dass sie bei allen Wetterverhältnissen ihr Ziel erreichten. Alle Wagen der Johanniter seien deshalb mit teuren Schneeketten ausgerüstet. "Dafür muss man eben etwas tiefer in die Tasche greifen", sagt Herholz.

Außerdem würden Fahrer zu speziellen Fahrsicherheitstrainings geschickt, bei denen sie die veränderte Fahrdynamik bei Schnee und Eis kennenlernten. Während eines Einsatzes würde in Kauf genommen, dass die Fahrt über winterliche Straßen schon mal zehn Minuten länger dauern könne. Auch hier stehe die Sicherheit im Vordergrund, sagt Herholz. "Ich möchte keine Kamikaze am Steuer der Rettungswagen =haben."

Uwe Frohn ist Leiter des Rettungsdienstes beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Rheinland-Pfalz. Aus den rund 130 Rettungswachen des Landes habe er keine Meldungen bekommen, dass Rettungswagen aufgrund des Schnees auf den Straßen steckengeblieben seien. "Unser Hauptproblem ist aber nicht der Schnee, sondern das Blitzeis", sagt Frohn. Bei gefrierendem Regen blieben die meisten Fahrzeuge liegen und verstopften die Straßen. Auch für Rettungswagen gebe es dann oft kein Durchkommen mehr.

Nicht immer gelinge es, gemeinsam mit der Polizei eine Gasse zu schaffen, durch die der Rettungswagen den Unfallort erreiche. In diesem Fall hänge viel davon ab, wie gut sich ein Fahrer in der Gegend auskenne. "So kann er beispielsweise auf Landwirtschafts-Wege ausweichen, die parallel zur Bundesstraße verlaufen. Oder er benutzt Auffahrten für Baufahrzeuge, um den Stau zu umfahren", sagt Frohn.

Versperren auf der Autobahn Fahrzeuge den Weg zum Einsatzort, müssten die Rettungsassistenten schlimmstenfalls über die Gegenfahrbahn zu Hilfe kommen. Das sei allerdings eine "extreme Handlung", die nur im Ausnahmefall angewandt werden sollte, fügt Frohn hinzu.

Johanniter Regionalverband Rheinhessen

Gemeinschaftsklinikum Kemperhof

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