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    Totschlagsversuch im Besucherraum? Gewalttat in Diez brutaler als bisher bekannt

    War im Besucherraum des Diezer Gefängnisses nicht nur eine Vergewaltigung, sondern auch noch ein versuchter Totschlag möglich? Und dies unter den Augen der Beamten? Die Staatsanwaltschaft Koblenz dehnt die Ermittlungen gegen den zu lebenslanger Haft verurteilten Frauenmörder aus.

    Brutale Tat hinter den Mauern des Diezer Gefängnisses: Ein Mörder soll seine Frau erst vergewaltigt und dann geprügelt und auf sie eingestochen haben. Die Hintergründe der Tat sind weiter unklar.  Foto: Hans Georg Egenolf
    Brutale Tat hinter den Mauern des Diezer Gefängnisses: Ein Mörder soll seine Frau erst vergewaltigt und dann geprügelt und auf sie eingestochen haben. Die Hintergründe der Tat sind weiter unklar.
    Foto: Hans Georg Egenolf

    Denn nach der mutmaßlichen Vergewaltigung soll er seine Ehefrau gewürgt, geschlagen und ihre Kette vom Hals gerissen haben. Danach soll er ihr mit einem selbst gebastelten Stichwerkzeug auf Schläfe, Hals- und Brustbereich, Rücken sowie auf einen Arm eingestochen haben. Dies bewertet die Staatsanwaltschaft Koblenz als versuchten Totschlag, auch wenn „die Verletzungen zu keiner Zeit lebensbedrohlich waren“. Dem Vernehmen nach soll der Mann aber auch Todesdrohungen gegen die Frau ausgestoßen haben.

    Frau wollte sich trennen

    Dennoch sind nicht nur für die Ermittler weiter viele Fragen offen. Warum konnte sich der Mann offenbar in die kaum einsehbare Spielecke mit der Frau mehr als zwei Stunden zurückziehen, sie veranlassen, sich auf seinen Schoß zu setzen, um sie mit einem Einwegrasierer anzugreifen und zu vergewaltigen? Dass die Begegnung mit der Frau ohnehin hoch emotional und spannungsgeladen war, hätten die Verantwortlichen ahnen können. Denn die Rheinland-Pfälzerin, die den Frauenmörder erst im September 2016 geheiratet hatte, wollte sich von dem Mann wegen einer Romanze mit einem anderen Häftling wieder trennen. „Die Modalitäten“, so die Staatsanwaltschaft, wollte sie am 2. November besprechen, als sie mit ihren fünf und sieben Jahre alten Kindern nach Diez kam.

    War es dennoch für die Beamten völlig unvorhersehbar, dass der Mann auch nach zehn Jahren hinter Gittern noch äußerst aggressiv werden kann? Aus der Akte musste bekannt sein, dass er 2007 in Pirmasens vor einer Bäckerei so sehr auf eine Verkäuferin (22) eingestochen hatte, dass sie verblutete. Auch diese junge Frau hatte sich von dem bereits einschlägig vorbestraften Mann trennen wollen. Wegen der schweren Tat wurde er zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Außerdem soll der neue Freund des jetzigen Opfers von Diez in eine andere Haftanstalt verlegt worden sein, weil ihn der Ehemann attackiert hatte. Bei dieser Vorgeschichte dürften die Diezer Gefängnisbeamten auch gefragt werden, wer wann was wusste.

    Zudem will die Staatsanwaltschaft klären, wie und von wem das Stichwerkzeug und der Kopf eines Einwegrasierers in den Raum geschmuggelt wurden. Besucher gehen laut Ministerium wie am Flughafen durch eine Schleuse. Häftlinge müssen sich vor Betreten des Raums umziehen und würden danach auch noch einmal kontrolliert. Bei der Suche nach der Sicherheitslücke prüft die Staatsanwaltschaft, ob sich auch Dritte strafbar gemacht haben könnten.

    Das Justizministerium hat nach seiner ersten Kontrolle im Diezer Gefängnis verfügt, dass die uneinsehbare, weil mit Regalen abgetrennte Spielecke bis zur endgültigen Umgestaltung gesperrt ist. Und es müssen jetzt immer zwei Beamte ununterbrochen die Szenerie im Besucherraum genau im Auge behalten. Mitgehört wird nur, wenn dies im Einzelfall geboten sei. Zur Tatzeit war möglicherweise nur ein Beamter im Raum, um mindestens zehn Menschen zu beobachten. Nach der alten Regel gab es eine Besucherschicht von drei Beamten: Einer war im Raum, einer kontrollierte Häftlinge und Besucher, der dritte „wechselte je nach Bedarf“ zwischen Aufsicht und Kontrolle.

    Wie geht es nun weiter? Was droht einem zu lebenslanger Haft verurteilten Mann noch? Wird er verurteilt, verlängert sich die Haft, ehe er in die Sicherungsverwahrung wechseln darf. Am Donnerstag beschäftigt sich auf CDU-Antrag auch der Rechtsausschuss des Landtags mit dem Fall.

    Immer wieder Sicherheitslücken

    Das Diezer Gefängnis warf zuletzt immer wieder Sicherheitsfragen auf: Im Juni 2016 konnte ein Frauenmörder bei einem begleiteten Ausgang allein in den Limburger Dom spazieren und von dort mit 500 Euro in der Tasche unbemerkt türmen. Damals hieß es, das Gericht habe nach 15 Jahren Haft auf Lockerungen gedrängt. Der Flüchtige wurde nach Monaten in Belgien gefasst und kam zurück nach Diez. Im Dezember 2016 klagte die Limburger Staatsanwaltschaft zwei Beamte der JVA Wittlich und einen Diezer Beschäftigten wegen fahrlässiger Tötung an. Hintergrund: Ein Diezer Häftling konnte 2015 im offenen Vollzug ohne Führerschein in ein unversichertes Auto steigen. Damit sollte eine tödliche Geisterfahrt beginnen, bei der eine Frau (21) starb.

    Von unserer Chefreporterin Ursula Samary

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