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Tonnenschwerer AKW-Generator reist vom Rhein nach Ägypten

Mülheim-Kärlich – Schritt für Schritt wird das Atomkraftwerk (AKW) Mülheim-Kärlich zurückgebaut. Am Donnerstag sind drei Großkomponenten über den Rhein abtransportiert worden. Dabei handelt es sich um die Bestandteile des Generators, genauer: den Stator, also den zylinderförmigen feststehenden Teil, und die beiden beweglichen Läufer. Für den spektakulären Schwertransport musste zeitweise eine Kreisstraße gesperrt werden. Nach kurzen Verzögerungen im Zeitablauf ging am Ende alles glatt.

Mülheim-Kärlich – Schritt für Schritt wird das Atomkraftwerk (AKW) Mülheim-Kärlich zurückgebaut. Am Donnerstag sind drei Großkomponenten über den Rhein abtransportiert worden. Dabei handelt es sich um die Bestandteile des Generators, genauer: den Stator, also den zylinderförmigen feststehenden Teil, und die beiden beweglichen Läufer.

Die drei Teile sind jeweils 21 Meter lang. Der Stator wiegt 425 Tonnen, die Läufer je 250 Tonnen. Radioaktiv sind die Komponenten nicht, sie haben zum Sekundärkreislauf des AKW in Mülheim-Kärlich gehört. Sorgfältig verpackt werden sie zunächst ins niederländische Eemshaven und später nach Nordägypten verschifft. Dort wird die gesamte Turbogruppe, bestehend aus dem Generator und zwei Turbinen, die bereits im vergangenen August abtransportiert wurden, in einem Gas- und Dampfkraftwerk wieder aufgebaut.

„Der genaue Standort steht noch nicht fest“, sagt Thomas Eiben. Er ist Projektleiter bei der Frankfurter Firma 3Y Logistic, die sich auf die Verlagerung ganzer Fabriken spezialisiert hat. Vom Energiekonzern RWE, dem das Kernkraftwerk in Mülheim-Kärlich gehört, hat sie den Auftrag für den kompletten Rückbau des Maschinenhauses erhalten. Den genauen Preis möchte Eiben nicht nennen, spricht aber von einem zweistelligen Millionenbetrag und ergänzt: „Der Transport heute kostet uns um die 210 000 Euro.“

Und er ist entsprechend aufwendig, wie Thomas Briefs von der Firma Rolf Riedl aus Hagen erläutert. Ihn hat Eiben mit der Logistik beauftragt: Die Läufer werden auf zwei zwölfachsigen Sattelfahrzeugen zunächst auf dem kurzen Landweg über die Kreisstraße 44 zum nahe dem Kraftwerk gelegenen Nato-Anleger am Rhein überführt. Der Stator kommt auf einem Selbstfahrer hinterher. „Das geht nur sehr langsam, dafür müssen wir die Straße kurz sperren“, sagt Briefs. Vom Anleger geht es dann auf ein niederländisches Pontonschiff, dass die schwere Fracht nach Eemshaven bringt.

Briefs Leute – 14 sind an diesem Tag im Einsatz – stehen aber erst einmal vor einem ganz anderen Problem: Für den Übergang vom Nato-Anleger zum Schiff muss eine Rampe aus schweren Metallplatten verlegt werden. Der Kran, der das erledigen soll, soll seitlich über eine Wiese an das Schiff heranfahren – würde aber im nach dem Frost der vergangenen Wochen aufgeweichten Boden immer wieder einsinken. Eine zweite Rampe für den Kran muss her. Ein Mini-Bagger verlegt schmale Stahlplatten. Das Konstrukt hält. Die Aktion bringt aber den Zeitplan durcheinander: Zwar rollt der Stator pünktlich gegen 13.30 Uhr über die K 44. Da sollten die beiden Läufer längst auf dem Schiff sein. Insgesamt beginnt das Beladen rund drei Stunden später als geplant.

Und schon beim ersten Läufer taucht das nächste Hindernis auf: Langsam, Millimeter für Millimeter, rollt das Sattelfahrzeug den Nato-Anleger hinab, doch kaum ist es an der Metallrampe angekommen, springt eine der Platten aus der Verankerung. Weiterfahrt unmöglich. Die Männer versuchen zunächst, den Schlepper mit einer zweiten Zugmaschine wieder den Anleger hinaufzuziehen. Die Lösung ist schließlich ganz einfach: Einer der niederländischen Schiffleute greift zum Vorschlaghammer – und bringt die Platte mit zwei, drei Schlägen wieder an ihren Platz. Dann geht es recht zügig. Um kurz nach 19 Uhr ist auch der Stator verladen – und Briefs froh, dass alles doch noch so gut geklappt hat: „Die Probleme mit dem Boden heute Morgen haben uns etwas in Verzug gebracht, aber sonst bin ich sehr zufrieden“, sagt er am Ende eines Arbeitstages, der für ihn und sein Team um 5 Uhr in der Früh begonnen hatte.

Als letzte Großkomponente wird übrigens im Frühjahr 2012 ein Speisewasserbehälter das AKW Mülheim-Kärlich in Richtung Ägypten verlassen. Er ist 38 Meter lang – und sein Abtransport, meint Eiben, wird wohl ähnlich spektakulär wie der des Generators.

Von unserer Redakteurin Angela Kauer

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