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    Terrorprozess um Opec-Anschlag und andere Attentate hat begonnen

    Frankfurt/Frankenthal - Dutzende Sympathisanten klatschten und jubelten minutenlang, als am Freitag die beiden über 70-jährigen Angeklagten in den Sitzungssaal des Frankfurter Landgerichts geführt wurden: Hier begann ein Prozess um Terroranschläge einer links-militanten Gruppe in den 1970ern: Anschläge auf Fabriken in Nürnberg und dem pfälzischen Frankenthal, aber auch das blutige Attentat auf die Opec-Konferenz 1975 in Wien, bei dem drei Menschen starben.

    Anschlag auf OPEC-Konferenz in Wien 1975
    Bei dem Anschlag waren drei Menschen ums Leben gekommen.
    Foto: dpa/Archiv

    Frankfurt/Main - Knapp vier Jahrzehnte nach dem tödlichen Terroranschlag auf die Opec-Konferenz in Wien rollt das Frankfurter Landgericht die Geschehnisse noch einmal auf. Auf der Anklagebank sitzt seit Freitag eine mutmaßliche ehemalige Terroristin der Revolutionären Zellen (RZ). Die Anklage wirft der 79 Jahre alten Sonja Suder dreifachen Mord und einen versuchten Mord vor.

    Bei dem Überfall auf die Konferenz der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) in Wien 1975 waren Dutzende Menschen als Geiseln genommen und nach Algerien entführt worden, darunter mehrere Ölminister. Drei Menschen wurden getötet.

    Dafür ist Suder nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft mitverantwortlich, obwohl sie in Wien gar nicht dabei gewesen sei. Sie habe sich vorher im Frankfurter Stadtwald mit dem Terroristen Hans-Joachim Klein getroffen und Waffen für Carlos beschafft, den Chef des Terrorkommandos. Die Geiselnahme ist strafrechtlich mittlerweile verjährt, ebenso die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

    Außerdem müssen sich Suder und ihr Gefährte Christian Gauger (71) wegen diverser Sprengstoffanschläge in den 1970er Jahren in Nürnberg, Frankenthal bei Ludwigshafen und Heidelberg verantworten. Als die beiden Angeklagten am Freitag den Gerichtssaal betraten, klatschten Sympathisanten, darunter viele junge, minutenlang Beifall. Suder und Gauger winkten ihnen lächelnd zu.

    Am ersten Prozesstag wurde lediglich die Anwesenheit der Beteiligten festgestellt, zur Verlesung der Anklage kam es noch nicht. Die Verhandlung begann mit umfangreichen Befangenheitsanträgen der Verteidigung gegen das Gericht. Über die Anträge entscheidet eine andere Kammer des Gerichts, der nächste Verhandlungstag ist für den 2. Oktober vorgesehen.

    Suder soll Klein rekrutiert haben, der später in seinem eigenen Prozess als Kronzeuge gegen sie aussagte und 2001 wegen des Opec-Anschlags zu neun Jahren Haft verurteilt wurde. Gauger soll für Anschläge auf Fabriken und das Heidelberger Schloss verantwortlich sein. In den Jahren 1975 bis 1978 entstand dabei erheblicher Sachschaden. Mit dem Opec-Attentat hat der schwer kranke Gauger laut Anklage nichts zu tun.

    Die Verteidigung warf dem Gericht vor, nicht ausreichend geprüft zu haben, ob die Aussagen von Zeugen, auf die sich die Anklage stützt, überhaupt verwertbar sind. So sei einer der Zeugen, der bei einem Attentatsversuch Augen und Beine verlor, bei der Vernehmung 1978 traumatisiert gewesen. Der wegen des Opec-Anschlags verurteilte Hans-Joachim Klein, auf dessen Aussage sich die Anklage im Wesentlichen stützt, sei unglaubwürdig.

    Gemeinsam mit Gauger war Suder im September vergangenen Jahres von Frankreich den deutschen Justizbehörden übergeben worden. Der gesundheitlich beeinträchtigte Gauger kam zunächst in ein Gefängniskrankenhaus in Kassel und ist derzeit nicht inhaftiert, Suder wurde in Frankfurt in Untersuchungshaft genommen. Sie ist laut Justizministerium die derzeit älteste Untersuchungsgefangene in Hessen.

    Die Schwurgerichtskammer verhandelt wegen des gesundheitlich angeschlagenen Gauger nur höchstens drei Stunden pro Tag. Der Prozess wird sich deshalb erheblich in die Länge ziehen - schon jetzt hat das Gericht 39 Fortsetzungstermine bis zum 26. März nächsten Jahres angesetzt.

    Hintergrund: Der Terror der Revolutionären Zellen
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