40.000
Aus unserem Archiv
Rheinland-Pfalz

Studie zu äußeren Werten: Was Respekt vor Polizisten schafft

Das äußere Erscheinungsbild von Polizisten beeinflusst das Einsatzrisiko der Beamten. Auf diese kurze Formel lässt sich eine zweijährige Studie zusammenfassen, die die Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz vorgelegt hat. Eine 20-köpfige Arbeitsgruppe, zu der Vertreter von Polizeipräsidien ebenso gehörten wie Mitglieder der Polizeigewerkschaft, befasste sich mit möglichen Auswirkungen von Tätowierungen, Piercings sowie Uniformen von Polizeibeamten im Einsatz und deren Wirkung auf die Bürger.

Dürfen Polizeibeamte tätowiert sein? Eine bundesweit einmalige Studie gibt aufschlussreiche Erkenntnisse dazu. Illustration: Svenja Wolf
Dürfen Polizeibeamte tätowiert sein? Eine bundesweit einmalige Studie gibt aufschlussreiche Erkenntnisse dazu. Illustration: Svenja Wolf
Foto: picture alliance

Wie bewerten Bürger Polizisten mit Tätowierungen und Piercings?

Weniger freundlich, weniger vertrauenswürdig, weniger kompetent und weniger sympathisch, sagt die Studie. Tätowierte Polizisten erscheinen allerdings durchsetzungsfähiger und bedrohlicher – und das sogar unabhängig davon, ob die Personen, die einem tätowierten Polizisten gegenüberstehen, selbst tätowiert sind. Bei der Bekanntgabe der Untersuchungsergebnisse in der Hochschule der Polizei auf dem Flughafen Hahn wurde wiederholt betont, dass die ersten 7 Sekunden in einem Einsatz entscheidend für die Wirkung von Polizeibeamten auf die Bürger sind, wie der Leitende Polizeidirektor Friedel Durben erläuterte.

Aber ist denn das Gesetz, das Polizeibeamten Piercings und sichtbare Tätowierungen am Körper untersagt, noch zeitgemäß?

Wie die Studie belegt, geht es genau darum nicht. Auch wenn es sich bei tätowierten Personen längst nicht mehr um Straftäter oder Matrosen handelt und der Zeitgeist Körperschmuck als Zeichen einer Individualisierung der jeweiligen Person mittlerweile salonfähig werden ließ: Das Unterbewusstsein spielt jedem Bürger einen Streich bei der Beurteilung von Ordnungshütern. Wird die Uniform schlampig getragen oder sticht am Unterarm ein Tattoo ins Auge, zeigt das Wirkung beim Gegenüber.

Umfrage
Die Polizei und die Tattoos

Sollten Polizisten Tattoos und Piercings tragen dürfen?

Ja, wie jeder andere Bürger/in auch
23%
209 Stimmen
Ja, wenn es dezent ist
19%
173 Stimmen
Nein, jedenfalls nicht sichtbar
51%
466 Stimmen
Ist mir total egal
7%
62 Stimmen

Warum reagieren auch tolerante Personen, die möglicherweise sogar selbst tätowiert oder gepierct sind, negativ auf ein nicht konformes Erscheinungsbild von Polizisten?

„Die Uniform soll die Funktion eines Polizisten darstellen. Die Person, die in der Uniform steckt, tritt dahinter zurück. Bürger haben eine bestimmte Erwartung an die Uniformträger, losgelöst von der jeweiligen Person“, erläutert Friedel Durben. „Hinzu kommt, dass wir nur logisch denken, wenn wir entspannt sind“, ergänzt Psychologin Christine Telser, die ebenfalls an der Studie beteiligt war. Will heißen: Über eine Tätowierung oder eine nicht korrekte Uniform sehen Bürger nur hinweg, wenn sie Zeit haben, über solche Dinge nachzudenken. Eine Polizeipräsenz schließe aber genau das aus: „Menschen stehen unter Stress, wenn sie Polizeibeamten gegenüberstehen. Da werden unbewusste Automatismen aktiviert, von denen wir uns nicht freimachen können“, stellt Telser fest. Es mache es auch keinen Unterschied, ob die in der Studie befragten Personen jung oder alt sind und welche Schulbildung sie haben. Im Schnitt waren die Probanden der Studie 30,6 Jahre alt, 41 Prozent von ihnen hatten Abitur.

Wie negativ wirkt sich eine schlampig getragene Uniform im Einsatz aus?

Hängt Polizeibeamten das Hemd aus der Hose oder sitzt die Schutzweste schief, kann dies laut Studie dazu führen, dass dem Beamten nur halb so viel Respekt gezollt wird wie einem korrekt gekleideten Polizisten. Auch die zugedachte Kompetenz sinke in erheblichem Maße. Raphael Schäfer, an der Studie beteiligter Polizeibeamter, schlussfolgert: „Wir als Organisation müssen mit diesem Effekt umgehen und können nicht sagen, Tätowieren ist in der Gesellschaft angekommen.“

Der Dienstherr kann also Tendenzen zur Liberalisierung von modischen Entwicklungen wie Tätowierung und Piercing einfach ignorieren? Was passiert, wenn ein Polizeibeamter sein Recht auf Individualisierung einklagt?

In Rheinland-Pfalz dürfen Polizeibeamte zwar Körperschmuck tragen, aber Piercings müssen im Einsatz abgelegt werden und Tätowierungen unsichtbar unter der Uniform bleiben. Es hat schon Klagen dagegen gegeben. Doch Richter haben bislang keine klare Orientierung, an der sie Entscheidungen festmachen können. Die rheinland-pfälzische Hochschule der Polizei auf dem Hahn/Hunsrück ist die erste bundesweit, die das Spannungsfeld zwischen privat Erlaubtem und dienstlich Verbotenem untersuchen ließ. „Die Studie stellt den Gerichten das zur Verfügung, was sie gebraucht haben. Unsere Rolle war, diese Problematik zu erforschen. Die Ergebnisse, die in dieser Intensität nicht vorauszusehen waren, bieten eine gute Grundlage für eine Neuregelung“, sagt Friedel Durben. Dem Innenministerium in Mainz liegen die Ergebnisse bereits vor, und im Juli findet eine Besprechung der Behördenleiter statt. „Wir werden zu einer Entscheidung gelangen“, kündigt Friedel Durben an. Thomas Torkler

Rheinland-Pfalz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Das Wetter in der Region
Donnerstag

°C - °C
Donnerstag

°C - °C
Donnerstag

°C - °C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!