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    Rheinland-PfalzStrohballenbrände geben der Polizei Rätsel auf: Täter handeln völlig willkürlich

    Strohballenbrände halten die Feuerwehren in der Region seit Wochen in Atem. Allein in der Nacht zu Montag brennen binnen weniger Stunden mehrere Hundert Strohballen an vier Orten in der Verbandsgemeinde Brohltal (Kreis Ahrweiler). Die Polizei steht vor einem Rätsel.

    Von unserer Reporterin Sabrina Rödder

    Neben Wassenach und Oberdürenbach werden die Einsatzkräfte nach Weiler sowie an die L 82 zwischen Niederzissen und Wehr gerufen. Und auch bei Kretz (Kreis Mayen-Koblenz) stehen in der gleichen Nacht 100 Ballen in Flammen. Stefan Linder, Kriminalhauptkommissar der Kripo Mayen, sagt, dass die Taten auf pure Willkür hindeuten. Die Kripo Mayen arbeitet mit den Polizeiinspektionen der anderen Rheinseite zusammen. Denn auch im Kreis Neuwied hatte es Mitte September mehrere Brände gegeben.

    Und die Landwirte? Die sind mindestens genauso besorgt - sowohl die betroffenen als auch jene, die es noch treffen könnte. Denn ein klares Motiv ist nicht zu erkennen. Landwirt Heinz Schaefer aus Birresdorf (Kreis Ahrweiler) gehört zu den betroffenen Landwirten: "Menschen, die Lebensmittel oder Geld stehlen, machen das, weil sie arm sind. Aber wieso zünden Menschen Strohballen an?" In seinem Fall waren es 450 Ballen samt Vlies, das zur Abdeckung diente, die vor einigen Wochen einem Feuerteufel zum Opfer fielen. Schaden: 20.000 Euro.

    Und das ist nur der materielle. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Ahrweiler, Franz-Josef Schäfer, weiß, dass der immaterielle Schaden viel schlimmer ist: Die Angst, dass die Täter erneut zuschlagen könnten, wird immer bleiben, sagt er. Hinzu kommt die Angst, dass sich Täter nicht nur "ein paar Ballen" vornehmen. "Wenn ein Lebewesen, zum Beispiel eine Kuh, eingeht, ist das natürlich noch schlimmer." Wäre es in der Nacht, in der sich bei Heinz Schaefer der Vorfall ereignete, nicht windstill gewesen, hätte es schrecklicher enden können. Seine Reithalle, in der sich mal 25, mal 35 Pferde befinden, steht nur 180 Meter von dem Feld entfernt, auf dem es brannte.

    Wenn sie ihr Stroh durch ein Feuer verlieren, kommen Bauern an allerlei Ersatzware heran. Das erklärt Tobias Fuchs, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Mayen-Koblenz: "Ob Weizen- oder Gerstenstroh, fein oder grob gehäckselt, kurz oder lang - Stroh wird deutschlandweit, ja sogar europaweit, gehandelt." Schaefer konnte über befreundete Landwirte an einige Strohballen kommen. Schwierig war es aber, die passende Größe der Strohhalme zu finden. Denn für seine Erdbeerfelder kann er nicht jede Art verwenden.

    Neben dem Anbau von Sonderkulturen verwenden Landwirte Stroh als Einstreu in Pferde-, Rinder- oder Mastställen. Ein Pferdestall beispielsweise wird jeden Tag neu eingestreut, da geht also viel Stroh drauf, sagt Schäfer. Für ein 25 Hektar großes Erdbeerfeld zum Beispiel, das in etwa einer Größe von 35 Fußballfeldern entspricht, braucht ein Landwirt bis zu 1000 Strohballen pro Jahr. Das Stroh dient zwischen den Pflanzen als Schutz gegen Nässe. Stroh ist übrigens ein Nebenprodukt der Getreideproduktion, demnach etwas ganz anderes als Heu, also getrocknetes Gras, erklärt Schäfer.

    Sowohl die beiden Kreisbauernverbandsvorsitzenden als auch Heinz Schaefer sagen, dass Bauern wenig tun können, um sich vor Brandstiftern zu schützen. Schaefers Söhne fahren sporadisch Patrouille. Doch Verbandsvorsitzender Schäfer sagt: "Eine Bürgerwehr, die jede Nacht durch die Felder fährt? Das ist nichts Realistisches!" Eine Idee sei es, sagen alle drei, die Strohmieten, also die Ansammlung an Ballen, kleinzuhalten und kein großes Lager anzuhäufen. Zudem könnten Ballen dort deponiert werden, wo sie nicht auf den ersten Blick von mutmaßlichen Brandstiftern entdeckt werden. Doch eine Halle oder Scheune ausschließlich für Stroh zu bauen, sei viel zu teuer. "Außerdem lagern die Ballen dort, wo sie gebraucht werden: auf dem Feld", sagt Schäfer. Und falls doch mal etwas passiert, sind Landwirte dann versichert? "Die meisten Betriebe sind feuerversichert und bekommen den Schaden ersetzt."

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