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Rheinland-Pfalz

Spätlandungen: Laute Klagen über nächtlichen Fluglärm

Gisela Kirschstein

Die hohe Zahl an verspäteten Landungen nach 23 Uhr am Frankfurter Flughafen beschäftigt nun auch den Mainzer Landtag. „Wir können das auch als Rheinland-Pfälzer nicht weiter tolerieren“, sagte der SPD-Abgeordnete Benedikt Oster nach der Tagung des Verkehrsausschusses unserer Zeitung: „Die Zahlen müssen runtergehen, wir haben Angst, dass das ausufert.“ Nach 23 Uhr dürfen Flugzeuge in Frankfurt eigentlich nur in Ausnahmefällen landen. Im Mai kam es mit 185 Verspätungslandungen dennoch zu einem neuen Höchststand.

Eine Boeing 767-300 ist am 22.05.2015 beim Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen zu sehen.
Eine Boeing 767-300 ist am 22.05.2015 beim Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen zu sehen.
Foto: dpa

Betroffen ist davon besonders die Landeshauptstadt Mainz, aber auch das rheinhessische Umland. Es sei für die Bewohner „nicht nachvollziehbar, dass das Nachtflugverbot fast jede Nacht ausgehöhlt wird“, schimpfte jüngst der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Die Nerven lägen bei vielen Menschen blank.

„Es ist dramatisch, was sich im Moment abspielt“, kritisiert auch der Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe (SPD), Vorsitzender der Fluglärmkommission am Frankfurter Flughafen. „Das ist die längste Ostwetterperiode, die ich seit dem Jahr 2000 erlebt habe.“ Zu diesem für die Anwohner ungünstigen Einfluss komme die „unfassbar hohe Zahl an verspäteten Flügen“ zwischen 23 Uhr und Mitternacht. „Das ist nicht mehr die Mediation, die eine Nachtruhe von 23 Uhr bis 5 Uhr in Aussicht gestellt hat“, schimpft Jühe.

Die Mediation zum Ausbau des Frankfurter Flughafens im Jahr 2011 hatte einen bislang einmaligen Kompromiss zwischen dem Wirtschaftsstreben des Flughafens und dem Bedürfnis der Anwohner nach Ruhe hervorgebracht. Frankfurt wurde der erste bundesdeutsche Großflughafen mit einem absoluten Nachtflugverbot, lediglich Flieger mit unvorhersehbaren Schwierigkeiten, etwa ausgelöst durch Wetterereignisse, sollten spät landen dürfen. Doch seit sich der Flughafenbetreiber Fraport für Billigflieger öffnete, häufen sich die nächtlichen Verspätungen. Dabei fällt vor allem die irische Fluglinie Ryanair auf, deren Maschinen bis zu 70 Prozent der Verspätungslandungen ausmachen.

Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) wirft Ryanair inzwischen vor, seine Flugpläne bewusst so eng zu gestalten, dass Verspätungen in Kauf genommen werden – und hat deshalb mehr als 40 Verspätungen dem Regierungspräsidium Darmstadt zur Prüfung vorgelegt. Ryanair drohen bis zu 50.000 Euro Bußgeld pro Verspätung.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Benedikt Oster zu den verspäteten Landungen nach 23 Uhr am Frankfurter Flughafen
Der SPD-Landtagsabgeordnete Benedikt Oster zu den verspäteten Landungen nach 23 Uhr am Frankfurter Flughafen
Foto: David Ditzer

Jühe forderte am Dienstag weitergehende Maßnahmen: „Wir brauchen eine Höchstgrenze pro Nacht.“ Ausnahmen müssten Ausnahmen bleiben, das dürften „nicht mehr als zwei oder drei Flieger pro Stunde sein“, sagte er. Gegebenenfalls müsse die Betriebsgenehmigung angepasst werden. Wenn fehlende Luftraumkapazitäten eine Rolle spielten, müsse die Deutsche Flugsicherung (DFS) eben die Zahl der abzuwickelnden Flugbewegungen begrenzen. OB Ebling fordert, den Passus im Planfeststellungsbeschluss zu ändern, nach dem im Jahresschnitt 7,5 Verspätungslandungen pro Tag erlaubt sind. Es gebe „zu viele Schlupflöcher, die offensichtlich gezielt ausgenutzt werden.“

Auch Oster fordert von der SPD-geführten Landesregierung, „den Finger mehr in die Wunde zu legen“. Die Regierung müsse jetzt „explizit wegen der zu spät kommenden Flieger mit Hessen ins Gespräch gehen und das monieren“, betonte er. Ein Druckmittel könne sein, die Landegebühren zwischen 22 und 23 Uhr „dramatisch hochzufahren“, sagte Oster.

Von unserer Mitarbeiterin Gisela Kirschstein

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