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    Sozialkritik mit Opernmusik: "Ring"-Pläne in Ludwigshafen

    Dem Ludwigshafener Theater im Pfalzbau fehlen noch knapp 200 000 Euro, um in drei Jahren zum 200. Geburtstag des Komponisten Richard Wagner (1813-1883) alle vier Teile des «Rings» komplett aufführen zu können. «Die Einzelproduktionen und Aufführungen der vier Opern mit der Premiere von "Das Rheingold" am 5. November 2010 sind jedoch finanziert,» sagte Intendant Hansgünther Heyme am Dienstagabend der dpa nach einer Benefizveranstaltung. Vor knapp 200 Besuchern erklärte Heyme, er wolle das Projekt nutzen, um die Opernmusik in die «Gegenwart zu transformieren» und die «Hoffnungslosigkeit vieler junger Menschen thematisieren.

    Hansgünther Heyme (Intendant)
    Es fehlen noch Gelder, um alle vier Teile des «Rings» komplett aufführen zu können sagte Hansgünther Heyme. (Archivbild)

    Ludwigshafen - Mit Riesling und Brezeln auf Sponsorensuche: Bei einer Benefizveranstaltung unter dem Motto "Der Ring der Ermöglicher" ist das Ludwigshafener Pfalzbau-Theater am Dienstagabend auf Sponsorensuche für die geplanten Aufführungen des vierteiligen Opernzyklus "Der Ring der Nibelungen" gegangen.

    Die rund 200 ausschließlich älteren Besucher der Veranstaltung erwartete im Theatersaal des Pfalzbaus eine sechzigminütige Mischung aus schulischer Musikstunde und einer künstlerisch-politischen Aufklärungs-Veranstaltung, weshalb der "Ring" in Kooperation mit dem Theater Halle überhaupt in Ludwigshafen aufgeführt werden soll. Dazu hatten sich neben dem Intendanten und Regisseur Hansgünther Heyme auch die Musiker der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und ihr Chefdirigent Karl-Heinz Steffens eingefunden. Wie viel an Spenden zusammenkam, war am Abend noch unklar.

    Neben dem Rheingold-Vorspiel wurden unter anderem auch der Trauermarsch aus der "Götterdämmerung" und der berühmte Walküren-Ritt gespielt. Premiere der ersten Ring-Oper "Das Rheingold" wird am 5. November 2010 in Ludwigshafen sein. Der 75-jährige Heyme erklärte, er wolle als Regisseur das Gemeinschaftsprojekt mit dem Theater Halle und der Staatsphilharmonie nutzen, um die 16-stündige Opernmusik Wagners auf der Bühne radikal in die "Gegenwart zu transformieren". Dabei will er auch bewusst sozialkritisch die "Hoffnungslosigkeit von vielen jungen Menschen und ihre Angst" sowie "die Zerstörung der Natur durch das Böse" thematisieren.

    Wie er dabei zu Werke gehen will, verriet der an anderen Wirkungsstätten als streitbar hervorgetretene Intendant nicht. Er wolle jedoch bewusst auf soziale Probleme der deutschen Gesellschaft am Beispiel der beiden Aufführungsorte aufmerksam machen, in denen ihn die "Perspektivlosigkeit vieler Menschen" regelmäßig erschüttere. Aus diesem Grund möchte Heyme mehrere Tausend Schüler und Lehrer gewinnen, die sich mit dem Opernstoff in vorbereitenden Veranstaltungen und Projekten beschäftigen. In diesem Zusammenhang entsteht gerade in Halle und Ludwigshafen ein von Abschlussklassen aller Schultypen gestalteter "Vorhang der Hoffnung", auf dem Zukunftsbotschaften dargestellt werden sollen. Die Vorhänge sollen dann bei den Opernaufführungen teilweise als Bühnenbild dienen.

    Das Opern-Projekt war in den vergangenen Monaten in der Ludwigshafener Kommunalpolitik vor allem wegen der Finanzierung in die Kritik geraten. SPD-Stadträtin Eleonore Hefner bezweifelte "verwundert", dass die Inszenierung aus "Prestigegründen" für Ludwigshafen unverzichtbar sei und ob die Wagner-Opern überhaupt ein Mittel gegen sinkende Zuschauerzahlen im Theater darstellten. "Zur verabredeten "Zukunftsvision" der Metropolregion und der vereinbarten Zusammenarbeit passt sie nicht. Mannheim hat eine ausgewiesene, traditionsreiche Wagnerbühne und auch die entsprechenden Mittel", hatte die Politikerin im Februar gesagt. Das Nationaltheater in der rechtsrheinischen Nachbarstadt Mannheim in Baden-Württemberg ist neben Bayreuth seit Jahrzehnten einer der renommiertesten deutschen "Ring"-Aufführungsorte. Der Zyklus soll dort ebenfalls neu inszeniert werden.

    Auf Nachfrage sagte Heyme, dass noch knapp 200 000 Euro fehlen, damit im Jahr 2013 alle vier Teile des "Rings" komplett hintereinander aufgeführt werden können. Das Gesamtbudget würde dann etwa 2,5 Millionen Euro betragen. "Die Einzelproduktionen und Aufführungen der vier Opern in Ludwigshafen und Halle zwischen 2010 und 2013 sind jedoch finanziert," erklärte Heyme weiter. Er bezifferte zusätzliche Kosten für geplante Veranstaltungen mit Schülern und sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen auf bis zu 100 000 Euro. "In den nächsten Tagen entscheidet die Stiftung für Kultur Rheinland-Pfalz über einen Zuschuss-Antrag. Vielleicht ist dann alles finanziert. Ich versuche zurzeit ebenso an Toto-Lotto- Gelder heranzukommen", sagte der Künstler. Die Stadt Ludwigshafen als Träger des Theaters hatte vor kurzem bei der Stiftung 40.000 Euro für ein "Ring"-Rahmenprogramm beantragt. (Internet - www.theater-im-pfalzbau.de/)

    Von Christian Jung

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