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    Situationsbericht aus dem Rhein-Lahn-Kreis: Brückensperrung bremst Pendler abrupt aus

    Kilometerlange Staus und stundenlange Wartezeiten waren nach der Vollsperrung der Schiersteiner Brücke im Berufsverkehr die Folge - und ein rasches Ende der Misere ist nicht in Sicht. Berufspendler aus dem Rhein-Lahn-Kreis - auch solche aus dem Politikbetrieb - müssen sich nun auf die Situation einstellen. So erging es ihnen am Tag 1 des Brückengaus.

    Foto: dpa

    Von unseren Redakteuren

    "Damit war zu rechnen - wenn auch nicht konkret zu diesem Zeitpunkt", sagt Carsten Göller, Mitarbeiter im Mainzer Innen- und Infrastrukturministerium, Vorsitzender SPD-Kreistagsfraktion in Bad Ems und Ortsbürgermeister von Eschbach: Nicht umsonst werde ja nebendran schon eine neue Brücke gebaut.

    Er hat am Mittwoch satte drei Stunden für den Weg zur Abreit gebraucht, dabei wollte er "clever sein" und war daher über Wiesbaden-Erbenheim gefahren. Allerdings steckte er dann in der verstopften Wiesbadener und Mainzer Innenstadt. "Ich habe einen Termin versäumt, doch außer Mike Weiland haben es alle anderen auch nicht rechtzeitig geschafft. Hätten wir die Mittelrheinbrücke, könnten wir uns über die A 61 reinschleichen", meint Göller. Sich in Mainz einzuquartieren, kommt für ihn nicht infrage, eventuell wird er auf die Bahn umsteigen. Dass die Züge zu voll würden, befürchtet er nicht, es stünden durch die Fährverbindung ja beide Rheinschienen zur Verfügung.

    Auch Göllers Dienstherr, Innenminister Roger Lewentz, der aus dem Rhein-Lahn-Kreis nach Mainz pendelt, war am Mittwochmorgen vom Verkehrschaos betroffen. Da er aber frühzeitig von der Sperrung erfahren hatte, war er mit seinem Team auch früher als gewöhnlich aufgebrochen und auf die A 61 ausgewichen. Von da aus fand sein Fahrer um und in Mainz geeignete Schleichwege, sodass er nur mit etwa 30 Minuten Verspätung im Ministerium in der Landeshauptstadt ankam.

    Bereits am Dienstagabend hatte Mike Weiland, Lewentz' persönlicher Referent im Ministerium und Kreisvorsitzender der SPD, die Nachricht von der Brückensperrung gehört. Nach dem Motto "Der frühe Vogel ..." war er am Mittwoch schon um 5 Uhr aufgestanden und hatte folgende Route gewählt: Bäderstraße, A 66, A 671 über Mainz-Kastel und Theodor-Heuss-Brücke in die Mainzer Innenstadt zum Ministerium. Erst in der Innenstadt hat er zähen Verkehr erlebt. Als Pendler sei er ohnehin Kummer gewohnt, weil sich der Verkehr zu den Stoßzeiten am Ende der Bäderstraße meist staut. Den ÖPNV über die Rheinschiene hält Weiland für ungeeignet: Umsteigen in Wiesbaden ist nötig, daher wird bei Verspätungen oft der Anschluss verpasst. Bei ungewöhnlichen Arbeitszeiten sei es ohnehin kaum möglich, mit der Bahn zu pendeln, bei geregelter Tagesarbeitszeit vielleicht eher. Sollte die Sperrung über Tage oder sogar Wochen andauern, werden die Probleme voraussichtlich heftiger, schätzt er.

    Der Landtagsabgeordnete Matthias Lammert (CDU) war am Mittwoch schon früh in Mainz. "Es herrscht völliges Chaos auf den Straßen", klagt er. Beim Rückweg in Richtung Diez hat die Fahrt zur Heuss-Brücke - sonst eine Angelegenheit von fünf Minuten - rund 40 Minuten gedauert. "Auf der A 3 ist der Verkehr bis zum Wiesbadener Kreuz flott gelaufen, dann hat man aber Stunden für die Weiterfahrt gebraucht", schildert er die Lage. Für die Schiersteiner Brücke sollte nach Lammerts Auffassung eine kurzfristige Lösung, eventuell eine Behelfsbrücke, aufgestellt werden, um den Engpass ein wenig zu entschärfen.

    MdL Jörg Denninghoff (SPD) aus der Verbandsgemeinde Katzenelnbogen hatte Glück: Weil er bereits am Dienstag eine Ausschusssitzung in Mainz hatte und mittwochs dort eine Fraktionssitzung anstand, beschloss er, in Mainz zu übernachten. Dadurch entging er zufällig dem Verkehrschaos. Während er also keine Probleme hatte, pünktlich im Landtag zu erscheinen, seien viele andere zu spät gekommen, berichtete er. Gleichzeitig überlegte er am Mittwoch natürlich, wie er demnächst pendeln sollte, um möglichst schnell nach Mainz zu kommen: "Das ist eine gute Frage - vielleicht fahre ich in den kommenden Wochen bei Idstein auf die A 3 und benutze dann die andere Brücke", lautet Denninghoffs Idee.

    Einen fast schon dramatischen Vormittag erlebte dafür eine seiner Vorzimmerdamen. Heike Schwindt aus Burgschwalbach im Rhein-Lahn-Kreis arbeitet im Bürgerbüro von Denninghoff in Katzenelnbogen. Sie drückte dort ihrem Sohn Daniel die Daumen. Er musste pünktlich um 10 Uhr in Bingen sein, um dort an der FH eine wichtige Klausur zu schreiben. Normal ist die Schiersteiner Brücke die schnellste Verbindung für ihn. "Wir haben seit dem frühen Morgen alle Möglichkeiten ausgelotet, als wir hörten, was los ist", berichtete Heike Schwindt. Videotext, alle Medien, die über die Brückensperrung berichteten, nutzten sie, um sich über die aktuelle Verkehrssituation zu informieren. "Wir hatten schon überlegt, dass er die Fähre nehmen könnte, aber dann hörten wir, dass die auch heillos überlastet ist", so die Mutter. Um Viertel vor zehn riss der Kontakt zu ihrem Sohn ab. Heike Schwindt wusste nicht, ob er es irgendwie noch pünktlich geschafft hat. "Im schlimmsten Fall muss er ein halbes Jahr länger studieren, wenn er nicht pünktlich zu dieser Klausur angetreten ist", erklärt sie zu den Folgen, die das Verkehrschaos für ihren Sohn haben könnte.

    "Ich bin froh, dass ich heute nicht in Mainz sein muss", betont der Diezer Stadtbürgermeister Frank Dobra. Er bangt mit den vielen Pendlern aus der Diezer Region, die zur Landeshauptstadt unterwegs sind. "Das ist eine bitterböse Geschichte", erklärt Franz Klöckner, Bürgermeister der VG Diez. Ein Umsteigen auf die Bahn ist aus seiner Sicht nicht für alle Pendler machbar.

    Hubert Stubenrauch, stellvertretender Referatsleiter im Innenministerium aus Bad Ems, fährt generell mit dem Zug nach Mainz und ist von den Problemen daher nicht betroffen. Um die frühe Uhrzeit, zu der er unterwegs ist, hat er am Mittwoch kein verstärktes Fahrgastaufkommen festgestellt.

    Für Pendler, die mit dem Auto fahren, wird frühes Aufstehen wohl vorerst die Devise sein, da die Brücke voraussichtlich noch länger gesperrt bleibt. Wie lange genau, wird erst kommende Woche feststehen. Möglichst früh unterwegs sein, will am Freitag auch Innenstaatssekretär Günter Kern aus Weisel. Am Mittwoch war der Ex-Landrat noch zur üblichen Zeit gestartet, setzte in Kaub mit der Fähre über und gelangte auf der linken Rheinseite dank seiner Ortskenntnis auf Ausweichrouten relativ zügig nach Mainz. Ob es in Bezug auf den ÖPNV in Richtung Mainz noch Optimierungsmöglichkeiten gibt, müsse man prüfen, so Kern, allerdings sei zumindest der Rheinland-Pfalz-Takt bereits ausreichend ausgebaut worden.

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