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    Schwimmunterricht: Heftiger Streit um Burkini im Landtag

    Das umstrittene Faltblatt zur Integration muslimischer Kinder an rheinland-pfälzischen Schulen sorgt erneut für Wirbel im Landtag. Vor allem der Passus zum Schwimmunterricht ist strittig. Denn die Handreichung toleriert das Tragen eines Burkinis, eines geschlossenen Schwimmanzugs, um muslimischen Mädchen streng konservativer Eltern das Mitmachen zu ermöglichen. CDU-Landeschefin Julia Klöckner sieht darin den Ausdruck eines überkommenen Frauenbilds. Sie prägte den Begriff „Schwimmburka“. Die Regierung sprach von einer pragmatischen, flexiblen Lösung.

    Schülerin in Burkini
    Eine muslimische Schülerin sitzt in einem Ganzkörper-Badeanzug (Burkini) am Rande eines Schwimmbeckens.
    Foto: Rolf Haid/Archiv - dpa

    Dabei halten Regierungskoalition und CDU ein fundamentalistisches Religionsverständnis für problematisch. Die gerade überarbeitete rheinland-pfälzische Handreichung für die Schulen ist unter Mitwirkung der katholischen und der evangelischen Kirche, jüdischer sowie islamischer Organisationen konzipiert worden. Eine Empfehlung des Bundesinnenministeriums aus dem Jahr 2009 unter dem damaligen Ressortchef Wolfgang Schäuble (CDU) ging inhaltlich in eine ähnliche Richtung.

    Stoßrichtung beider Papiere ist es, muslimischen Mädchen möglichst uneingeschränkt die Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) betonte im Landtag, dass die Grundrechte Gleichberechtigung und Religionsfreiheit gleichermaßen zu beachten sind. Beide Rechte haben Verfassungsrang, daher gehe es um eine kluge Balance.

    Klöckner erklärte hingegen: „Wenn wir uns diesen Wünschen von teilweise fundamentalistischen Eltern fügen, dann zementieren wir eine Geschlechterungerechtigkeit, die wir längst überwunden haben sollten.“ Es könne nicht sein, dass „der Bruder in der Badehose, die Schwester nur völlig bedeckt ins Schwimmbad gehen darf“. Klöckner will Lehrern den Rücken stärken, die angeblich von muslimischen Eltern zunehmend unter Druck gesetzt würden. Immerhin wurde die Möglichkeit, dass muslimische Mädchen von einem älteren Bruder auf einer Klassenfahrt begleitet werden, in der neuen Handreichung gestrichen. Auch das forderte die CDU.

    Hubig (SPD) findet den Burkini hilfreich, sollte er religiös begründete Bedenken gegen eine Teilnahme am Schwimmunterricht entkräften. „Warum die CDU immer darauf drängt, dass die Mädchen im Bikini zum Schwimmunterricht gehen müssen, habe ich bis heute nicht verstanden“, sagte sie. Ex-Konrektorin Giorgina Kazungu-Haß (SPD) erinnerte daran, dass es auch für andere Religionen Sonderrechte gebe – etwa für evangelische Freikirchen. Die Sozialdemokratin hielt Klöckner vor: „Wir führen wiederholt eine Burka-Debatte. Dieses Mal in den Schulen.“

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

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