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Rheinland-Pfalz

Schwierige Auswahl von Geschäften für Jahrmärkte

Autoscooter, Kettenkarussell oder lieber Geisterbahn? Noch bevor Kinder vor dieser schwierigen Wahl stehen, müssen die Veranstalter von Jahrmärkten eine Entscheidung treffen. Denn nicht für alle Schausteller ist auf dem Festgelände Platz. Ein Streitthema.

Schwierige Auswahl von Geschäften für Jahrmärkte
Blick von der Michaelskapelle auf den Wurstmarkt mit einem Riesenrad. Auf dem größten Weinfest der Welt, gibt es etwa 250 bis 300 Plätze für Schausteller und Händler. Dem stehen etwa 1000 Bewerbungen gegenüber.
Foto: dpa

Rheinland-Pfalz – Autoscooter, Kettenkarussell oder lieber Geisterbahn? Noch bevor Kinder vor dieser schwierigen Wahl stehen, müssen die Veranstalter von Jahrmärkten eine Entscheidung treffen. Denn nicht für alle Schausteller ist auf dem Festgelände Platz. Ein Streitthema.

Ob sie nun Kirmes, Kerwe oder Jahrmarkt heißen: Volksfeste locken überall in Rheinland- Pfalz mit Leckereien, Lichtern und jeder Menge Spaß tausende Menschen an. Dabei geht dem lustigen Getümmel bisweilen ein erbitterter Kampf zwischen den Schaustellern um die Teilnahme voraus, denn oft ist nicht für jeden Platz auf dem Festgelände, wie eine dpa-Umfrage ergab. Die Veranstalter müssen auch darauf achten, den Besuchern ein ausgewogenes Programm zu bieten. Da dürfen neben Schießbuden oder Autoscootern auch Wurstbuden oder Bier- und Weinstände nicht fehlen. Der Streit um die Genehmigung von Geschäften landete zuletzt gleich in mehreren Fällen im Land vor Gericht.

In BAD KREUZNACH versuchten fünf Schausteller, sich einen Platz auf dem Jahrmarkt juristisch zu erkämpfen. Dabei ging es um zwei Autoscooter, einen sogenannten Breakdancer und weitere Fahrgeschäfte. Ihre Eilanträge auf Zulassung wurden jedoch allesamt vom Verwaltungsgericht Koblenz abgelehnt. Die Richter verwiesen darauf, dass die Platzkapazität des Jahrmarkts erschöpft sei. Verbliebene Bedenken gegen die Vergabeentscheidungen würden im Klageverfahren abschließend zu klären sein, erklärte das Gericht. Der viertägige Jahrmarkt beginnt jedoch bereits am 20. August.

Bis zu 1200 Bewerbungen für einen Platz auf dem Volksfest gehen jedes Jahr ein, doch nur rund 200 Schausteller werden dafür engagiert, berichtet Karl-Heinz Gilsdorf von der Stadtverwaltung Bad Kreuznach. Er organisiert seit zehn Jahren den Jahrmarkt mit. Jedes Jahr kommen etwa eine halbe Million Besucher. Attraktionen müssten "bewährt oder neu" sein, sagt Gilsdorf. "Wir fahren das ganze Jahr auf Märkten rum, schauen uns in Zeitschriften Neuheiten an."

Große Attraktionen gingen jedoch immer eher an Freizeitparks. Eine Wildwasserbahn etwa wie in früheren Jahren "kriegen wir nicht mehr", sagt Gilsdorf. "Die steht jetzt in einem Park." Wegen der steigenden Benzin- und Personalkosten überlegten viele Schausteller, ob sich eine Tour mit ihren Fahrgeschäften überhaupt noch lohne.

Aus Sicherheitsgründen habe die Stadt einen Kinder-Autoscooter abgelehnt. "Die Art von Fahrgeschäft lassen wir nicht zu", sagt Gilsdorf. Zu stark seien die Erschütterungen, denen Kinder darin ausgesetzt seien. Vorsichtig geworden sei man auch mit Box-Kämpfen oder Steilwänden, an denen Motorradfahrer entlang rauschten. Solche riskanten Angebote gebe es nur noch alle paar Jahre.

Auch das Winzerfest in ALZEY kann sich vor Schaustellern kaum retten. "Wir könnten bestimmt vier oder fünf Winzerfeste mit dem ausstatten, was wir an Bewerbungen bekommen", sagt Steffen Ferdinand von der Stadtverwaltung. Meist trudelten schon wenige Tage nach dem Fest erste Anträge für das kommende Jahr ein. "Da gibt es gewisse Fahrgeschäfte, wie wir alle zwei Jahre haben", berichtet er. Das Winzerfest beginnt immer am dritten Freitag im September.

Welche Spielgeschäfte, Süßwarenbuden oder Fahrbetriebe in Alzey ihre Stände aufstellen dürfen, entscheidet ein städtischer Ausschuss. Wichtig sei eine bunte Mischung unter den bis zu acht großen Fahrgeschäften, sagt Ferdinand, eine "Bimmelbahn für die Kleinen", "Adrenalingeschäfte" für Teenager oder ruhige Angebote wie das Riesenrad für ältere Besucher. Zudem zähle die Optik, etwa "viel Liebe fürs Detail". Wegen der vielen Wettbewerber müsse er viele Anträge ablehnen. Geklagt habe deswegen bislang niemand. "Aber das gibt es in anderen Städten immer wieder", berichtet Ferdinand.

Nicht alle Kommunen beziehen jedoch zu diesem Thema Stellung. Die Sprecher von INGELHEIM äußern sich lieber nicht zur dpa-Umfrage.

Auf dem Wurstmarkt in BAD DÜRKHEIM, dem nach Veranstalterangaben größten Weinfest der Welt, gibt es etwa 250 bis 300 Plätze für Schausteller und Händler. Dem stehen rund 1000 Bewerbungen gegenüber, wie Wurstmarktmeister Roland Poh sagt. Wer letztlich den Zuschlag bekommt, legt ein Ausschuss der Stadt fest. "Mit das entscheidende Vergabekriterium ist die Attraktivität des Geschäfts", sagt Poh. Gute Chancen habe auch, wer sich bereits auf dem Fest bewährt hat.

Daneben müsse man auf die Ausgewogenheit achten. Und dabei vor allem berücksichtigen, ob es genügend Angebote für Familien gibt, sagt der Wurstmarktmeister. Manches sei für Bad Dürkheim Pflicht. "Wir können zum Beispiel nicht sagen, es gibt diesmal kein Riesenrad oder keine Geisterbahn." Geklagt habe noch kein abgewiesener Bewerber, sagt Poh. Manche hätten aber schon damit gedroht. 2009 kamen rund 630 000 Besucher zu dem Volksfest. Dieses Jahr öffnet der Wurstmarkt vom 10. bis 14. und vom 17. bis 20. September seine Tore.

Die Stadt PIRMASENS schreibt die Jahrmärkte laut einer Sprecherin in den Fachzeitschriften "Komet" und "Kirmes Revue" aus. Für den Maimarkt und den Grenadiermarkt gingen im Schnitt 150 Bewerbungen ein, pro Markt könnten aber nur 40 Schausteller zum Zug kommen. Für den Krämermarkt gingen für 100 Plätze etwa 300 Bewerbungen ein. Bei der Auswahl der Beschicker gelte das Credo "bekannt und bewährt", so dass etwa drei Viertel "Stammbeschicker" seien. "Die restlichen 25 Prozent werden nach Bedarf ausgewählt", erklärt die Sprecherin.

In NEUWIED ist der Andrang der Schausteller für einen Platz auf der Heddesdorfer Pfingstkirmes meistens groß. Bis zu 400 Bewerbungen gehen schon mal bei der Stadtverwaltung ein. Dabei könnten in jedem Jahr nur etwa 75 den Zuschlag für das Volksfest im Juni erhalten, sagt eine Sprecherin. Grundsätzlich werden die Schausteller nach drei Kriterien ausgewählt: Attraktivität des Angebots, Mischverhältnis der Geschäfte und Zuverlässigkeit des Betreibers.

Die Sprecherin ergänzt aber: "Das ist eine Aufgabe, für die man viel Fingerspitzengefühl braucht." Betriebe, die in der Stadt angemeldet seien und dort ihre Gewerbesteuer entrichteten, würden etwa bei gleichartigen Angeboten bevorzugt. Zudem gelte: "Große außergewöhnliche Attraktionen wie etwa eine Achterbahn nehmen wir in der Regel nicht zwei Jahren nacheinander."

Von den rund 150 Bewerbungen für den Betrieb von Fahrgeschäften müssten "mitunter bis zu 90 Prozent" abgelehnt werden, hieß es. Das sei eine erstaunliche Zahl – zumal es bei kleineren Jahrmärkten mit nur wenigen Buden viel schwerer sei, solche Betriebe zu akquirieren. Monate vor dem großen Volksfest stehe hingegen die Auswahl fest.

Streitigkeiten um die Aufstellung von bestimmten Fahrgeschäften sind für die Stadt TRIER kein Thema. Die Kommune teilte mit, sie vergebe derartige Kirmes-Veranstaltungen stets per öffentlich- rechtlicher Verträge an Schaustellunternehmen, die dann die Platzvergaben vornähmen. Beschwerden von nicht berücksichtigten Schaustellern seien nicht bekannt, hieß es.

In MAINZ gibt es nach Stadtangaben deutlich mehr Anträge der Schausteller als vorhandene Plätze auf den Jahrmärkten. Deswegen werden aus den Bewerbungen die attraktivsten Fahrgeschäfte ausgewählt. Dabei spiele auch die Zuverlässigkeit der Betreiber eine Rolle. Zwar müssten sich die Schausteller jedes Jahr erneut um die Teilnahme bewerben, etwa 80 Prozent von ihnen würden aber nach ihrer letzten Teilnahme im Folgejahr wieder zugelassen, teilte die Stadt mit.

Doch auch hier gibt es manchmal Ärger: Trotz des Versuches, Einigungen mit den Schaustellern zu finden, würden einige Fälle vom Stadtrechtsausschuss behandelt, hieß es.

Von Tobias Goerke

- Jahrmärkte in Rheinland-Pfalz ( http://dpaq.de/yvx0Y)

- Bad Kreuznach ( www.stadt-bad-kreuznach.de)

- Bad Kreuznacher Jahrmarkt ( www.nix-wie-enunner.de)

- Alzeyer Winzerfest ( http://dpaq.de/VcAcd)

- Stadt Trier ( www.trier.de)

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