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Altenkirchen

Schwarzfahrer muss ins Gefängnis

Das Maß war voll: Ein 23-jähriger Mann hatte so viel auf dem Kerbholz, dass er nun für eine Kleinigkeit ins Gefängnis muss.

Altenkirchen – Das Maß war voll: Ein 23-jähriger Mann aus dem Unterkreis hatte so viel auf dem Kerbholz, dass er nun für eine Kleinigkeit ins Gefängnis muss.

Ein Schaden von gerade einmal 12,40 Euro hat einen 23-jährigen Mann aus dem südlichen Kreisgebiet für drei Monate ins Gefängnis gebracht. Der mehrfach vorbestrafte Mann war im vergangenen Jahr zweimal beim Schwarzfahren mit der Bahn erwischt worden. Auf der Strecke von Au nach Köln hatte er zwar jeweils ein Ticket dabei, dieses jedoch nicht entwertet, weil der Automat angeblich kaputt war. Diese vermeintliche Lappalie und ein unmögliches Benehmen vor Gericht waren nun die Tropfen, die das Fass zum Überlaufen brachten. Richter Johannes Denter räumte dem Mann keine Bewährungschance mehr ein, weil der 23-Jährige nicht bereit sei, sich an irgendwelche Regeln zu halten.

Der Auftritt des jungen Mannes vor dem Amtsgericht könnte als Musterbeispiel für jeden dienen, der unbedingt ins Gefängnis möchte. Der 23-Jährige betonte mehrfach, dass er das gesamte Verfahren lächerlich finde, fiel jedem Zeugen gnadenlos ins Wort und redete die Beteiligten ständig mit "Du" an. Seine Arbeitsstelle in Köln hatte er angeblich aufgrund der Strafanzeige verloren. Wovon er jetzt lebt, wollte er jedoch nicht sagen. Die entsprechende Nachfrage des Richters beantwortete er mit den Worten: "Das ist unwichtig."

In den vergangenen neun Jahren war er immer wieder mit der Justiz in Konflikt geraten. Sein Vorstrafenregister umfasst unter anderem Diebstahl, Körperverletzung und Beihilfe zum Drogenhandel. Aufgrund seines aggressiven Auftretens konnte sich der Zugbegleiter noch genau an den Schwarzfahrer erinnern, obwohl der Fall bereits ein Jahr zurückliegt.

Michael Seibert von der Koblenzer Staatsanwaltschaft forderte drei Monate Haft auf Bewährung für den Mann. Zudem solle er 80 Stunden soziale Arbeit leisten. "Dafür habe ich keine Zeit", meinte der 23-Jährige trocken. "Ich muss andere Dinge regeln." Zu seiner Verteidigung wollte er hingegen nichts ausführen. "Das interessiert hier ja eh keinen."

Das Urteil des Richters – drei Monate Haft ohne Bewährung – nahm der Angeklagte schließlich mit den Händen in den Hosentaschen zur Kenntnis und kommentierte es sogleich mit respektlosen Schimpfworten. Dafür kassierte er obendrein ein Ordnungsgeld von 300 Euro. Wenn er diesen Betrag nicht zahlt, muss er zusätzliche sechs Tage in Haft verbringen. "In dieser Zeit stellt er schon mal nichts an", meinte der Richter.

Thorsten Ferdinand

Rheinland-Pfalz
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