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    Mainz/Wiesbaden

    Schiersteiner Brücke kaputt: Chaos total

    Es war das pure Chaos am Mittwochmorgen in Mainz. Bis zu zwei Stunden standen Autofahrer in der Mainzer Innenstadt, Stoßstange an Stoßstange. Auch für den Donnerstag erwartet die Polizei noch starke Verkehrsbehinderungen.

    dpa
    dpa

    Von unserer Mitarbeiterin Gisela Kirschstein

    Der Grund: Die Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden wurde völlig überraschend in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch für den Verkehr komplett gesperrt.

    Ein Brückenlager war in der Nacht herausgebrochen, die Brücke selbst hatte sich um circa 30 Zentimeter gesenkt. Damit fiel die wichtigste Autobahnverbindung zwischen den beiden Landeshauptstädten buchstäblich über Nacht weg. Das Ergebnis: Verkehrschaos pur. Kilometerlang staute sich der Verkehr, Busse hatten bis zu einer Stunde Verspätung, Tausende Kinder kamen zu spät zur Schule, Pendler zu spät zur Arbeit. Wer auf Heimarbeit ausweichen konnte, hatte Glück, wer das Fahrrad nehmen konnte, auch.

    Und es sieht nicht nach einer schnellen Entspannung der Lage aus: Die Schiersteiner Brücke wird bis Anfang kommender Woche gesperrt bleiben - mindestens. "Ich kann Ihnen nicht sagen, wie lange das dauern wird", sagte der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD), "Tage bestimmt." Er war am Mittag zu einer Besichtigung vor Ort.

    InfrastrukturministerRoger Lewentz (SPD)
    InfrastrukturministerRoger Lewentz (SPD)
    Foto: dpa

    Betroffen ist ein Teil der alten Schiersteiner Brücke auf Mainzer Seite. Technisch gesehen, handelt es sich dabei nicht um die Brücke selbst, sondern um die Rampe zur Brücke. Direkt neben einer kleinen Fußgänger-Wendeltreppe klafft nun ein sehr langer Riss, beide Kanten sind zueinander verschoben - es sieht dramatisch aus.

    Entsprechend lang waren die Gesichter des Ministers und seiner Experten vom Landesbetrieb für Mobilität (LBM). "Man hörte, wie das Lager raussprang", sagte der zuständige Geschäftsführer beim LBM, Bernd Hölzgen. Um 22 Uhr in der Nacht war es passiert: Eine Bodenplatte, auf der einer der Brückenpfeiler ruht, sackte im Boden ab, der Pfeiler bekam Schieflage, dadurch sprang das Kugellager, auf dem die Brücke ruhte, von ihrem Platz und fiel zu Boden.

    In der Nacht entstanden: Ein Riss in der Brücke. Foto: Gisela Kirschstein/mainz&
    In der Nacht entstanden: Ein Riss in der Brücke.
    Foto: Gisela Kirschstein/mainz&

    Weil die Brücke 30 Zentimeter absackte, wurde sie sofort gesperrt. "Eine Gefahr für Leib und Leben war nicht auszuschließen", sagte Hölzgen. Das Ärgerliche dabei: Genau diese Pfeiler unter der Brücke sollten gerade verstärkt werden, um zusätzlichen Verkehr aufnehmen zu können. Seit Jahren bröckelt der Beton an dem Brückenbauwerk, und so wurde 2013 mit dem Bau einer komplett neuen Brücke begonnen. Die wird gerade neben der alten Brücke gebaut, ein Teil der alten Brücke sollte für eine gewisse Zeit den Verkehr tragen - und genau dieser Teil ist nun betroffen.

    Dichter Verkehr auf der Theodor-Heuss-Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden: Da eine der drei Verbindungen über den Rhein zwischen Wiesbaden und Mainz, die Schiersteiner Brücke, für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt worden ist, erhöht sich das Verkehrsaufkommen auf den übrigen beiden Brücken. Foto: Fredrik von Erichsen dpa 
    Dichter Verkehr auf der Theodor-Heuss-Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden: Da eine der drei Verbindungen über den Rhein zwischen Wiesbaden und Mainz, die Schiersteiner Brücke, für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt worden ist, erhöht sich das Verkehrsaufkommen auf den übrigen beiden Brücken.
    Foto: Fredrik von Erichsen dpa 

    Nun ist guter Rat teuer, denn über die Schiersteiner Brücke rollen jeden Tag 90.000 Autos. Spielt die alte Brücke nicht mit, droht ein Verkehrschaos auf Dauer - mit einem Rückstau im gesamten Rhein-Main-Gebiet. "Wir versuchen, relativ kurzfristig Verbesserungen zu erreichen", sagte Lewenz: "Wir werden alles, was sich anbietet, versuchen." Dazu gehört in erster Linie der Bahnverkehr. Lewentz appellierte eindringlich an alle Pendler, das Auto stehen zu lassen und auf die Bahn auszuweichen. Man sei in Gesprächen mit den Zweckverbänden Schienennahverkehr, auch mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) werde natürlich geredet. Doch die Taktungen sind bereits hoch, zusätzliche Züge schwierig zu realisieren.

    Weil zusätzliche Wagen ohnehin nicht ausreichen werden, richten sich die Augen der Verkehrsplaner nun sogar auf die Rheinfähren. Die Fähre zwischen Ingelheim und Oestrich-Winkel im Rheingau könne möglicherweise durch eine zweite Fähre verstärkt werden, sagte Lewentz, eventuell sogar eine dritte Fähre von Linz am Rhein kommen. Schnell würde das allerdings nicht gehen, "die fährt ja nicht mit Tempo 100 den Rhein hinauf", sagte Lewentz.

    "Das Innenministerium hat heute schon dreimal angerufen", sagte der Betreiber der Ingelheimer Fähre, Michael Maul, unserer Zeitung: "Die sind in Panik." Maul bescherte die Brücke das Dreifache des üblichen Aufkommens, "wir fahren mit voller Kraft", versicherte er. Trotzdem bildeten sich am Mittwochmorgen Schlangen mit Wartezeiten von bis zu einer Stunde. Was die Ersatzfähre aus Rüdesheim angehe - just am Mittwoch habe sich ein Schiff in der Fahrrinne des Rheins festgefahren, berichtete Maul. "Der liegt genau in unserer Spur." In Mainz schalten sie nun die Ampeln an den Stadteingängen so, dass nur so viele Autos in die Innenstadt gelassen werden, wie auch wieder rausfahren - auch das ist ein Staugarant.

    Und so hoffen sie im Mainzer Innenministerium, dass die Schiersteiner Brücke baldmöglichst wenigstens zum Teil wieder genutzt werden kann. "Die Statiker rechnen noch", sagte Lewentz, die Daten müssten erst ausgewertet werden. Derweil schoss sich die CDU-Opposition bereits auf die Landesregierung ein. Und dann sagte Lewentz noch diesen äußerst bemerkenswerten Satz: "Wir werden uns möglicherweise an dieser Stelle häufiger treffen ..."

    Der Zustand der Schiersteiner Brücke hatte auch in der TV-Sitzung der Mombacher Bohnebeitel seinen Platz. Sänger Nick Benjamin beschrieb treffend die Sorgen mit dem Bauwerk. Einen Ausschnitt gibt es hier.  

    Infografik:

    [Update] Auch für den Donnerstag fordert die Sperrung der Brücke von den Berufspendlern Geduld, denn es drohen wieder starke Verkehrsbehinderungen.

    Wie der SWR meldet, waren die Ausweichstrecken, die zwischen Mainz und Wiesbaden über den Rhein führen, schon am frühen Donnerstagmorgen wieder gut gefüllt; auf der Mainzer Theodor-Heuss-Brücke staute sich in Fahrtrichtung Wiesbaden früh der Verkehr. Die Lage sei kurz vor der Stoßzeit zwar noch relativ ruhig, aber eine der Rheinbrücken beginne bereits zuzulaufen, sagte eine Mainzer Polizeisprecherin gegen 6.30 Uhr.

    Die Polizei geht für den Tagesverlauf wieder von schweren Verkehrsbehinderungen aus: "Chaos natürlich", fasste ein Sprecher in Wiesbaden seine Erwartungen zusammen. Ob der Verkehrskollaps ein Ausmaß wie am ersten Tag der Vollsperrung erreichen wird, kann auch die Polizei noch nicht wirklich einschätzen.

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