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Rheinland-Pfalz

Scharping: Tal total muss autofrei bleiben

Zurück in die Zukunft, so lautet angesichts der Diskussion um Tal total die Empfehlung von Rudolf Scharping, der als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident vor 22 Jahren "Erfinder" der Großveranstaltung war. Der heutige Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer rät im Gespräch mit unserer Zeitung dazu, sich wieder mehr auf die einzigartige Kulturlandschaft der traditionellen Strecke zu besinnen, Familien stärker in den Fokus zu rücken, bundesweit für Tal total zu werben und sich dafür auch Partner zu suchen.

Rudolf Scharping kann sich Tal total mit Autos nicht vorstellen.
Rudolf Scharping kann sich Tal total mit Autos nicht vorstellen.
Foto: dpa

Die Fragen stellte Michael Stoll:

Was war vor 22 Jahren Ihre Motivation, Tal total an den Start zu bringen?

Zum einen war da der Umweltgedanke, denn für einen Tag werden ja links und rechts des Rheins Autos aus dem Tal verbannt. Entscheidend aber war die Wirtschafts- und Tourismusförderung. Immerhin kamen bei schönem Wetter mehr als 400 000 Menschen ins Mittelrheintal.

Können Sie sich vorstellen, dass Tal total ohne autofreie Bundesstraßen funktioniert, dass der Reiz für viele Besucher dann noch erhalten bleibt?

Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Und ich glaube auch nicht, dass dann noch Tausende an den Rhein kommen werden. Ich hoffe, dass es beim autofreien Tal total bleibt. Alles andere wäre ein großer Verlust für die Fremdenverkehrswerbung, für alle Beteiligten und ein Rückschlag für das Radfahren als Freizeitsport.

Am Mittelrhein wird zurzeit heftig darüber diskutiert, die Veranstaltung an etlichen Punkten entlang der Strecke mit vielerlei Aktionen aufzupeppen. Die vorhandenen Radwege und das Engagement von Kommunen sollten stärker als die autofreien Bundesstraßen zum Tragen kommen ...

Das ist doch prima, zusätzliche Aktionen können das ursprüngliche Konzept natürlich bereichern. Darüber sollte man sich in der Tat Gedanken machen. Aber diese zusätzlichen Elemente tragen meiner Meinung nach nur dann, wenn die Bundesstraßen autofrei bleiben.

Und was halten Sie von einer Ausweitung nach Norden, also bis nach Remagen beziehungsweise Unkel?

Wenn ich Veranstalter wäre, würde ich mir das sehr genau überlegen. Ich fürchte, dass auf einer Strecke von mehr als 100 Kilometern eher eine Verwässerung des Konzepts stattfindet. Der Rheinabschnitt zwischen Bingen und Koblenz beziehungsweise zwischen Rüdesheim und Lahnstein ist ein einzigartig schönes Stück Kulturlandschaft. Mit und vor dieser Kulisse ist Tal total zu einer erfolgreichen Marke geworden. Wenn im Schnitt in den 22 Jahren seit Bestehen von Tal total 100 000 Menschen an den Mittelrhein gekommen sind, dann waren es in all den Jahren mehr als 2 Millionen. Das bedeutet doch, dass in einer solchen Veranstaltung nach wie vor Potenzial steckt, dass man aber auch das Konzept verbessern und sich neue Partner suchen muss. Was den Norden angeht, so sollte man hier lieber ein Konzept für einen eigenen Radtag entwickeln.

Der traditionelle Radtag hat zuletzt an Zuspruch verloren. Wie könnte die Marke Tal total künftig gestärkt werden?

Indem man zum Beispiel besondere Akzente für Familien mit Kindern setzt, auch Kindergärten und Schulen für die Idee begeistert und miteinbezieht. Da gibt es sicherlich viele Ansätze, mit neuen Elementen wieder für mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz zu sorgen. Es bleibt aber die Tatsache, dass Tal total bundesweit nicht gut beworben wird. Da sollte man sich neue Partner suchen, etwa die Deutsche Bahn, um wieder verstärkt Menschen an den Rhein zu bringen. Dann könnte man auch überlegen, in den Zeitschriften der Bahn oder anderswo entsprechend Werbung zu machen. Und sicherlich sollte man mal gucken, welche Konzepte andere Veranstalter haben. Da kann man sich gewiss das ein oder andere abgucken. Darüber hinaus sind meines Wissens Radsport sowie Breitensport treibende Vereine nie angesprochen worden. Auch da gibt es noch viel Potenzial.

Dann sagen Sie doch mal konkret, wie zum Beispiel der Bund Deutscher Radfahrer helfen könnte.

Wenn es beim autofreien Tal total bleibt, könnte auf unserer Internetseite für das Radfestival geworben werden. Mit 100 Millionen Klicks im Jahr haben wir im Sport das zweitgrößte Internetportal nach dem Fußball.

Wenn Tal total wieder Fahrt aufnimmt – sind Sie dabei?

Ich wäre gern bei einem autofreien Tal total 2014 dabei.

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