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Rockefeller hatte Neuwieder Wurzeln

Neuwied-Rockenfeld - Nein, die Ähnlichkeit der Namen ist kein Zufall: Die Ahnen des legendären Ölmagnaten und reichsten Menschen aller Zeiten, John D. Rockefeller, stammen wirklich aus Rockenfeld, dem verlassenen Stadtteil von Neuwied. Das bestätigte Amy Fitch vom Rockefeller Archive Center in New York jetzt auf Anfrage der RZ. „Unseres besten Wissens nach kommen die Vorfahren der Familie aus dieser Gegend“, schreibt sie.

Rockefeller hatte Neuwieder Wurzeln
Der Neuwieder Kurt Nesselhauf hat Rockenfeld in einer liebevoll gefertigten „HO-Miniatur“ noch einmal auferstehen lassen. Sie zeigt das Dorf um 1900.

Rockefeller hatte Neuwieder Wurzeln
Rockenfeld als es noch stand. Das Bild zeigt die örtliche Gaststätte Wilhelm Philppi um das Jahr 1920. Da hatte John D. Rockefeller gerade sein sagenhaftes Vermögen angehäuft.
Foto: Kreismedienzentrum Neuwie

Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

Rockefeller
Magnat John D. Rockefeller, Ölbild von John Singer Sargent aus dem Jahr 1917.

Neuwied-Rockenfeld – Nein, die Ähnlichkeit der Namen ist kein Zufall: Die Ahnen des legendären Ölmagnaten und reichsten Menschen aller Zeiten, John D. Rockefeller, stammen wirklich aus Rockenfeld, dem verlassenen Stadtteil von Neuwied. Das bestätigte Amy Fitch vom Rockefeller Archive Center in New York jetzt auf Anfrage der RZ. „Unseres besten Wissens nach kommen die Vorfahren der Familie aus dieser Gegend“, schreibt sie.

Originaldokumente gebe es zwar keine mehr, dafür schickt sie aber Auszüge aus einer 1910 veröffentlichten vierteiligen Genealogie mit, die Henry Oscar Rockefeller zusammen mit Benjamin F. und Claudius Rockefeller über seine Familie herausgegeben hat. Und darin weist der Autor zahlreiche Rockenfellers in unserem Kreis nach, angefangen bei einem „John William“ Rockenfeld, der um das Jahr 1628 geboren sein soll und am 6. Juli 1695 in Ehlscheid starb.

Spätere Forschungen haben einen Goddard beziehungsweise Gotthart Rockenfeller als ersten belegten Vorfahren der Familie ausgemacht. Er wurde 1590 in Fahr geboren, berichtet Erich Walther, der sich intensiv mit der Geschichte seines Heimatortes auseinandergesetzt hat (siehe Artikel links unten). Auch die deutsche Botschaft in den USA nennt auf ihrer Internetseite (germanoriginality.com) Goddard als Stammvater der Rockefellers.

Dessen Enkel Johann Peter (getauft in der evangelischen Kirche Rengsdorf) wanderte Anfang des 18. Jahrhunderts mit drei Kindern von Bonefeld nach Amerika aus und siedelte sich in Germantown (Pennsylvania) an. Und hier ließ er einfach das „n“ in seinem Namen weg. Wie Genealogie-Autor Henry Oscar Rockefeller schreibt, hatte sich das umgangssprachlich ohnehin schon lange eingebürgert. So berichtet er von Konrad Rockenfeld aus Langenberg, der ihn mit vielen langen und interessanten Briefen bei seiner Forschung unterstützt habe. „Er sagt selbst, dass auch er sich nie anders als Rockefeller nennt“, schreibt er.

Der kometenhafte Aufstieg der Familie beginnt allerdings nicht sofort mit der Ankunft in den USA. Es dauerte noch über 150 Jahre. So weiß man vom Urenkel des ersten amerikanischen Rockefellers, William Avery Rockefeller, dass er sich als Hausierer und Quacksalver durchs Leben schlug. Erst sein 1839 geborener Sohn John D. und dessen jüngerer Bruder William machten den Namen weltberühmt.

Sie gründeten 1870 zusammen mit mehreren Teilhabern die Standard Oil Company. Unter Rockefellers Führung schlossen sich zwei Jahre später mehrere Unternehmen zu einem Trust zusammen und verdienten reichlich Geld. Die große Stunde von John D. kam allerdings erst, als die Regierung unter Präsident Theodore Roosevelt den Trust 1911 in 34 Einzelunternehmen zerschlug. Der Aktienkurs sank daraufhin ins Bodenlose. Der ältere Rockefeller erkannte jedoch, dass er sich wieder erholen würde, und kaufte kräftig zu. Als dann das Ölgeschäft durch das Aufkommen der Automobile immer stärker gefragt war und im ersten Weltkrieg ungeahnte Höhen erreichte, wurde John D. Rockefeller zum reichsten Menschen aller Zeiten. Das Wirtschaftsmagazin Forbes hat ein Gesamtvermögen von über 300 Milliarden errechnet. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb in ihrer Serie über die großen Finanzdynastien, dass er reicher war als Bill Gates und Warren Buffett zusammen. Aber Rockefeller wurde nicht nur durch seinen Reichtum bekannt, sondern auch durch seine Skrupellosigkeit („industrieller Raubritter“) und gleichzeitig seine Wohltätigkeit. Konkurrenten schaltete er brutal aus, aber er gab auch einen großen Teil seines Geldes für karitative Zwecke.

Von dem Vermögen, das John D. anhäufte, profitiert seine weit verzweigte Familie noch heute. So ebnete sich damit Nelson Rockefeller eine Politkarriere, die ihn 1974 zur Vizepräsidentschaft unter Gerald Ford führte (drei Anläufe, selbst Präsident zu werden, scheiterten allerdings im republikanischen Vorwahlkampf). Heute noch lebt als reichster Rockefeller der 1915 geborene Enkel von John D. Rockefeller, David. Die vielen in Neuwied und Umgebung lebenden Rockenfellers dürfen sich getrost als mit ihm verwandt bezeichnen. Nur Ansprüche auf dessen Vermögen – es wird heute auf 2,7 Milliarden Dollar geschätzt – anzumelden, wäre wohl zwecklos. Das hat übrigens 2008 einmal ein angeblicher „Clark Rockefeller“ versucht und damit die amerikanische Öffentlichkeit in Atem gehalten. Er wurde aber schnell als ein aus Oberbayern stammender Hochstapler entlarvt.

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