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Rheinland-Pfalz

Ring bringt dem Steuerzahler hohe Verluste

Der 330 Millionen Euro teure Nürburgring-Ausbau wird für den Steuerzahler in jedem Fall zum Verlustgeschäft – unklar ist nur noch die Höhe. Das machte Ring-Sachwalter Jens Lieser vor dem Landgericht Koblenz deutlich.

Blick in die Leere: Die erhofften Besuchermassen gab es auf dem gigantischen Ring-Boulevard des Freizeitparks am Nürburgring nie. Geschäfte schlossen schnell wieder. Einst propagierte Ex-Ring-Manager Walter Kafitz, dass die Bauten 500 000 Besucher im Jahr mehr in die Eifel locken würden.  Foto: dpa
Blick in die Leere: Die erhofften Besuchermassen gab es auf dem gigantischen Ring-Boulevard des Freizeitparks am Nürburgring nie. Geschäfte schlossen schnell wieder. Einst propagierte Ex-Ring-Manager Walter Kafitz, dass die Bauten 500 000 Besucher im Jahr mehr in die Eifel locken würden.
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Von unserer Redakteurin Ursula Samary

Ring-Sachwalter Lieser
Ring-Sachwalter Lieser
Foto: picture alliance

Die Wirtschaftsstrafkammer beleuchtet die komplizierte Vergangenheit des inzwischen insolventen Großprojekts, während Lieser es noch in diesem Quartal mit einem Käufer in eine neue Zukunft entlassen will. Was wird geboten, will jeder wissen. "Es ist sicher so, dass die Gebote deutlich unter 330 Millionen Euro liegen werden", sagt Lieser auf die Frage des Vorsitzenden Richters Winfried Hetger in dem Untreueprozess gegen Ex-Finanzminister Ingolf Deubel, Ring-Manager Walter Kafitz und andere Verantwortliche der Finanzierung von überdimensionierten Bauten.

Ob die Gebote deutlich über den 77 Millionen Euro liegen werden, die das Gutachten des Immobilien-Unternehmens Jones Lang LaSalle vorsichtig als Verkehrswert ermittelt hatte, kann Lieser noch nicht sagen. Bei dieser Expertise stellten die beiden Rennstrecken mit rund 60 Millionen Euro noch den eigentlichen Wert dar. In die 2009 eröffneten Hotels und Gastro- und Feriendörfer hatte die SPD-geführte Landesregierung aber über ihre Förderbank 85 Millionen Euro gesteckt, als sie den damaligen Investor Kai Richter stützen musste.

Verkaufsprozess unter Störfeuer

Der Verkaufsprozess ist auch ohne Störfeuer nicht einfach. Das liegt an der Beteiligung der EU-Kommission, die die staatlichen Beihilfen für das Projekt monierte, aber auch am Objekt selbst, zu dem eben nicht nur die attraktiven Rennstrecken gehören. Denn die in die Eifel geklotzten Betonbauten sind für Großveranstaltungen wie die Formel 1 oder das 24-Stunden-Rennen ausgelegt. Aber davon gebe es im Jahr nur vier bis sechs, sagte Lieser. Bei Veranstaltungen mit weniger als 30 000 bis 40 000 Besuchern "verlieren sich die Menschen in den Gebäuden". Er hätte sich mehr Module gewünscht. Das inzwischen vom Schimmel befreite Gastrodorf "Grüne Hölle" liege jenseits der Bundesstraße ("eine Barriere") und damit ungünstig. Es wäre besser in den gewaltigen Boulevard integriert worden, sagte Lieser. Die Kartbahn hätte aus "gesundheitlichen Gründen eigentlich nicht betrieben werden dürfen". Sie wurde unter der Federführung der Sanierer von Gas- auf Elektrobetrieb umgestellt. Auch das Eventzentrum ist saniert.

Die Ausfälle der über Jahre nur still stehenden Achterbahn kann Lieser nicht beziffern. Das ist ihm zu spekulativ. Dies gelte auch für die vermutete Wertsteigerung beim inzwischen genehmigten Betrieb. Denn die Bahn dürfe nur "bei gutem Wetter", pro Stunde nur in eingeschränkten Intervallen starten und bei großen Rennen gar nicht auf Tempo 160 beschleunigen.

Pacht deckte nicht die Kosten

Vor Gericht angeklagt sind die teils bizarren Umstände der Mitte 2009 gescheiterten Privatfinanzierung des Ring-Ausbaus und geplatzter Schecks eines falschen US-Investors, die zu Deubels Rücktritt führten. Nach dem Crash übernahm die nahezu landeseigene Nürburgring GmbH den gesamten Komplex – über einen Kredit von 330 Millionen Euro von der Landesförderbank. Das politische Versprechen lautete 2010: Die Pacht des Betreibers, nicht der Steuerzahler werde das Prestigeprojekt finanzieren. Weil das aber nicht funktionierte, folgte die Insolvenz, die Lieser nun abwickelt. Ob man mit dem Pachtmodell "nicht sehenden Auges" in die Insolvenz gelaufen ist, hat Lieser nicht nachgerechnet. Wohl aber, dass Ex-Pächter Kai Richter am Nürburgring bei einem Grundstücksgeschäft 2,5 Millionen Euro verdient hat. Die will er gerichtlich wieder eintreiben.

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