40.000
Aus unserem Archiv
Speyer/Krefeld

Razzia in Speyer und Krefeld: Polizei gelingt Schlag gegen Call-Center-Szene

Die Polizei hat bei einer Razzia tiefe Einblicke in die miesen Maschen der Call-Center-Szene gewonnen – und in Speyer eine Firma durchsucht, die vermeintlich den Menschen zum Glück verhelfen wollte.

Speyer/Krefeld – Die Polizei hat bei einer Razzia tiefe Einblicke in die miesen Maschen der Call-Center-Szene gewonnen – und in Speyer eine Firma durchsucht, die vermeintlich den Menschen zum Glück verhelfen wollte.

Der Anruf erfolgte bevorzugt bei älteren Menschen: "Möchten Sie den Gewinnspielservice weiter nutzen?" Weiter? Die Angerufenen konnten sich gar nicht an ihre Zustimmung erinnern, dass die Firma in Speyer ihre Daten für bescheidene 49,90 Euro pro Monaten in mehr als 200 Gewinnspiele einträgt. Die Zustimmung hatten sie auch nie gegeben – und die Frage war auch nur Vehikel, um an die Daten zu kommen. Mit der vermeintlichen Kündigung kam dann der Vertrag erst zustande. Wer aus dem angeblich bestehenden Vertrag aussteigen wollte, musste nur noch für angeblich verbliebene drei Monate zahlen. Zumindest für diese drei Monate wurde dann Geld abgebucht. Und die Firma aus Speyer zahlte Provisionen an das Call-Center.

Zumindest damit ist jetzt Schluss: Im Call-Center in Krefeld steht kein Rechner mehr. Die hat die Polizei ebenso mitgenommen wie die drei Bosse im Alter von 25, 30 und 43 Jahren. Sie landeten unter Betrugsverdacht in U-Haft. Ihr Geschäft war einträglich: Die Polizei Krefeld spricht von exorbitanten Gewinnen, die Verdächtigen lebten in Saus und Braus in teuren Immobilien, fuhren Luxusautos.

In Speyer nahmen die Ermittler nur Unterlagen mit. "Es ist nicht illegal, die Eintragung in Gewinnspielen gegen Geld anzubieten", erläuterte ein Polizeisprecher. Allerdings ist noch offen, ob das Geschäft in Speyer mit anderen Call-Centern weitergeht und ob die Angerufenen auch tatsächlich wie versprochen an Gewinnspielen teilnahmen. "Wir haben noch keinen Gewinner gefunden." Dafür aber mehr als 10.000 Geschädigte, die Polizei geht bisher von einem Schaden von mehr als einer Million Euro aus.

Eine Frau büßte 13.000 Euro ein, weil sie sich gleich mehrfach übertölpeln ließ. "Angehörige von Geschädigten haben uns mitgeteilt, dass sie nun verstehen, warum es von Oma und Opa keine Weihnachtsgeschenke mehr gegeben hat", berichtete der Leiter der Ermittlungskommission "Call", Jochen Fier.

In Krefeld sollen 30 bis 35 Mitarbeiter bevorzugt ältere Menschen mit Anrufen tyrannisiert, massiv bedroht und beschimpft haben. Es wurden täglich tausende Menschen in der ganzen Republik angewählt, um ihnen Gewinnspielprodukte zu verkaufen. Die Polizei hat in Krefeld fünf Privatwohnungen, zwei Firmen und das Callcenter durchsucht. Neben der Firma in Speyer wurden zwei Firmen in Baden-Württemberg durchsucht, die ebenfalls mit Gewinnspielteilnahmen ihr Geschäft machen. (law)

Rheinland-Pfalz
Meistgelesene Artikel
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
  • Lokalticker
  • Regionalsport
  • Newsticker
Das Wetter in der Region
Donnerstag

-4°C - 6°C
Freitag

-5°C - 4°C
Samstag

-8°C - 4°C
Sonntag

-10°C - 0°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!