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    Betzdorf

    Prozess um Hundequäler-Video: Angeklagter bricht zusammen

    Beim Prozess um das Hundequäler-Video, das im vergangenen Jahr im Internet bundesweit starke emotionale Reaktionen hervorgerufen hat, haben sich am Donnerstag im Betzdorfer Amtsgericht dramatische Szenen abgespielt. Der Angeklagte brach zusammen und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Richterin Tanja Becher musste den Prozess daher unterbrechen.

    Eine Szene aus dem Hundequäler-Video.
    Eine Szene aus dem Hundequäler-Video.
    Foto: ohne

    Von unserem Redaktionsleiter Marcelo Peerenboom

    Zweieinhalb Stunden hat das Jugendschöffengericht bereits verhandelt und sich dabei vor allem mit einer zweiten Anklage befasst, die dem 21-jährigen Betzdorfer vorwirft, bei einer Kirmesparty Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma mit einer Waffe bedroht zu haben. Doch dann kommt der entscheidende Moment, der allen im Saal 308 einiges abverlangt: Richterin Becher lässt das Video abspielen, das den Angeklagten dabei zeigt, wie er mit brutaler Gewalt auf einen Hundewelpen einschlägt und Drohungen gegen seine Ex-Freundin und deren Eltern ausspricht. Der kleine Jack-Russel-Labrador-Mischling, den der Mann am Nacken packt und in die Kamera hält, heult permanent laut auf.

    Der Angeklagte will den kurzen Film nicht sehen, wendet sich ab, hält sich die Ohren zu. Auch Verwandte von ihm, die im Zuschauerbereich sitzen, haben die Hände auf den Ohren. Als das grausame Handyfilmchen zu Ende ist, hält es den Angeklagten nicht mehr auf dem Stuhl. Er schnappt nach Luft, reißt die Tür auf und rennt auf die Toilette.

    Es vergehen einige Minuten. Sein Verteidiger Daniel Walker bittet die beiden medizinischen Gutachter um Hilfe; wenig später treffen zwei Sanitäter ein und bringen den Mann aus der Toilette und anschließend ins Krankenhaus. Er kann kaum gehen, schnauft merkwürdig und sieht völlig mitgenommen aus. Später berichtet Psychiatriefacharzt Dr. Gerhard Buchholz, der Angeklagte habe auf dem WC eine Toilettenrolle zerdrückt, einen Muskelkrampf erlitten und hyperventiliert. Ob er auch unter Drogeneinfluss gestanden hat, konnte der Gutachter nicht feststellen.

    Für den Prozess bedeutet dieser Vorfall an diesem Tag zunächst das Ende. Das Jugendschöffengericht vertagt sich auf Februar, erlässt aber noch einen Unterbringungsbefehl: Der Angeklagte wird vorläufig in eine geschlossene Entziehungsanstalt überführt - auch um ihn vor sich selbst zu schützen, wie es Richterin Tanja Becher formuliert.

    Allzu viel Erhellendes rund um das Tierquälervideo erfährt das Gericht an diesem Tag nicht. Nur so viel: Auslöser war offenbar die Trennung von seiner Freundin. "Ich bin total abgedreht", gibt der 21-Jährige zu Protokoll. Seinen Angaben zufolge war er da bereits mehrere Tage wach gewesen. Zehn Ecstasy-Tabletten in einer Nacht seien für ihn damals durchaus normal gewesen. Und als sich die Freundin dann von ihm getrennt hat, "da wollte ich mich einfach nur ins Aus hauen".

    Unter dem Drogeneinfluss brachte er dann an diesem verhängnisvollen 16. Februar 2014 eine Drohbotschaft auf den Weg. Er schnappte sich den kleinen Hund, zeichnete das Handyvideo auf und sprach dabei Drohungen in die Kamera. Das Filmchen verschickte er übers Handy an seine Ex-Freundin. Diese meldete sich umgehend bei der Polizei, die dann unverzüglich zu dem Betzdorfer fuhr, ihm den Hund abnahm und die Ermittlungen aufnahm. Wie der Film letztlich auf Youtube, Facebook & Co. landete, wird sich wohl erst während der nächsten Verhandlungstermine klären.

    Kaum war das Video online zu finden, setzte ein regelrechter Shitstorm ein. Auf diversen Portalen überschlugen sich Internetnutzer beim Formulieren von Hasstiraden. Etliche schrieben, sie wünschten dem Mann den Tod, andere riefen offen zur Gewalt gegen den Betzdorfer auf.

    Nach Aussage von Gutachter Gerhard Buchholz handelt es sich beim Angeklagten um eine "hochgradig auffällige Persönlichkeit" mit dissozialen Tendenzen und einer Störung der Impulskontrolle. Er ist laut Buchholz außerdem stark drogen- und alkoholabhängig und hat sich bisher nicht in Therapie begeben. Diese scheint aber dringend angezeigt, wie auch der zweite Tatvorwurf zeigt, mit dem sich das Jugendschöffengericht zu befassen hat.

    Demnach wurde der junge Mann am 22. Juni 2013 bei der Kirmes in Elkenroth schon einmal auffällig. Wie Verteidiger Daniel Walker dem Gericht vorrechnet, kam sein Mandant in jener Nacht auf einen Konsum von 30 Bier und 30 Jägermeister.

    Außerdem hat er laut Walker "im Stundentakt" Amphetamine zu sich genommen, "um klarzukommen" und drei bis vier Ecstasytabletten geschluckt. Walker spricht von "einem seiner wildesten Abende"; er habe zuvor noch nie so viel getrunken und so viele Drogen konsumiert. Wie ein "normaler Abend" aussieht, berichtet der junge Mann selbst: Sich was durch die Nase ziehen, Joints rauche, Bier trinken und Playstation spielen.

    Während sich der Angeklagte nur bruchstückhaft erinnern kann und berichtet, er wisse ja manchmal nicht mehr, was er tags zuvor gegessen habe, wissen die Mitarbeiter, die bei der Kirmes für die Sicherheit zuständig waren, noch ganz genau, was passiert ist. Demnach war der damals 20-Jährige stark alkoholisiert und hat gemeinsam mit seinem Kumpel Ärger im Festzelt verursacht. Er erhielt daraufhin Platzverbot. Seine Antwort: Er hole jetzt seine Pistole, komme wieder und werde alle über den Haufen schießen.

    Einige Zeit später tauchte der Angeklagte den Zeugenaussagen zufolge tatsächlich auf dem Elkenrother Festplatz wieder auf, schoss in die Luft und bedrohte die Securitymitarbeiter. Auf einen zielte er demnach auch. "Wenn das keine Schreckschusspistole gewesen wäre, wäre ich jetzt tot", sagt der Getroffene aus. Sein Kollege zog derweil eine Pfefferspray-Pistole und zielte auf den Angeklagten. Damit wurde er außer Gefecht gesetzt. Als er fliehen wollte, konnten ihn die Sicherheitsbeauftragten stellen und in Handschellen der Polizei übergeben.

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