Koblenz

Prozess: Ex-IHK-Chef Podzun streitet Untreue-Vorwürfe ab – Rufmordkampagne

Der frühere IHK-Chef Hans-Jürgen Podzun (65) sieht sich als Opfer – als Opfer einer Rufmordkampagne seines ehemaligen Arbeitgebers, der Industrie- und Handelskammer Koblenz. Doch als er jetzt, gut drei Jahre nach seinem Sturz, wegen Untreue und Steuerhinterziehung vor dem Amtsgericht Koblenz stand, wollte er den Namen des Mannes, den er für die Kampagne verantwortlich macht, nicht nennen.

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Hans-Jürgen Podzun
Dunkler Anzug, gelbe Krawatte: Hans-Jürgen Podzun (66) erschien vor Gericht wie man ihn als IHK-Chef kannte. Aber sein Blick war traurig.
Foto: dpa

Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

Erst auf Nachfrage von Richter Armin Steinhauser, ob es der amtierende IHK-Präsident Manfred Sattler ist, erklärte er: „Ich will Ihnen nicht widersprechen.“Podzun war 18 Jahre lang Hauptgeschäftsführer der IHK, somit einer der mächtigsten Wirtschaftsfunktionäre in Rheinland-Pfalz. Er erschien im Gerichtssaal in schwarzem Anzug, mit gelbem Schlips und Verdienstkreuz am Revers. Auf den ersten Blick war der IHK-Chef Podzun nicht vom Angeklagten Podzun zu unterscheiden. Doch der Prozess ist der Tiefpunkt seines Berufslebens. Sein Blick war traurig, oft den Tränen nahe.

Von 43 Untreuetaten ist die Rede

Laut der Anklageschrift verübte Podzun zwischen Oktober 2006 und Januar 2011 43 Untreuetaten: Erstens ließ er sich von einem Fahrer in seinem Dienstwagen von Koblenz unter anderem nach Frankfurt, Köln und Düsseldorf fahren – ohne dass dies einen dienstlichen Anlass hatte (Schaden laut Anklage: 2624 Euro). Zweitens kaufte er vom Gastronomischen Bildungszentrum (GBZ) in Koblenz – einer Einrichtung der IHK – einen gebrauchten Weinkühlschrank für 100 Euro, obwohl dieser noch mindestens 2000 Euro wert war (Schaden: 1900 Euro).

Der ehemalige Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Koblenz, Hans-Jürgen Podzun, sein Anwalt Eckhard Kunz, der ehemalige stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Koblenz, Edelbert Dold, und Anwalt Franz Salditt im Gerichtssaal.
Der ehemalige Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Koblenz, Hans-Jürgen Podzun, sein Anwalt Eckhard Kunz, der ehemalige stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Koblenz, Edelbert Dold, und Anwalt Franz Salditt im Gerichtssaal.
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Drittens feierte er im GBZ mit rund 50 Personen seinen 60. Geburtstag und bezahlte für das Drei-Gänge-Menü nur 1500 Euro, obwohl es 3948 Euro kostete (Schaden: 2448 Euro). Viertens flog er für das GBZ zu Weinveranstaltungen unter anderem in Australien, Argentinien und Südafrika, nahm seine Ehefrau mit und rechnete deren Flugkosten illegalerweise über das GBZ ab (Schaden: 15 027 Euro). Darüber hinaus wirft die Staatsanwaltschaft Podzun vor, von 2007 bis 2009 insgesamt 17.571 Euro Einkommensteuern hinterzogen zu haben, da er nicht angab dass er seinen Dienstwagen auch privat nutzte.

Auch stellvertretender IHK-Chef angeklagt

Neben Podzun ist Edelbert Dold (63) angeklagt – wegen 21 Untreuefällen. Er war stellvertretender IHK-Chef und Geschäftsführer des GBZ. Laut Anklage wusste er von Podzuns Untreuehandlungen und zeichnete diese ab.

Neben Podzun ist Edelbert Dold (63) angeklagt – wegen 21 Untreuefällen.
Neben Podzun ist Edelbert Dold (63) angeklagt – wegen 21 Untreuefällen.
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Es ist 10.32 Uhr, als die Stunde des Hans-Jürgen Podzun schlägt. „Herr Podzun“, fordert ihn der Richter auf, „tragen Sie vor!“ Der springt auf, begrüßt alle Anwesenden im Saal und erklärt: „Ich bin unschuldig! Ich habe nicht in die Kasse gegriffen, niemanden betrogen!“ Der Richter drängt ihn, sich zu setzen. Vor einem Gericht stehe man nicht.

Powerpoint-Präsentation im Gerichtssaal

Podzun startet eine Powerpoint-Präsentation und fühlt sich bemüßigt eine Art Resümee seiner 18 Dienstjahre zu ziehen. Er wirft unzählige Bilder an die Wand: Podzun mit Norbert Blüm, Podzun mit Rita Süssmuth, Podzun mit Helmut Kohl, Podzun mit Kurt Beck. Er erzählt – inzwischen steht er wieder –, wie er sich mit politischen Forderungen „nicht nur Freunde machte“, wie er es bis nach Berlin in die Bundespressekonferenz schaffte und wie er den Bundespräsidenten und Biertrinker Johannes Rau in die IHK-nahe Weinschule nach Koblenz lockte.

Alle Vorwürfe zurückgewiesen

Podzun trug eineinhalb Stunden vor – und wies alle Anklagevorwürfe zurück. Er habe seinen Dienstwagen nur dienstlich genutzt. Und selbst wenn er sich mal zum Flughafen fahren ließ, um in den Urlaub zu fliegen, habe er auf der Fahrt noch wichtige dienstliche Telefonate geführt. Ja, er habe den Weinkühlschrank für 100 Euro gekauft, aber in seiner Wohnung „ausschließlich dienstlich“ genutzt – um Wein zu lagern, den er für seine Tätigkeit als Präsident der Weinschule brauchte. Auch seine Geburtstagsfeier im GBZ habe dienstlichen Charakter gehabt, drei Viertel der Gäste seinen „öffentliche Personen“ gewesen. Auf den Dienstreisen war seine Frau dabei – weil das üblich sei und weil sie für das GBZ mit ihrem Charme eine nützliche Repräsentantin war.

Auch Dold wies alle Vorwürfe zurück. Ein Beispiel: Die Fernreisen des Ehepaars Podzun seien für das GBZ sehr wichtig gewesen, um internationale Kontakte aufzubauen. Und sie seien alle korrekt abgerechnet worden. Wir werden weiter über den Prozess berichten.