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Bingen

Post haftet nicht für gestohlene Haustürschlüssel

Stellen Sie sich vor, Sie überlassen dem Postboten Ihren Hausschlüssel, damit er Briefe auch dann zustellen kann, wenn niemand im Haus ist – und dann wird der Schlüssel geklaut. Genau das ist jetzt Menschen in Bingen passiert. Aus einem sogenannten Übergabepunkt – dort übernehmen die Zusteller die Post, die sie zu verteilen haben – sind bei einem Einbruch zwei Schlüsselbünde verschwunden. Um wie viele Schlüssel genau es geht, will bei der Post niemand sagen.

Dem Briefträger einen Schlüssel zu übergeben, damit er immer ins Haus kann, kann riskant sein. Das hat sich in Bingen herausgestellt.
Dem Briefträger einen Schlüssel zu übergeben, damit er immer ins Haus kann, kann riskant sein. Das hat sich in Bingen herausgestellt.
Foto: picture alliance

Von unseren Redakteuren Angela Kauer und Lars Wienand

Den Ärger haben jetzt jedenfalls die Kunden. Denn an den meisten Schlüsseln waren Adressschildchen angebracht. Wer den Schlüssel hat, weiß also auch, wo er ihn reinstecken muss. Die betroffenen Kunden müssen ihre Schlösser austauschen lassen. Die Post haftet nicht. Denn: "Wir sagen unseren Zustellern schon seit Jahrzehnten, dass sie keine Schlüssel annehmen sollen", erklärt ein Sprecher des Unternehmens. Ein offizielles Verbot gebe es zwar nicht, aber entsprechende Anweisungen. "Die Zusteller sollen lieber hundertmal klingeln", sagt der Sprecher.

Er weiß nicht, wie verbreitet die Praxis, den Schlüssel anzunehmen, trotzdem ist. "Vor allem in Städten gibt es ja viele Mietshäuser, in denen die Briefkästen im Hausflur angebracht sind", sagt der Sprecher. Offiziell habe die Post keinen Überblick, wann welche Schlüssel übergeben wurden.

Wie viele Schlüssel unterwegs sind, mag auch der bei Verdi in Koblenz für den Fachbereich Postdienste zuständige Gewerkschaftssekretär Sigurd Holler nicht schätzen: "Ich weiß, dass es das gibt, und nicht nur in Großstädten, Wohnkomplexe mit Briefkästen Innen gibt es ja vielerorts." Er sieht die Briefträger da im Spannungsfeld: Sie dürften offiziell keine Schlüssel annehmen, aber sie stehen unter dem Druck, möglichst viel Post zuzustellen. "Eigentlich sind pragmatische Lösungen im Interesse der Post, wenn sie der Qualität der Zustellung dienen", sagt Holler. Aber wenn der Arbeitgeber das Annehmen von Schlüsseln offiziell nicht dulde, dann verstießen Briefträger gegen arbeitsrechtliche Bestimmungen. Auf der anderen Seite bekomme ein Zusteller Probleme, wenn er regelmäßig viele Sendungen zurückbringt. Die Post erhebe den Zustellgrad.

Im Zweifelsfall könnte der Zusteller sogar in Haftung genommen werden, wenn der Arbeitgeber nichts davon weiß, dass die Schlüssel aufbewahrt wurden. Sollte es aber einen offiziellen Schlüsselkasten in den Posträumen geben, sehe das wieder anders aus.

Von einem Schlüsselkasten oder Schlüsselbrett in Bingen weiß der Post-Sprecher nichts. "Ich gehe davon aus, dass die Schlüssel in einer Schublade aufbewahrt wurden", sagt er. Auf den Kosten für den Austausch der Schlösser bleiben also wahrscheinlich die Kunden sitzen.

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