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Nürburgring: Chef vom „Bilster Berg“ bietet mit

Das Rennen um den Kauf des Nürburgrings bleibt offen. Die Anwälte von Capricorn und H.I.G. verhandeln vertraulich über ihr jeweiliges verbindliches Kaufangebot. Neben dem Düsseldorfer Mittelständler und der global agierenden Investmentgesellschaft sollen noch ein bis zwei weitere Bieter am Start sein.

Zieht sich der Verkauf des Rings bis ins späte Frühjahr oder gar noch länger? Die Verhandlungen gestalten sich schwierig.  Foto: dpa
Zieht sich der Verkauf des Rings bis ins späte Frühjahr oder gar noch länger? Die Verhandlungen gestalten sich schwierig.
Foto: dpa

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

Der derzeitige Zeitplan: Am 17. Februar fällt die Tür zur Abgabe eines finalen Angebots ins Schloss. Danach wird ein Kaufvertrag ausgehandelt. Dieser wird erst wirksam, wenn die EU grünes Licht gibt. Das kann bis März/April, vielleicht sogar noch länger dauern. Derweil bangen die 300 Beschäftigten am Ring um ihre Arbeitsplätze.

Cox: Guter Draht zum Rennsport

In der Region um den Nürburgring und bei vielen Motorsportfans löst vor allem das Private-Equity-Haus H.I.G. – mit Sitz in Miami, New York, London, Paris und Hamburg – Ängste aus. Partner von H.I.G. ist nach Informationen unserer Zeitung der Ex-Rennfahrer und Finanzmarktexperte Meyrick Cox. Dem diskreten Briten werden exzellente Verbindungen zur Formel 1 nachgesagt. Zudem ist die Unternehmensgruppe Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, wie unsere Zeitung erfuhr, definitiv mit im Boot. In diese Richtung hatte auch schon der Motorsportjournalist Wilhelm Hahne gewiesen.

Doch zurück zur Unternehmensgruppe Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, die auf ein altes westfälisches Adelsgeschlecht zurückgeht. Zu den Geschäftsbereichen innerhalb der Holding zählen das "Gräflicher Park Hotel & Spa", die Gräflichen Kliniken mit vier Rehabilitationskliniken und die Gräflichen Quellen mit den Bad Driburger Naturparkquellen. Motto des Unternehmens: "die Quelle aller Werte".

Teststrecke privat finanziert

Bundesweit bekannt wurde Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff als Geschäftsführer und Ideengeber der im April 2013 eröffneten Test- und Präsentationsstrecke Bilster Berg im nordrhein-westfälischen Kreis Höxter (Ostwestfalen-Lippe). Die 4,2 Kilometer lange und 34 Millionen Euro teure Strecke im Teutoburger Wald ist komplett privat finanziert. Die legendäre Nordschleife am Nürburgring stand angeblich Pate für den Bau.

Die Bietergemeinschaft um H.I.G. sieht Graf von Oeynhausen-Sierstorpff offenbar als ihr deutsches Gesicht. Zudem hat er bewiesen, dass er den Bau einer Rennstrecke ohne finanzielle Turbulenzen über die Ziellinie bekommt. Dennoch: Aus rein finanziellen Gründen dürfte das gräfliche Engagement nachrangig sein. Die Investmentgesellschaft, die nach eigenen Angaben weltweit ein Kapital von mehr als 10 Milliarden Euro verwaltet, hat ganz sicher kein Problem, das nötige Kleingeld für den Nürburgring aufzutreiben.

Ihr Problem dürfte eher sein, dass Unternehmen mit Fondsstrukturen ein rotes Tuch in der Eifel und bei allen Motorsportfans sind. Sie befürchten, dass fortan nur noch der schnöde Mammon am Ring regieren wird. Doch im Umfeld von H.I.G. hat man wenig Verständnis für derartiges Misstrauen.

Massive Vorbehalte, H.I.G. könne nach dem Kauf eine Zerschlagung des Rings planen, ohne Rücksicht auf regionale Akteure hemmungslose Preistreiberei betreiben oder sich vom Kerngeschäft Motorsport abwenden, werden in Kreisen um H.I.G. als realitätsfern und unzutreffend bezeichnet. Das Private-Equity-Haus will sich nach Informationen unserer Zeitung klar zum Renn- und Motorsport bekennen und dieses Segment ausbauen, heißt es in Branchenkreisen.

Achterbahn muss nicht bleiben

Zugleich sieht die Investmentgesellschaft dem Vernehmen nach Chancen, wesentliche Teile des Freizeit- und Eventbereichs rund um die Rennstrecken fortzuführen und profitabel zu gestalten. Was nicht bedeutet, dass beispielsweise die Achterbahn eine Zukunft hat. H.I.G. Europe und seine Partner sind nicht nur finanzstark, sondern nach Informationen unserer Zeitung zudem bereit, in der Eifel zu investieren. H.I.G. will am Ring angeblich richtig Geld in die Hand nehmen. Das Unternehmen selbst äußert sich derzeit nicht zu dem Verkaufsprozess.

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