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    „Nicht zu begreifen“: Tod eines Kitakindes wirft Fragen auf

    Kerzen, Blumen und Trauerkarten am Eingang eines Kindergartens: Nach dem tragischen Tod eines Dreijährigen steht Bad Breisig (Kreis Ahrweiler) unter Schock. „Das ist das Schlimmste, was einem Kindergarten passieren kann“, sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Bernd Weidenbach. Der kleine Junge hatte am Montagvormittag den Kindergarten Regenbogen unbemerkt durch eine unverschlossene Hintertür verlassen. Später wird er in einem nahen, privaten, eingewachsenen Gartenteich gefunden, im Wasser treibend. Trotz Wiederbelebung stirbt er später im Krankenhaus.

    Trauer, wo eigentlich Kinderlachen erklingen soll: Vor einem Kindergarten in Bad Breisig sind Kerzen, Blumen und Kuscheltiere aufgestellt worden. Ein dreijähriger Junge war am Montag unbemerkt aus der Einrichtung ausgerissen und in einem Gartenteich ertrunken. Foto:  dpa
    Trauer, wo eigentlich Kinderlachen erklingen soll: Vor einem Kindergarten in Bad Breisig sind Kerzen, Blumen und Kuscheltiere aufgestellt worden. Ein dreijähriger Junge war am Montag unbemerkt aus der Einrichtung ausgerissen und in einem Gartenteich ertrunken.
    Foto: dpa

    „Wir sind jetzt wie in einer Schockstarre. Das ist nicht zu begreifen“, sagt die Bad Breisiger Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch. Der Junge soll das Nesthäkchen einer Familie mit zwei weiteren Söhnen im Alter von fünf und acht Jahren gewesen sein.

    Aufsichtspflicht verletzt?

    Viele Menschen stellen sich nun eine Frage: Haben die Erzieher ihre Aufsichtspflicht verletzt? „Die Erzieher stehen bei ihrer Arbeit mit einem Bein im Gefängnis“, formuliert es Norbert Hocke drastisch. Der Experte für Kinder- und Jugendhilfe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) betont den Spagat, den sie in der Praxis bewältigen. Einerseits müssen sie der Aufsichtspflicht, die Eltern ihnen übertragen, gerecht werden. „Im Prinzip wird von Aufsichtspersonen nicht mehr und nicht weniger erwartet als von Eltern“, sagt Prof. Simon Hundmeyer, Jurist und Experte für Aufsichtspflicht. Je gefährlicher die Situation, desto enger die Aufsicht, lautet die Faustformel.

    Andererseits müssen die Erzieher dafür sorgen, dass die Kinder sich frei entfalten, so Erziehungsexperte Hocke. „Dazu gehören meist auch Zeiten ohne Beisein von Erwachsenen. Die Mitarbeiter stellen sich jeden Tag die Frage: Wie viel Einschränkung mute ich dem Kind zu?“, betont er. Laut Hocke haben Kitas in der Regel eine pädagogische Konzeption, in der festgelegt wird, wie ein Haus arbeitet, welche Türen offen stehen und wie Kinder beaufsichtigt werden. „Diese Konzeption wird auch mit den Eltern ausgehandelt“, erklärt er.

    Durch eine Fluchttür entwischt

    Der Dreijährige in Bad Breisig ist durch eine den Kindern eigentlich unbekannte Fluchttür bei einem Lagerraum entwischt, die nicht verschlossen war. Sie zu verschließen, sei laut Unfallkasse Rheinland-Pfalz, die den Kitaträgern im Land in Sachen Sicherheit berät, aber auch nicht zulässig gewesen. „Was wir nicht wollen, ist, dass aus Kitas Hochsicherheitstrakte werden“, betont Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der GEW Rheinland-Pfalz, wenngleich er sich weitere Sicherheitsstandards in Kitas wünscht. Zum Beispiel mit Signalmeldern an solchen Türen.

    Ob das den Bad Breisiger Jungen hätte retten können, bleibt ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat eine rechtsmedizinische Untersuchung der Leiche angeordnet, um den vermuteten Tod durch Ertrinken zweifelsfrei zu klären, sagte Oberstaatsanwalt Rolf Wissen. Geprüft wird auch, ob die Aufsichtspflicht verletzt wurde. Den Erziehern drohen rechtliche Konsequenzen. „Unter Erziehern am gefürchtetsten ist die strafrechtliche Verfolgung. Sie kommt aber fast nie vor“, so die Erfahrung des emeritierten Rechtsprofessors Hundmeyer. Meist geht es um die Frage, ob den betroffenen Mitarbeitern Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz nachgewiesen werden kann.

    „Für alle Beteiligten ist das, was da passiert ist, ein absoluter Albtraum. Wir dürfen jetzt nicht reflexartig den Erzieherinnen einen Vorwurf machen“, warnt Gewerkschafter Hammer und fordert einen Personalschlüssel, der den Kindern gerecht werden müsse. In Rheinland-Pfalz liegt dieser laut Bertelsmann Stiftung im Schnitt bei 8,8 Kindergartenkindern, die Stiftung empfiehlt höchstens sieben bis acht Kinder pro Erzieher. Der Kindergarten Regenbogen hat rund 100 Kinder und 15 Erzieher. Personalnot habe es nicht gegeben, versichert Stadtbürgermeisterin Hermann-Lersch. Jens Albes/Marta Fröhlich

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